Wie eine Ziehharmonika: Der Jägerzaun ist Denkmal des Monats Mai

Die Herkunft bleibt nebulös, das heutige Aussehen ist dagegen klar geregelt: Der Jägerzaun. Im Bezirk wurde er zum Denkmal des Monats gekürt. (Foto: Ulrike Martin)
Berlin: Waldsiedlung Krumme Lanke |

Zehlendorf. Zugespitzte, x-förmige Latten, zusammengefügt zu Jägerzäunen, sind eine der einfachsten Grundstückbegrenzungen. Diese Zäune haben zwar nicht den besten Ruf, gelten oft als spießig, sind aber zahlreich im Stadtbild zu sehen. Im Mai hat sie das Bezirksamt zum Denkmal des Monats gewählt.

Entstanden sind die Jägerzäune in vergangenen Zeiten, als die Fürsten für ihre Jagdgesellschaften den Wildbestand in ihren Wäldern kultivierten. Die Bauern hingegen fürchteten um ihre Feldfrüchte durch gefräßige Tiere. Zum Schutz durften sie fürstliches Waldholz schlagen und daraus Zäune bauen. So kam der Jägerzaun wohl zu seinem Namen. Einer anderen Deutung nach wurden von den Bauern Netze um ihre Äcker gespannt, in denen sich die Tiere verfingen. Aus diesen Netzen hat sich dann der klassische Jägerzaun entwickelt.

Faltbar wie eine Ziehharmonika muss er sein, gut zu transportieren und zu errichten. Dadurch ist er in seiner Breite variabel und mehrfach verwendbar. Nach dem Jägerzaun-Prinzip funktionieren auch heute noch Scherengitter aus Metall bei Absperrungen der Polizei oder an Baustellen.

Für viele Siedlungen ist der Jägerzaun prägend, so auch für die Ender der 1930 errichtete Waldsiedlung Krumme Lanke. Er passt zum „heimatlichen“, sparsamen Baustil der kleinen Häuser mit Sprossenfenstern, Klappläden und Gauben.

Zäune für jedermann

In den 1960er Jahren begann die Massenproduktion des Jägerzauns, er kam in die ersten Baumärkte. Heute gibt es viel Zaun für wenig Geld. Allerdings erfüllt die Ausführung nicht immer den denkmalfachlichen Ausdruck: Die Latten sind häufig zu breit, die Spitzen sind oft nicht mehr gesägt sondern sie haben eine Kegelform. Das gestalterisch wichtige X geht optisch bei den Kegelspitzen verloren.

Aber es gibt noch mehr Sünden beim Jägerzaun. Da das Holz vor der Witterung geschützt werden muss, wird es oft giftgrün oder orange imprägniert, die Spitzen erhalten eine Kegelspitze.

Die Denkmalpflege hingegen hat klare Wünsche: Eine Lattenbreite von maximal 6,5 Zentimetern, eine Spitze, die rechtwinklig zur Bodenoberfläche gesägt ist und eine braune Kesseldruckimprägnierung. Höher als einen Meter sollte der Zaun auch nicht sein. Wird dann noch ein Drahtgeflecht gegen ein Unterwühlen im Boden befestigt, erfüllt der Jägerzaun auch noch eine Schutzfunktion gegen Wildschweine. J. Rüter/uma
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