Sport auf der Dachterrasse

Die Zinnowwald-Schule gilt als bedeutendes architektonisches Kleinod. (Foto: Ulrike Martin)
Berlin: Zinnowwald-Schule |

Zehlendorf. Die Zinnowwald-Grundschule gilt als baugeschichtliches Kleinod. Sie wurde 1929-1932 errichtet und ist Denkmal des Monats Juni 2015.

Die Waldsiedlung Onkel-Toms-Hütte entstand ab 1926. Mit fast 2000 Wohneinheiten wuchs die Zahl der schulpflichtigen Kinder so stark, dass ein neuer Schulstandort im Norden Zehlendorfs notwendig wurde. Erich Schwiertz, Leiter des Zehlendorfer Hochbauamtes, erbaute die zunächst eine Doppelvolksschule als ersten Teil eines größer geplanten Schulkomplexes. Der Architekt und Oberbaurat Richard Ermisch führte 1934 bis 1935 anstelle des verstorbenen Schwiertz den Bau fort.

Benannt ist die Schule nach dem Standort im städtischen Zinnowwald. Sie wurde bewusst in diesen Kiefernwald hinein komponiert. Lernen und Leben in der Natur gehörte zum pädagogischen Konzept. Daneben spielten Musik und Theatererziehung eine große Rolle. Im jungen demokratischen Deutschland waren neue Unterrichtsformen gefragt. Der damalige Schulstadtrat Jens Nydahl formulierte es folgendermaßen: „Fort von der Lernschule, fort von der alten Autoritätserziehung, hin zur Arbeitsschule, Erziehungsschule, Lebensschule.“ Naturwissenschaftliche und handwerkliche Fachräume wurden eingerichtet. Ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts war der Sport.
Er fand nicht nur in der zweigeschossigen Doppelturnhalle statt, sondern auch auf der Dachterrasse. In der freien Natur ergänzten Freilufttheater und Schulgarten die Klassenräume.
So modern wie das pädagogische Konzept waren auch einzelne Bauteile, etwa die mehrfarbigen Fenster, wie sie von Bruno Taut auch in der Onkel-Toms-Siedlung gestaltet wurden. Oder der Turmbau, der mit einem Flachdach versehen wurde. Allerdings wirkte die Schule mit ihrem erdigen Putz und dem Walmdach nicht so radikal modern wie die benachbarte Siedlung.

Das Besondere an der Zinnowwald-Schule: Sie ist weitgehend im Originalzustand erhalten. Dabei wurde sie zwischenzeitlich als Lazarett und Krankenhaus genutzt und beherbergte bis zu drei verschiedene Schulen unter einem Dach. Besucher können sich an Details aus der Entstehungszeit freuen. So gibt es im Eingangsbereich Fliesen mit Motiven aus der Tíer- und Pflanzenwelt. Das Herzstück der Schule ist die Aula mit einer Bühne für Aufführungen. Sie konnte 2005 mithilfe einer Eltern-Initiative denkmalgerecht saniert werden. Hier befand sich von 1943 bis 1953 ein öffentliches Kino, die „Zinnowwald-Lichtspiele“. Der Turmbau dient heute der Schulaufsicht mit Büroräumen.

Am Eingang der Schule erinnert eine Gedenktafel an der ersten Parteitag der Berliner SPD nach der verhinderten Zwangsvereinigung mit der KPD in 1946.
Dringend sanierungsbedürftig ist die Turnhalle. Der Kostenpunkt liegt bei 1,5 Millionen Euro. Das Bezirksamt will die Baumaßnahmen im Senats-Programm Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt (SIWA) anmelden.

uma
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