Eröffnung der Ausstellung im Haus am Waldsee platzte

Wände und Podium blieben leer: Jost Arnsperger und Katja Blomberg vertrösten Besucher auf die nächste Ausstellung. (Foto: M. Schmidt)

Zehlendorf. Zur ganz besonderen Premiere hatte am Donnerstag das Haus am Waldsee (HaW) in der Argentinischen Allee 30 geladen. Statt der angekündigten Ausstellung "Harmonie 20" der Wiener Malerin Elke Silvia Krystufek sahen Besucher wie Kulturstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) weiße Wände samt einer Erklärung des Kunsthauses.

Die Werke der Malerin fehlten ebenso wie die 42-Jährige selbst oder irgendein Lebenszeichen. Den "sehr geehrten Besucherinnen und Besuchern" schreibt HaW-Leiterin Katja Blomberg, Krystufek habe entschieden, die Ausstellungsfläche leer zu lassen. "Da dies ohne jede Mitteilung der Künstlerin geschah, können wir ihr Handeln nur spekulativ bewerten", heißt es im Schreiben weiter. In der zwei Tage später aktualisierten HaW-Website meint Blomberg: "Wir verstehen ihr Handeln als konzeptuelle Geste." Ein Ausbleiben ohne Absage und Begründung sei bisher singulär im zeitgenössischen Kunstbetrieb. Die 1970 in Wien geborene Krystufek sei als "extreme Künstlerin und Provokateurin" bekannter als Thomas Bernhard. Den rund 50 Gästen, unter ihnen Kulturstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU), erläuterte Blomberg am Donnerstag dann vor Ort die Bedeutung der "Abwesenheit als Kunst".

Drei Jahre habe man auf die Ausstellung hingearbeitet. Blomberg verteidigte die Österreicherin gegen den Vorwurf einer "Porno-Pop-Ikone". Ihre "Scham-Überschreitungen" hätten keine Begierde schaffen, sondern den "alles dominierenden männlichen Blick" entlarven sollen. Während die promovierte Kunsthistorikerin redete, verlor sie vor dem betretenen Publikum keinen Moment ihr Lächeln und bekannte, seit Juni habe es keinen Kontakt mehr mit Krystufek gegeben. Das "sich Entziehen" passe in ihr Werk: "Sie hat sich getraut, nicht auszustellen", so die frühere Zeitungsredakteurin.

Nach Blombergs Worten hat die Wienerin sich kürzlich dem Islam zugewandt und auf eine längere Reise in den Nahen Osten begeben. Als Katholikin habe Krystufek den Abfall vom Katholizismus als Befreiung empfunden, sagte Blomberg. Die spätere Nachfrage, ob sie mit der Künstlerin noch mal eine Ausstellung planen würde, bejahte sie. "Schön, dass wir es gemeinsam ausgehalten haben", so Blomberg, die das HaW seit April 2005 leitet.

So großmütig wollte der Vorsitzende des HaW-Fördervereins, Jost Arnsperger, nicht sein, der erst auf dem Wege nach Zehlendorf von der Absage erfahren hatte und von "historischer Situation" sprach. Er würde Frau Krystufek "eher nicht" mehr einladen, sagte der Rechtsanwalt. Er äußerte "tiefes Bedauern für diejenigen, die hierherkamen." Er habe "sehr viel erwartet, aber das nicht", so Arnsperger.

Nach Angaben Richter-Kotowskis erhält das HaW aus dem Berliner Haushalt 236 000 Euro. Die geplatzte Ausstellung erhielt zudem Mittel aus dem Hauptstadtkulturfonds.


Martinus Schmidt / mst
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