Haus in der Knesebeckstraße 1 ist Denkmal des Monats April des Bezirksamtes

Wie ein kleines Märchenschloss wirkt das in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunders erbaute Haus in der Knesebeckstraße 1. (Foto: Lenz Werk Berlin, Denkmalschutzbehörde)
Berlin: Knesebeckstrae 1 |

Die Villa in der Knesebeckstraße 1 sieht aus wie ein kleines Märchenschloss – verspielt und verwinkelt, mit Turm und Fachwerk, Balkonen und Giebeln. Das Gebäude wurde kürzlich saniert und instand gesetzt. Die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks hat das Gebäude zum Denkmal des Monats April gewählt.

Konrad Wilhelm Juluis Robert Kleinau (1846-1921), Stadtbaudirektor in Magdeburg und später Magistratsoberbaurat in Berlin, lebte seit 1893 in Zehlendorf. Das Haus in der Knesebeckstraße 1 ließ er 1903/1904 errichten, zunächst auf eigene Rechnung. Später übernahm es der Kaufmann Albert Buchelen.

In den 1970er-Jahren baute der evangelische Verein der Gehörlosen das Haus in ein Altenheim um. Später wurde es als Wohnhaus vermietet. Im Lauf der Jahre wurden am Haus Veränderungen vorgenommen, die aus denkmalpflegerischer Sicht nicht passten. So wurde das Scheinfachwerk an den Giebeln, Loggien und am Erker mit knallroter Farbe bemalt.

Nach der Sanierung wurde deutlich, welche Gestaltungselemente das Gebäude leicht und verspielt wirken ließen. Prägend war der Jugendstil und die Heimatschutzarchitektur, eine Weiterentwicklung des Historismus mit traditionellen, regionaltypischen Bauformen. Zu sehen ist Gestaltungsvielfalt an den Gittern und den Geländern. Grün glasierte Dachziegel betonen die Horizontale.

Auch im Innern des Hauses finden sich besondere Stilelemente. Insektenähnliche Gravuren schmücken Türbeschläge, florale Verzierungen die Türverglasungen, Blumenmotive die Gitter vor den Fenstern. Im Gewölbekeller sind figürliche Malereien und Spruchbänder an den Wänden zu sehen. Sie stellen typische Wirtshausszenen dar, eine frühere Nutzung als Weinkeller liegt nahe.

Robert Kleinau hat in Zehlendorf noch weit mehr Spuren hinterlassen. Er baute viele Häuser, die heute unter Denkmalschutz stehen – in der Martin-Buber-Straße, der Beuckestraße der Hohenzollernstraße, der Riemeisterstraße und der Prinz-Handjery-Straße. Er war aber nicht nur Baumeister, sondern auch Landschaftsplaner.

So war er an der Gestaltung des Lindengartens des Cafetiers Ferdinand Keck beteiligt. Der Garten lag an der Ecke Mühlenstraße und Prinz-Handjery-Straße. Keck schuf mit Hilfe Kleinaus und des Obergärtners Wilhelm Derling eine Art wilhelminisches Disneyland. Am Eingang stand ein Tempelchen mit einer vergoldeten Hermes-Figur auf dem Dach, im Garten gab es einen Wasserlauf und einen Teich mit Karpfen und Goldfischen. Etwas ganz Besonderes war eine Grotte, der Blauen Grotte auf Capri nachempfunden. Das Motiv war damals anscheinend in Mode, denn auf dem Nachbargrundstück Prinz-Handjery-Straße 15 gibt es ebenfalls Reste einer Tuffsteingrotte aus dem Jahr 1895.

Zum Gedenken an Kleinau wurde 1934 die ehemalige Paula- und Klarastraße nach ihm benannt. Sie verläuft vom S-Bahnhof Sundgauer Straße in Richtung Südwesten und knickt kurz vor der Seehofstraße in die Berliner Straße ab.
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