„Potentiale“ hilft jungen Geflüchteten

Roland Merkel engagiert sich in der Initiative Potentiale für junge Geflüchtete. (Foto: Ulrike Martin)
Berlin: Ernst-Moritz-Arndt-Kirche |

Zehlendorf. „Potentiale“ heißt der Arbeitskreis der Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde (EMA), in dem sich rund 15 Zehlendorfer engagieren. Sie setzen sich mit der Situation der Flüchtlinge auseinander, mit den Herausforderungen, die sich stellen. Roland Merkel ist einer von ihnen.

„Ich bin keiner der Gutmenschen, die vor Gefühlen überfließen, sehe die Lage durchaus kritisch“, sagt er. „Aber ich wollte was machen und vor allem pragmatisch handeln.“ Mitglied der EMA ist er nicht, aber er hatte von der Initiative Potentiale gehört. Es gibt sie seit Januar 2016, Merkel kam im Mai dazu.

„Die Mehrheit der Geflüchteten sind junge Männer, entweder sind sie ganz allein oder ihre Familien sind noch nicht da“, sagt Merkel. „Wir wollen sie aus der Langeweile in den Unterkünften herausholen.“ Das Warten auf die Bewilligung eines Asylantrags und die damit verbundene Erteilung einer Arbeitserlaubnis kann dauern. Aber die Bewerber können ein Praktikum aufzunehmen und nach einer gewissen Frist auch eine Wohnung mieten.

Genau an diesen Punkten setzt Potentiale an. „Wir wollen als Vermittler, als Paten helfen“, erklärt Merkel. Das heißt: Die Mitglieder der Initiative begleiten die Asylbewerber zu den Unternehmen, die Praktikumsplätze anbieten – eine vertrauensbildende Maßnahme für Arbeitgeber wie für Praktikanten. Der nächste Schritt ist die Vermietung von Wohnungen an Flüchtlinge. „Da sind die Deutschen oft sehr zurückhaltend“, berichtet Merkel. Im Idealfall mietet ein „Pate“ von Potentiale eine Wohnung und vermietet sie an einen Geflüchteten unter, natürlich nur mit Einverständnis des Vermieters. Somit übernimmt der Pate auch eine Bürgschaft für die Wohnung.

Auf die Frage, ob Merkel selbst sich als Wohnungspate vorstellen kann, antwortet er: „Ich glaube ja, ich müsste den Menschen für den ich bürge, aber einigermaßen kennen, ihm vertrauen.“

Einmal pro Woche haben junge Geflüchtete Gelegenheit, sich in der EMA zu treffen, zu reden, die deutschen Nachbarn kennenzulernen, Rat und Unterstützung zu erhalten, zum Beispiel bei Behördengängen. Das Angebot kommt an. Und es gibt immer wieder Erfolge zu vermelden. So hat kürzlich ein Potentiale-Mitglied eine Wohnung für zwei Afghanen angemietet; ein syrischer Asylbewerber konnte als IT-Helfer in einem Gymnasium anfangen.

„Die meisten Geflüchteten, die zu uns kommen, sind aus Syrien und Afghanistan, sprechen Arabisch oder Farsi“, berichtet Merkel. Aber die Sprachbarriere ist überwunden: „Wir haben drei Übersetzer, die uns unterstützen.“ Deutschkurse, die unter anderem auch die EMA anbietet, gehören sowieso zum Programm der jungen Männer, die regelmäßig zu den Treffen kommen.

Bei diesen Treffen geht es nicht nur um konkrete Hilfe. „Klar wollen wir den Menschen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln und sie unterstützen, aber wir sprechen mit ihnen auch über gesellschaftlichen Regeln in Deutschland, zum Beispiel über Gleichberechtigung und Frauenrechte“, erläutert Merkel.

Die Anfänge der Integration sind also gemacht. Jetzt sucht die Initiative neue Paten und Begleiter, um Praktika und Wohnungen zu vermitteln. Auch Unternehmen und Vermieter sind gefragt. Wer will, kann zu den Treffen in der EMA, Onkel-Tom-Straße 80 kommen, donnerstags von 18.15 bis 19.45 Uhr. uma

Infos:  0177/142 98 96, arbeitskreispotentiale@yahoo.com
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