"Schön, aber warum keine Holzbänke?"

Claudia Röhrbein ist mit dem neuen Platz ganz zufrieden, Ehemann Richard hätte lieber Bänke aus Holz statt Sitzgelegenheiten aus Metall. (Foto: Martin)

Zehlendorf. Der Vorplatz der Ladenstraße auf der Westseite des U-Bahnhofs Onkel Toms Hütte ist fertig. Entstanden ist eine klar gegliederte Fläche, eingegrenzt von zwei Zierkirschen-Bäumen. Mit einem Fest am 11. Juni wird er eingeweiht

In der Mitte des Platzes ist eine Fläche für den künftigen Wochenmarkt vorgesehen. Links und rechts davon laden rechtwinklig angeordnete Metallbänke zum Ausruhen nach dem Einkaufen ein. An 40 neuen Kreuzberger Bügeln können Fahrräder angeschlossen werden. Auf der einen Seite steht ein neues Hochbeet, in dem erstes Grün sprießt.

Die Pflege haben die Gärtnerinnen der Initiative Zehlenwandel übernommen. Sie setzten im vergangenen Jahr Gemüse- und Obstpflanzen in die drei alten Hochbeete aus Beton - für Passanten zum Naschen. Ein weiterer Blickfang ist ein großer Findling auf der anderen Seite des neuen Platzes.

Er wird mit dem Namen des neuen Platzes beschriftet. Die Bezirksverordneten schlugen Richard Draemert (1880-1957) als Namensgeber vor. Er war unter anderem Bezirksverordneter von Zehlendorf und Stadtältester. Auf seine Initiative hin wurde die Weiterführung der U-Bahn vom Thielplatz bis Krumme Lanke in Angriff genommen, die 1929 in Betrieb ging. Ende 2013 stellte sich heraus, dass der Platz zum Vermögen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gehört. Damit hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt das Vorschlagsrecht. Sie musste sich an Vorschriften halten. Danach ist für die Namenswahl die Endung "Brücke" zu verwenden, wenn eine Fläche Teil einer Brückenkonstruktion ist. Das trifft zu, unter dem Vorplatz fährt die U-Bahn. Er wird also offiziell den sperrigen Namen "Onkel-Tom-Straßen-Brücke" tragen. Heide Wohlers von Onkel Toms Verein ist allerdings überzeugt: "Anwohner und Gewerbetreibende werden ihn einfach ,Onkel-Tom-Platz‘ nennen."

Der Umbau durch die BVG betraf nicht nur den Vorplatz. Im Juli 2014 ließ die BVG einen behindertengerechten Aufzug im denkmalgeschützten U-Bahnhof einbauen. Kostenpunkt rund 1,4 Millionen Euro. Im Herbst folgte die Instandsetzung der Bahnhofsdächer. Sie schlugen mit 400 000 Euro zu Buche. Anschließend sollten die Arbeiten am Vorplatz beginnen. Sie verzögerten sich jedoch. Baustart war erst Ende März dieses Jahres. Die Umgestaltung kostete rund 65 000 Euro.

Erste Reaktionen von Passanten sind durchaus unterschiedlich. "Ist hübsch geworden, besser als vorher mit den verwilderten Büschen", stellt eine Frau kurz im Vorbeigehen fest. "Geht so", meint schulterzuckend eine andere. Claudia und Richard Röhrbein, die seit 30 Jahren in der Nachbarschaft wohnen, nehmen sich ein paar Minuten Zeit für eine "Platzkritik". "Mich stören die vielen Fahrradbügel", sagt der Ehemann. "Und die Bänke, alles aus Metall. Warum wurden keine aus Holz aufgestellt?" Seine Frau Claudia hält dagegen: "Man sitzt aber bequem. Ich finde den Platz ganz schön." Sie hätte sich allerdings ein paar Bäume mehr gewünscht.

Beide sind gespannt auf den Wochenmarkt. Er soll am Donnerstag, 11. Juni, erstmals stattfinden. Am gleichen Tag findet bereits um 9 Uhr die offizielle Eröffnung des Platzes durch Vertreter der BVG, des Bezirksamtes und der Ladenstraße statt. Um 10 Uhr findet der Einzug der Markthändler statt. Für das Publikum öffnet der Markt um 12 Uhr. Von 15 bis 17 Uhr gibt es Streetart, Artistik und Akrobatik. Von 17 bis 19 Uhr ist die Band Lennox Hill mit Blues und Country zu hören. Die Sängerin ist Lisa aus Toms Kaffeerösterei in der Ladenpassage.


Ulrike Martin / uma
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