Marie-Schlei-Haus war unwirtschaftlich

Wittenau. Mit Ausnahme der SPD haben alle Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 13. Februar den "sehr unsensiblen Umgang der Arbeiterwohlfahrt (AWO) mit den pflegebedürftigen Bewohnern" des Marie-Schlei-Hauses kritisiert.

Anlass der Kritik ist die nach ihrer Ansicht kurzfristig mitgeteilte Entscheidung, die Einrichtung am Eichborndamm 124 als Heimstatt für Pflegebedürftige aufzugeben. So kritisierte Torsten Hauschild, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, dass es schon im Dezember vergangenen Jahres Hinweise auf die Veränderung gegeben habe. Aber erst auf einer Informationsveranstaltung am 28. Januar seien Bewohner und Angehörige informiert worden. Die CDU-Wittenau hatte schon vor der BVV der AWO Profitmaximierung vorgeworfen. Mit der Ansiedlung "Hunderter Asylbewerber" drohten dem Wohnquartier zudem "soziale Verwerfungen", befürchtet der CDU-Verordnete Alexander Göbel. Hintergrund der beabsichtigten Nutzungsänderung ist, dass das Marie-Schlei-Haus nicht wirtschaftlich ist. Als in der BVV der Piraten-Verordnete Benjamin Adamski fragte, seit wann dem Bezirksamt die finanzielle Notlage des Heims bekannt sei, antwortete Sozialstadtrat Andreas Höhne (SPD): "Gefühlte Jahrzehnte." Laut Höhne lag die Auslastung des Hauses in den vergangenen zehn Jahren nie über 65 Prozent. Um ein Heim wirtschaftlich führen zu können, müsse der Betreiber jedoch dauerhaft auf 85 bis 90 Prozent kommen.

Ursache der Schieflage ist offenbar die bauliche Beschaffenheit des Gebäudes. Lange konnten nur unattraktive Vier-Bett-Zimmer angeboten werden. Doch auch nach einem Umbau zu Zwei-Bett-Zimmern mit eigener Nasszelle, in den der Hauseigentümer Petrus-Werk 2,5 Millionen Euro investierte, habe sich die Auslastung nicht verbessert. Zudem geriet der Betreiber des Marie-Schlei-Haues, das AWO Ida-Wolff-Geriatriezentrum Neukölln gGmbH, mit dem AWO-Landesverband in die Insolvenz. Der Insolvenzverwalter hat den Mietvertrag mit dem Petrus-Werk gekündigt. Jetzt sollen die rund 80 verbliebenen Bewohner wie Mitarbeiter über das AWO-Pflegenetz bis zum 31. März in andere Einrichtungen vermittelt werden.

Bezirksamt und AWO diskutieren nun über eine eventuelle Nutzung des Marie-Schlei-Hauses als Asylbewerberheim.


Christian Schindler / CS
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