Komasaufen von Jugendlichen bleibt im Bezirk ein Problem

Steglitz-Zehlendorf. Trinken bis zur Bewusstlosigkeit kommt unter Jugendlichen in Steglitz-Zehlendorf verbreiteter vor als unter Gleichaltrigen in anderen Bezirken. 2012 gab es unter den 15-bis 19-Jährigen 292 Fälle akuter Alkoholvergiftung, im Berliner Durchschnitt waren es 236.

In 2010 griff die Polizei 121 Jugendliche im Bezirk beim Koma-Saufen auf, berlinweit waren es 1227. Der Anteil der Jugendlichen aus Steglitz-Zehlendorf betrug also etwa zehn Prozent. Das ist im Vergleich überproportional viel. Auch erschreckend: Von 2009 bis 2011 lag die Zahl der Mädchen, die wegen Alkoholmissbrauchs behandelt wurden, bei knapp 60 Prozent. Jugend- und Gesundheitsstadträtin Christa Markl-Vieto (B‘90/Grüne), und Cerstin Richter-Kotowski (CDU), Dezernentin für Bildung, Kultur, Sport und Bürgerdienste gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus.

Eine Ursache für den steigenden Alkoholmissbrauch sei der Wohlstand. "Eltern haben Geld, die Kinder können viel ausgeben, auch fürs Trinken", erklärt die Jugend- und Gesundheitsstadträtin. Der Konsum von Bier, Schnaps und Co. sei etabliert, auch bei Erwachsenen, trotz negativer Folgen. "In Deutschland kommen jährlich rund 4000 Kinder mit Schäden zur Welt, die durch Trinken in der Schwangerschaft verursacht wurden", sagt Markl-Vieto. "Das wäre zu 100 Prozent vermeidbar."

Abhilfe könne nur durch Aufklärung über die Gefahren übermäßigen Trinkens geschaffen werden. Darüber sind sich die Stadträtinnen einig. Sie legen einen Aktionsplan neu auf, der 2007 entstanden ist. Damals sorgte der Fall eines 17-Jährigen für Aufsehen, der nach 50 Tequilas ins Koma fiel und starb. Zum Aktionsplan gehören Projekte wie "Fit für die Straße" mit bis zu 800 Schülern, die mit Rausch-Brillen erleben, wie es ist, betrunken zu sein, Lehrer absolvieren Fortbildungen, es gibt Elternabende, Jugendfreizeiteinrichtungen beteiligen sich an Präventionsmaßnahmen. en

Im Rahmen der Suchtpräventionswoche sind am Donnerstag, 11. September, von 12 bis 15 Uhr Ordnungsamt, Polizei und weitere Einrichtungen am S-Bahnhof Zehlendorf, um zu Sucht und Suchtgefahr aufzuklären.


Ulrike Martin / uma
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