Ist der Reitweg vor der Tierklinik zu gefährlich?

Genau gegenüber der Tierklinik wurde die Stute Khira Khan schwer verletzt. Autofahrer Peter Stadtmüller kam mit dem Schrecken davon. (Foto: M. Schmidt)

Zehlendorf. Nach dem schweren Unfall mit einer in Panik geratenen Stute kurz vor Weihnachten ist diese mittlerweile auf dem Wege der Besserung. Kritik kommt unterdessen an der Straßenführung des Unfallortes auf.

Peter Stadtmüller saß in seinem Mercedes, als am Mittwoch, 18. Dezember, in der Robert-von-Ostertag-Straße das Unglückspferd Khira Khan auf den Vorderwagen stürzte. "Es war furchtbar", sagt der Pensionär. "Überall auf dem Auto war Blut, auch auf der Straße, und die Windschutzscheibe war zertrümmert." Sein Beifahrer habe einen Riesenschreck bekommen, als er plötzlich Glassplitter im Mund hatte.

Die ungepflasterte Straße am früheren S-Bahnhof Zehlendorf-Süd hält er als Reitweg für ungeeignet. "Die Straße ist zu eng, und Scheinwerfer können blenden. Dann scheut das Pferd." Auch kleine Hunde könnten die Tiere in Panik versetzen.

"Ein solcher Unfall kann jederzeit wieder passieren, besonders bei Dunkelheit", sagt der 65-Jährige. Diese Befürchtung hege er nicht allein. Eine Mitarbeiterin der Tierklinik habe ihm gegenüber gesagt, dass sie seine Sorge teile.

Das Bezirksamt könnte den Weg für Pferde abgrenzen. "Irgendeine Regelung muss kommen. Das hier ist irre gefährlich", sagt der frühere SPD-Fraktionssprecher im Abgeordnetenhaus, der Pferde gern hat. "Ich bin vom Lande, mein Opa hatte auch Pferde."

Die 18-jährige Reiterin hatte sich bereits wenige Tagen nach dem Unglück von ihren Verletzungen im Gesicht und am Bein erholt. Für die Stute in der gegenüberliegenden Tierklinik Düppel war zunächst "die Prognose zu genesen nicht besonders gut", berichtet der behandelnde Tierarzt Matthias Rettig. "Ich war in der Nacht hier und habe das Pferd mit eröffnetem rechten Schultergelenk und gebrochenen linken Fesselbein hinten erstversorgt." Der Bruch sei nicht so schlimm gewesen, nur ein Stück vom Knochen war weggeplatzt.

20 Tage lang bestand nach Auskunft des Tierarztes Gefahr für das Tier, sich zu infizieren. Von allein wäre das Tier nicht verendet, doch hätte eine Infektion der Wunde dazu führen können, es von den Qualen zu erlösen. "Wir haben entschieden, einen Therapieversuch am stehenden Pferd zu starten." Drei Wochen nach dem Unfall sei die Wunde weitestgehend verheilt gewesen.

Seitdem hab sich der Gesundheitszustand der neunjährigen Stute kontinuierlich besser. "Das abgespaltene Fragment haben wir erfolgreich mit zwei Schrauben fixiert", sagt der Veterinär. "Es war keine seltene Operation, wir machen das öfter." Nun muss die Stute noch drei Wochen im Tierhospital bleiben. Danach, so Rettig, bleibe Khira Khan weitere drei Monate allein in der Box, ehe sie nach einem halben Jahr wieder raus dürfe.

Über einen Mangel an Anteilnahme kann sich das Pferd indes nicht beklagen. Khira Khan werde täglich von mehreren Pferdefreundinnen besucht, versichert der Tierarzt.


Martinus Schmidt / mst
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