Taubendreck und Taktungen: S-Bahn-Chef im Gespräch mit Reinickendorfern

Zum Auftakt einer Info-Reihe im Rathaus hatte der Reinickendorfer Stadtrat für Stadtentwicklung Martin Lambert (rechts) den S-Bahn-Geschäftsführer Peter Buchner eingeladen. (Foto: Berit Müller)
 
S-Bahn-Chef Peter Buchner stellte sich am 2. November den Fragen interessierter Reinickendorfer. (Foto: Berit Müller)
Berlin: Rathaus Reinickendorf |

Reinickendorf. Der Taubendreck am S-Bahnhof Wittenau kam gleich mehrfach zur Sprache. Auch die Stationen Hermsdorf und Waidmannslust standen in der Kritik. Zum Auftakt einer Info- und Diskussionsreihe des Bezirksamtes am 2. November ging es um die S-Bahn in Reinickendorf.

Allzu unzufrieden können die Reinickendorfer mit der S-Bahn nicht sein – schlussfolgerte Stadtrat Martin Lambert (CDU) angesichts der überschaubaren Menge, die sich im Saal der Bezirksverordneten eingefunden hatte. Dabei war der Einladung des Stadtrats für Stadtentwicklung sogar S-Bahn-Chef Peter Buchner gefolgt.

Bevor er sich den Fragen stellte, ließ es sich der Vorsitzende der Geschäftsführung nicht nehmen, ein paar Erfolge zu nennen. In Sachen Pünktlichkeit, Kundeninformation, Sauberkeit und Sicherheit sei die S-Bahn auf bestem Wege, so Buchner. Er verwies auf das Marktforschungsunternehmen Ipsos, das jährlich erhebt, wie zufrieden die Deutschen mit ihren regionalen Verkehrsmitteln sind. Vom letzten Platz im Jahr 2011 habe es die S-Bahn 2015 auf den ersten geschafft. Dennoch räumte Peter Buchner ein: „Unser Ziel, dass 96 Prozent aller Züge pünktlich sind, haben wir nicht erreicht – trotz aller Anstrengungen.“

Mehr als zu späte Züge scheint die Reinickendorfer etwas anderes zu stören: Die Bahnen fahren zu selten – jedenfalls auf der S25. „Die Linie ist ein Stiefkind“, kam es aus den Zuschauerreihen. „Früher fuhr die im 5-Minuten-Takt. Wann wird hier endlich zwei- oder dreigleisig ausgebaut?“ Das liege nicht allein in seiner Hand, so die Antwort von Buchner. „Die Entscheidung muss das Land Berlin treffen, weil es um die Finanzierung geht, die wir nicht allein übernehmen können. Ich hätte auf der S25 auch gern einen Zehn-Minuten-Takt, zumindest bis nach Tegel.“

Fehlende Fahrgast-Anzeigen auf manchen Bahnhöfen der Linie von Teltow nach Hennigsdorf und an einigen Stationen der S1 bemängelte ein anderer Gast. Buchner sieht auch hier den Senat in der Pflicht. Das Geld für die Ausstattung der Bahnsteige müsse irgendwo herkommen.

Kein Lädchen, kein Kleingeld und der Fahrkarten-Automat nimmt partout keine Geldscheine an – das sei eine typische Situation auf dem S-Bahnhof Hermsdorf, erzählte ein Anwohner aus dem Ortsteil. Eine Erklärung konnte der S-Bahn-Chef liefern: „Auf unseren Bahnsteigen wurden etliche Automaten gesprengt. Das ist nicht nur ärgerlich, es kann auch lebensgefährlich werden, weil die Gehäuse so viel wiegen. Also haben wir uns mit der Polizei beraten und an besonders bedrohten Standorten tatsächlich die Geldschein-Annahme gesperrt.“ Nun warte er auf Farbpatronen, die in die Automaten kommen. Deren Tinte sorge für unbrauchbare Banknoten, schon beim Versuch zu sprengen. Was die Täter hoffentlich davon abhalte. Weil der Bedarf an den Patronen so groß sei, gebe es aktuell ein Lieferproblem.

Monitore – wie sie die BVG in den unterirdischen Zügen einsetzt – standen auch auf der Wunschliste. Allerdings nicht für Werbung. Vielmehr sollten die Bildschirme über Anschlüsse, Verspätungen und Zugausfälle informieren. In absehbarer Zeit sei das nicht machbar, so Buchner. Aus technischen wie finanziellen Gründen. Weil der Gesamtberliner Bestand an rund 600 Zügen überwiegend veraltet sei, habe die S-Bahn alle Hände voll damit zu tun hat, die Wagen am Laufen zu halten. Umrüstungen kämen nur infrage, sofern sie der Fahrtüchtigkeit dienen. Jedenfalls bis zum Jahr 2025.

In puncto Taubendreck am S-Bahnhof Wittenau hatte Peter Buchner doch noch eine gute Nachricht für seine Zuhörer. Die hatten die Zustände – Taubenkot auf Bahnsteig, Gleisen und Gebäuden, selbst auf dort abgestellten Fahrrädern – sehr deutlich geschildert. „Das ist schon ein Riesen-Ärgernis“, gab der S-Bahn-Chef zu. „Wir werden uns etwas einfallen lassen und das Problem auf eigene Rechnung lösen – spätestens bis Ende des ersten Quartals 2016.“ bm
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