Die Eisprinzessin aus Zehlendorf

Mit ihrer Carmen-Kür will Annika das Publikum in Lillehammer verzaubern. (Foto: privat)
 
Annika beim Training im Sportforum Hohenschönhausen. (Foto: Ulrike Martin)

Zehlendorf. So fangen Märchen an: Es war einmal ein vierjähriges Mädchen mit Namen Annika, das von seiner Cousine Schlittschuhe geschenkt bekam. Das Mädchen wollte sie ausprobieren, aber die Krumme Lanke war nicht zugefroren. Also fuhr es mit seiner Mutter zum Eisstadion Wilmersdorf. Und dort passierte es: Annika sah Eiskunstläufer, die ihre Pirouetten drehten, und wusste sofort: „Das will ich auch!“

Die kleine Zehlendorferin von damals ist heute 15 Jahre alt, und das Märchen ist noch lange nicht zu Ende erzählt. Das neueste Kapitel: Annika Hocke reist als einzige deutsche Einzelstarterin im Eiskunstlauf ins norwegische Lillehammer. Dort laufen vom 12. bis 21. Februar die Olympischen Jugendspiele.

Annikas Mutter Sylvia Warnke erinnert sich an den Beginn der Leidenschaft: „Als sie die Eisläufer sah, sagte sie zu mir, ich solle sie im Turn-und im Schwimmverein abmelden, sie wolle nur noch Eislaufen lernen.“ Gesagt, getan. Von Anfang ist Annika im Sport-Club Charlottenburg (SCC) Mitglied. Im Schul- und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB) geht sie zur Schule, die Trainingsstunden absolviert sie im benachbarten Sportforum Hohenschönhausen. Dort dreht sie sechs Mal pro Woche ihre Runden, übt Sprünge und komplizierte Figuren, oft bis zu vier Stunden täglich - inklusive Ballett und Physiotherapie. Sehr viel Freizeit bleibt da nicht. „Meine Freunde verstehen das aber, die meisten sind selbst Eiskunstläufer“, sagt Annika.

So viel Fleiß und Begeisterung zahlt sich aus. Die junge Leistungssportlerin, die seit vier Jahren zum Bundeskader gehört, hat sich schon zahlreiche Erfolge erlaufen. Ihren ersten Berliner Meistertitel holte sie sich mit acht Jahren, seitdem jedes Jahr wieder. 2014 wurde sie Deutsche Nachwuchsmeisterin, 2016 Deutsche Vize-Junioren-Meisterin. In dieser Saison gewann sie auch zwei internationale Wettbewerbe: die NRW Trophy Dortmund und den Santa Claus Cup in Budapest.

Einen Durchhänger hat Annika so gut wie nie. „Selbst wenn, sage ich mir immer, warum ich das mache, ich will auf jeden Fall zu den Olympischen Spielen, das ist mein Traum.“ Ihre Trainerin Manuela Machon vom BSV 1892 bestätigt Annikas Zielstrebigkeit: „Sie trainiert sehr motiviert, ist sehr beständig. Wenn es so bleibt, hat sie gute Chancen weiterzukommen.“

Über ihre Teilnahme an den Jugendspielen freut sich Annika sehr. „Das wird eine Riesenerfahrung, ich bin gespannt auf die Wettkämpfe.“ Von Lampenfieber keine Spur. „Nö, ich will die Zeit genießen.“ Einsam wird sie sich auch nicht fühlen, denn erstens fährt natürlich ihre Trainerin mit, zweitens kennt sie von früheren Wettkämpfen bereits viele „Kollegen“.

In Lillehammer startet sie mit einer Carmen-Kür, wie Olympia-Siegerin Katarina Witt, ihr großes Vorbild. Im rot-schwarzen Dress will sie ihr Publikum verzaubern. Annika weiß um ihre Stärken: „Ich glaube, dass ich den Spaß am Laufen vermitteln kann.“ Und wenn die Sprünge mal nicht ganz perfekt ausfallen, setzt die 15-jährige Eisprinzessin auf ihre Ausstrahlung. „Meine B-Note ist gut.“ uma
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