Stimmen für die Stammbahn

Blick vom S-Bahnhof Zehlendorf Richtung Norden: Im Hintergrund rechts verlaufen die alten, rostigen Stammbahngleise. (Foto: Ulrike Martin)
 
Bank auf dem Bahnsteig der Stammbahn: Hier warten seit Jahrzehnten keine Fahrgäste mehr auf Züge. (Foto: Ulrike Martin)

Steglitz-Zehlendorf. In 15 Minuten vom Potsdamer Platz nach Zehlendorf? Diese schnelle Verbindung wäre mit der Stammbahn möglich. Anfang Mai diskutierten Politiker, Vertreter der Bahn und Initiativen im Rathaus Zehlendorf über eine Wiederinbetriebnahme der Traditionsstrecke. Eingeladen hatte der Bezirksverband der Linken.

Alexander Kaczmarek, Berliner Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, eröffnete den Reigen der Stammbahn-Befürworter. „Die Regionalzüge und die S-Bahnen zwischen Berlin und Potsdam sind in der Hauptverkehrszeit gesteckt voll. Das gilt auch für die Stadtautobahn, da passt keine Maus mehr durch. Ja, wir brauchen die Stammbahn“, sagte er. 80 000 Fahrzeuge seien Tag für Tag von Potsdam nach Berlin und zurück unterwegs. Ihre Fahrer könnten auch die Bahn nutzen. „Berlin und Potsdam wachsen um rund 50 000 Einwohner pro Jahr, wir brauchen dringend eine neue Infrastruktur zwischen diesen beiden Zentren“, so Kaczmarek.

Die Planungen für die Reaktivierung der Stammbahn sollten so früh wie möglich beginnen, Berlin und Brandenburg sollten sie vorfinanzieren, auch wenn derzeit noch keine Mittel vom Bund in Aussicht seien. „Falls dann Geld da ist, wäre das Vorhaben schnell umsetzbar.“ Kaczmarek nannte Bayern als Beispiel, dort lägen Pläne für ähnliche Vorhaben einsatzbereit in der Schublade.

Harald Wolf, verkehrspolitischer Sprecher der Linken und früherer Berliner Wirtschaftssenator, bekannte sich ebenfalls zur Stammbahn. Dass der Senat eine neue Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben hat, sei positiv. „In der Untersuchung von 2008 hieß es, die Wiederinbetriebnahme sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Aber damals war mit einem derartigen Bevölkerungswachstum nicht zu rechnen.“ Das Thema Stammbahn sei auf jeden Fall auf der Agenda der Linken.

Michael Grubert (SPD), Bürgermeister von Kleinmachnow, sagte, ein Bahnanschluss wäre eine Riesenerleichterung. Die zunehmenden Pendlerströme nach Berlin seien eine enorme Belastung, die Verkehrslage katastrophal. „Kleinmanchnow bekennt sich zur Stammbahn.“ Darüber hinaus sei die Gemeinde dabei, Grundstücke entlang der ehemaligen Friedhofsbahn von der Bahn aufzukaufen. Die Friedhofsbahn verkehrte bis zum Mauerbau 1961 zwischen Wannsee und Stahnsdorf. Stahnsdorf, Kleinmachnow und Teltow wünschen sich den sogenannten Ringschluss zwischen Lichterfelde-Süd über Teltow-Stadt, Stahnsdorf und Dreilinden bis Wannsee. Simon Heller von der Bürgerinitiative Stammbahn erinnerte an den Vorschlag der CDU Steglitz-Zehlendorf, auf der Trasse einen Fahrrad-Highway zu errichten und bezeichnete die Bahn als schnellere Alternative. „Im Winter würden die Leute ja wieder ins Auto, nicht aufs Rad steigen.“

Bedenken kamen von Peer Hartwig vom Verein Schutzgemeinschaft an der Stammbahn. „Die Bahn würde durch dicht besiedeltes Gebiet fahren“, stellte er fest. Auf jeden Fall müsste eine entsprechende Infrastruktur eingerichtet werden, etwa Parkplätze an den Bahnhöfen.

Aus dem Publikum kamen Fragen, etwa nach den Kosten der Wiederinbetriebnahme oder nach der Belastung durch die notwendige Elektrifizierung der Strecke. Fragen, die geklärt werden sollen, wie Harald Wolf versicherte. Vorrangig sei es jetzt, die Planungen voranzutreiben.

Die 1838 eröffnete Stammbahn zwischen Berlin und Potsdam war die erste Eisenbahnstrecke Preußens. Bis 1846 wurde sie bis nach Magdeburg verlängert. Seit 1945 ist sie stillgelegt. Lediglich zwischen Düppel und Zehlendorf gab es bis 1980 Zugverkehr. uma
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