Bürgermeister Norbert Kopp im Interview

Lilia Busse, eine Steglitzer Künstlerin, hat dieses Bild 1924 gemalt. Es begleitet Norbert Kopp seit 1995. (Foto: Martin)

Steglitz-Zehlendorf. Was ging schief im Jahr 2014? Was war gut, was gibt es Neues? Im Interview mit den Berliner Woche-Reporterinnen Karla Menge und Ulrike Martin blickt Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) auf Vergangnes zurück und nennt die Aufgaben, die 2015 für ihn am dringlichsten sind. Aber auch über Anlässe zum Freuen und Feiern.

Herr Kopp, Wenn Sie auf die zurückliegenden zwölf Monate zurückschauen, was war für sie als Bürgermeister das Schlimmste?

Norbert Kopp: Das Schlimmste ist der bauliche Zustand unserer Schulen im Bezirk. Nicht nur der zum wiederholten Male vom Bezirkselternausschuss aufgelegte sogenannte Adventskalender belegt dringenden Handlungsbedarf, sondern auch der von einigen Schulleitern geschriebene offene Brief. Insofern ist es nicht akzeptabel, das nicht zum ersten Mal zur Verfügung stehende Mittel zur Sanierung der Schulen nicht verbaut wurden. Hier muss durch ein noch stärkeres Controlling und eine transparente Prioritätensetzung in enger Abstimmung mit den Schulleitern im Jahr 2015 eine deutliche Verbesserung erreicht werden.

Die Belebung der Geschäftsstraßen, speziell Schloßstraße und Teltower Damm, ist ein immer wiederkehrendes Thema. Was kann getan werden, um die Einkaufsmeilen attraktiver zu machen?

Norbert Kopp: Seit dem 6. November 2014 gibt es ein neues Gesetz, dass die Grundstückseigentümer in den Geschäftsstraßen stärker in die Pflicht nehmen soll. Mit dem Berliner Gesetz zur Einführung von Immobilien- und Standortgemeinschaften sollen die Eigentümer unter bestimmten Voraussetzungen verpflichtet werden können, sich finanziell an Baumaßnahmen oder Standortmarketing zu beteiligen.

Im Südwesten gibt es nur wenige Schwimmbäder. Hat das Bezirksamt die Absicht, in absehbarer Zukunft Abhilfe zu schaffen?

Norbert Kopp: Zunächst einmal ist ja mit der Bildung der Berliner Bäderbetriebe die Zuständigkeit für die Schwimmbäder landesweit zentralisiert worden. In der Tat decken die im Bezirk vorhandenen Wasserflächen nicht die Nachfrage ab. Insofern hoffe ich, dass wir im Bezirk in absehbarer Zukunft das ehemalige Stadtbad Steglitz in der Bergstraße wieder für das Schwimmen reaktivieren können. Private Interessenten sind vorhanden, die sich ein kombiniertes privates und öffentliches Schwimmen an diesem Standort vorstellen können.

Zehlendorf hat viel Grün, viel Wasser und viele Bürger mit gutem Einkommen, die oft und gerne Auto fahren. So ist die Sperrung der Kirchstraße ist vom Tisch. Ist Zehlendorf zu autofreundlich?

Norbert Kopp: Nein, Steglitz-Zehlendorf ist nicht zu autofreundlich. Jede verkehrliche Änderung ist natürlich von den Konsequenzen her zu untersuchen. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass die Kirchstraße am Teltower Damm gesperrt wird. Wir hätten dort einen schönen Platz mit Aufenthaltsqualität schaffen können. Ein Verkehrsgutachten zu dieser Frage hat allerdings gezeigt, dass eine Sperrung massive Auswirkungen auf andere Straßen im weiten Umfeld gehabt hätte.

Der Zustrom von Flüchtlingen nach Berlin trifft auch den Bezirk. Aktuell sind zwei Containerdörfer in Lichterfelde geplant. Welche Aufgaben und Probleme kommen auf den Bezirk zu?

Norbert Kopp: Voraussichtlich bis Ende April 2015 werden wir knapp 1000 Plätze für Flüchtlinge im Bezirk Steglitz-Zehlendorf haben, an den Standorten Klingsorstraße, Goerzallee, Wupperstraße, Ostpreußendamm und Osteweg. Aufgrund einer Vereinbarung im Rat der Bürgermeister vom April 2013 bezüglich einer gleichmäßigen Verteilung der Flüchtlinge über Berlin werden wir in jedem Fall weitere mindestens 600 Flüchtlinge aufzunehmen haben. Weitere Standorte im Bezirk müssen also noch gefunden werden.

Die Groth-Gruppe plant in Lichterfelde Süd 2500 Wohnungen zu bauen. Anfangs wurde seitens des Bezirksamtes beteuert, nicht mehr als 1500 Wohnungen zuzulassen. Beugt sich der Bezirk den Forderungen von Senat und Bauherr?

Norbert Kopp: Der Bezirk hat sich im Rahmen einer Absichtserklärung mit der Groth-Gruppe auf eine Zielgröße zwischen 2200 und 2700 Wohneinheiten auf einer Fläche von ca. 38 ha mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von 78 m2 für Lichterfelde-Süd verständigt. Dies ist für den Bezirk eine Kompromissgröße gewesen, da der Senat eine deutlich höhere Zahl an Wohnung in Lichterfelde Süd realisieren wollte.

Steglitz-Zehlendorf setzt auf Stärkung des Tourismus. Welche konkreten Maßnahmen sind für 2015 geplant?

Norbert Kopp: Zurzeit kümmern wir uns um ein Tourismuskonzept für den Bereich rund um Glienicke. Dazu hat die EBC-Hochschule den Auftrag erhalten, ein Grobkonzept für die Entwicklung eines touristischen Informationszentrums am Schloss Glienicke zu entwickeln. Ich hoffe, dass wir die notwendigen GRW-Mittel einwerben können um bereits in 2015 erste Maßnahmen umsetzen zu können. Darüber hinaus laufen die Instandsetzungsarbeiten im Volkspark Glienicke weiter.

Welche Höhepunkte gibt es im neuen Jahr im Bezirk? Steht ein besonderes Jubiläum an, beginnt ein großes Bauvorhaben?

Norbert Kopp: Sowohl für das geplante Technologie- und Gründungszentrum in der Fabeckstraße als auch für das Gebiet in Lichterfelde-Süd müssen die notwendigen Bebauungspläne möglichst weit voran gebracht werden, damit in 2016 mit dem Bauen begonnen werden kann. Folgende Jubiläen stehen im Jahr 2015 an: 40 Jahre Partnerschaft mit der israelischen Gemeinde Sderot, 120 Jahre Schadow-Gymnasium, 90 Jahre Tennisverein Grün-Weiß Nikolassee.

Worüber haben Sie sich besonders gefreut?

Norbert Kopp: In 2014 haben wir zum 25. Mal den Fall der Berliner Mauer gewürdigt. Dabei habe ich mich besonders gefreut, dass wir als Bezirk Steglitz-Zehlendorf jeweils eine gemeinsame Veranstaltung mit Teltow und Potsdam organisiert und durchgeführt haben.

Was möchten Sie 2015 privat erreichen, anders machen? Gibt es ein Ziel, das Ihnen am Herzen liegt?

Norbert Kopp: Das Wichtigste, was ich mir wünsche, ist gesund zu bleiben, um die Aufgaben als Bezirksbürgermeister im Interesse der Bürgerinnen und Bürger von Steglitz-Zehlendorf zu erledigen.


Ulrike Martin / uma
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