Stadträtin fordert Einführung eines Terminkundenmodells

Steglitz-Zehlendorf. Neun von zwölf Bezirke in Berlin vergeben Termine nur noch online. Die drei verbliebenen Einrichtungen, die ohne Termin aufgesucht werden können, sind hoffnungslos überlastet. Steglitz-Zehlendorf gehört dazu.

Im Südwesten sowie in Neukölln und Lichtenberg können Bürger, die zum Beispiel einen neuen Personalausweis brauchen oder sich in einer Wohnung anmelden wollen, theoretisch noch "spontan" zu diesen drei Standorten kommen. In der Praxis ist das mit Stress und Frust verbunden. Viele Kunden stellen sich schon mindestens eine Stunde vor Eröffnung an, um eine Wartenummer zu ergattern. Das hat sich bewährt, denn oft sind die Nummern lange vor dem Ende der Sprechzeiten vergeben.

Den Vorschlag des Bezirksamtes, auch in Steglitz-Zehlendorf auf die Online-Termin-Buchung umzustellen, hat der Personalrat im August abgelehnt. Die für Bürgerdienste zuständige Stadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) bedauert dies. Denn die Personaldecke ist auch extrem dünn: "Wir haben 47 Stellen, bräuchten aber 60." In den Sommermonaten war die Lage besonders schlimm. Bedingt durch die Ferienzeit hätten zahlreiche Bürger neue Ausweisdokumente beantragt. Der Standort Lankwitz hätte zeitweise von den beiden anderen Bürgerämter mitversorgt werden müssen. Gründe dafür waren Krankheitsfälle und Urlaube der Mitarbeiter.

"Ich halte alle drei Standorte für absolut erforderlich", erklärte die Stadträtin, aber es könnte auch sein, dass wir Lankwitz schließen müssen." Denn in den nächsten Jahren sei weder mit mehr Geld noch mehr Personal zu rechnen.

Ein Ende der übervollen Bürgerämter und der langen Wartezeiten kann sich Richter-Kotowski nur mit Einführung des Terminkundenmodells vorstellen. Aber auch Besuche ohne Online-Buchung sollten nach wie vor möglich sein, schließlich gebe es auch ältere Mitbürger ohne PC. "Die Bezirke müssen eine einheitliche Vereinbarung treffen. Es geht nicht, dass Steglitz-Zehlendorf von Kunden aus anderen Teilen Berlins überrannt wird. Gibt es kein Einvernehmen, sollten nur noch Bürger aus unserem Bezirk ohne Termin zu den Bürgerämtern kommen können."


Ulrike Martin / uma
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