Stadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU): Die Musikschule hat eine durchweg positive Entwicklung genommen

Bildungsstadträtin Cerstin Richter-Kotowski: "Das Bezirksamt wird sparen müssen, ist sich aber der Bedeutung der Musikschule bewusst." (Foto: Ulrike Martin)
Berlin: Leo-Borchard-Musikschule |

Steglitz-Zehlendorf. Die Leo-Borchard-Musikschule feiert am 10. November 70-jähriges Bestehen. In den vergangenen Jahren bereiteten Personalknappheit, Haushaltssperre und fehlerhafte Software anhaltend Probleme. Berliner-Woche-Reporterin Ulrike Martin sprach mit Bildungsstadträtin Cerstin Richter-Kotowski über Gegenwart und Zukunft der Schule.

Wegen der Haushaltssperre durfte die Musikschule 2015 keine neuen Unterrichtsverträge abschließen. Wie hoch waren die finanziellen Verluste?

Cerstin Richter-Kotowski: Gegenüber dem Ansatz im Haushaltsplan hat die Musikschule in 2015 gut zehn Prozent beziehungsweise rund 400 000 Euro weniger an Honorarmitteln ausgegeben. Die Musikschule wird durch das Land Berlin subventioniert, sodass die Kostendeckung des Musikschulunterrichts nur bei ungefähr 50 Prozent liegt und daher nicht von einem Verlust im eigentlichen Sinne gesprochen werden kann. Anfang 2016 hat die Musikschule verstärkt neue Schüler aufgenommen, um die Auswirkungen der Haushaltssperre zu kompensieren. Nach aktuellem Stand werden die in 2016 vorhandenen Mittel für Honorare vollständig ausgegeben.

Seit ihrer Einführung vor zwei Jahren bereitet die neue Musikschul-Software Probleme. Hinzu kommt, dass es an Personal fehlt. Wie ist der aktuelle Stand?

Cerstin Richter-Kotowski: Die durch die Änderung der Ausführungsvorschriften über Honorare der Musikschulen zwangsläufig angepassten Geschäftsprozesse sowie die Einführung der offensichtlich nicht ausgereiften Fachsoftware MS IT hat in Verbindung mit der Veränderung von Geschäftsprozessen erhebliche Probleme bereitet, die nur durch das hohe Engagement der Mitarbeiter der Musikschule zum Großteil bereinigt werden konnten.

Eine bessere personelle Ausstattung ist daher unbedingt erforderlich. Gerade auch aufgrund der Größe der Musikschule mit 8624 Schülern ist die Arbeit in der Musikschule mit dem vorhandenen Personal kaum noch zu leisten. Darauf haben wir die Senatsverwaltung für Finanzen bereits hingewiesen.

Ansonsten wird die Software der Berliner Musikschulen ständig weiterentwickelt. Aber es bestehen weiterhin kleinere Probleme, die mit dem anstehenden vierten großen Update beseitigt werden.

Die freiberuflichen Dozenten fordern Festanstellungen. Was sagen Sie dazu?

Cerstin Richter-Kotowski: Die Honorare der freien Mitarbeiter sind zu niedrig und müssen deutlich angehoben werden. Sie entsprechen nicht den Qualifikationen, die die Musikschullehrer in oft langen und anspruchsvollen Studiengängen erworben haben. Und sie bilden auch nicht das unternehmerische Risiko ab, dass die Honorarlehrer als Selbstständige zu tragen haben.

93 Prozent der Musikschullehrer sind Honorarkräfte. Das ist unter dem Bundesdurchschnitt und durchaus kritikwürdig. Deshalb unterstütze ich die Kampagne des Landesmusikrates, der mindestens 20 Prozent Festanstellungen für Musikschullehrer fordert.

Was erwarten Sie vom neuen Bezirksamt vor allem angesichts der drohenden Haushaltssperre?

Cerstin Richter-Kotowski: Dem neuen Bezirksamt sollte man zunächst die Chance einräumen, seine Arbeit aufzunehmen und sich einen Überblick zu verschaffen. Der Geldmangel betrifft alle Bereiche im Bezirk – und viele Musikschulen auch in den anderen Bezirken. Steglitz-Zehlendorf trägt ein Haushaltsdefizit von rund 7,8 Millionen Euro vor sich her. Das neue Bezirksamt wird sich schnell Gedanken machen müssen, wie es mit diesem Defizit umgeht, ohne gewachsene Strukturen nachhaltig zu zerstören. Natürlich wird das Bezirksamt weiter sparen müssen, aber es ist sich dabei auch der Bedeutung der Musikschule bewusst.

Was ist das Besondere an der Leo-Borchard-Musikschule?

Cerstin Richter-Kotowski: Mit mehr als 320 qualifizierten und engagierten Musikschullehrern ist die Musikschule gemessen an den erteilten Unterrichtsstunden die größte in Deutschland. Die Musikschule ist insgesamt sehr gut aufgestellt. Bereits im Alter von 4 Jahren können Kinder Kurse in der Musikalischen Früherziehung belegen und im Instrumentenkarussell verschiedene Instrumente ausprobieren. Die Musikschule unterhält mit 30 Grundschulen im Bezirk Kooperationen in Form von Musikkursen. Viele dieser Kinder wechseln später in den Einzelunterricht. Viele unserer Schüler nehmen erfolgreich am Wettbewerb „Jugend Musiziert“ teil. Und die Musikschule veranstaltet rund 300 Konzerte jährlich.

Worauf sind Sie im Jubiläumsjahr besonders stolz?

Cerstin Richter-Kotowski: Ganz besonders stolz bin ich darauf, dass es uns gelungen ist, die Sanierungsarbeiten am „Haus der Musik“ in der Grabertstraße zu stemmen und es als traditionsreiches Gebäude der Musikschule wieder zur Verfügung zu stellen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die vielen positiven Aspekte und die durchweg positive Entwicklung der Musikschule stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.
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1 Kommentar
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Kunibert Musensohn aus Zehlendorf | 03.11.2016 | 23:53  
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