Mit Mut gegen Rassismus
Manfred-von-Ardenne-Gymnasium ist seit zehn Jahren Mitglied im Courage-Netzwerk

Pia Göbel, Eric Graßnick, Linh Chu Vu, Wilhelmine Ellinger und Schulleiterin Annemarie Sardisong vom bauen auf das Netzwerk „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“.
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  • Pia Göbel, Eric Graßnick, Linh Chu Vu, Wilhelmine Ellinger und Schulleiterin Annemarie Sardisong vom bauen auf das Netzwerk „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“.
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Die Berliner Woche erscheint in dieser Ausgabe mit dem Schwerpunkt-Thema „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Zum gleichnamigen Netzwerk zählt auch das Manfred-von-Ardenne-Gymnasium in der Werneuchener Straße.

Es klingt fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein – das gibt Eric Graßnick gern zu. „Ich bin ja schon länger an dieser Schule und habe hier noch nie einen krassen Vorfall erlebt“, beharrt er aber. Der 16-Jährige ist Klassensprecher und stolz darauf, dass Pöbeleien, Prügeleien, Rassismus und Mobbing am Manfred-von-Ardenne-Gymnasium kein Thema sind. Schimpfwörter oder abwertende Sprüche hört er, wenn überhaupt, höchstens mal unter den neuen Siebtklässlern. „Weil die noch nicht wissen, wie das bei uns läuft. Aber das ändert sich ganz schnell.“

Seit zehn Jahren ist das Ardenne-Gymnasium Mitglied im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dem bundesweit über 2700 Schulen mit rund 1,5 Millionen Kindern und Jugendlichen angehören. Schulleiterin Annemarie Sardisong nennt die Teilnahme am Programm eine Selbstverständlichkeit. „Es war uns ein Bedürfnis, dass wir uns klar positionieren", sagt sie. „Die Zugehörigkeit zum Netzwerk ist doch so naheliegend wie dessen Motto.“

Rund 750 Mädchen und Jungen der siebten bis zwölften Klassenstufe lernen am Alt-Hohenschönhausener Gymnasium, zwischen 25 und 30 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Sie kommen aus Vietnam, Russland, Polen, Afrika und seit ein, zwei Jahren auch aus Syrien oder Afghanistan. Eine Mischung, die durchaus Probleme mit sich bringen könnte, die am Manfred-von-Ardenne-Gymnasium aber gut funktioniert, wie auch Wilhelmine Ellinger (15) und Linh Chu Vu (17) berichten. „Die meisten Schüler haben schon durch ihre Erziehung verinnerlicht, dass Fremdenfeindlichkeit nicht okay ist“, sagt Wilhelmine. „Außerdem hängt da ja auch dieses Schild bei uns.“ Gemeint ist ein schwarz-weißes Banner mit dem Schriftzug „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, das im Schulflur an die Zugehörigkeit zum Netzwerk und seine Prämissen erinnert.

99 Prozent ihrer Mitschüler wüssten über das Programm Bescheid, glaubt die 15-Jährige fest. Klar, hin und wieder höre sie dennoch, dass Jungs sich ein wenig anpöbeln. „Du Pole“ hieße es dann schon mal. „Aber das lassen wir auch nicht einfach so durchgehen. Wenn es öfters passiert, schaltet sich jemand ein, dann wird darüber geredet.“ Zum Beispiel mit Pia Göbel. Die junge Lehrerin für Geschichte und Französisch hat ihr Referendariat am Ardenne-Gymnasium absolviert, unterrichtet dort seit knapp einem Jahr und ist Ansprechpartnerin, wenn es ums Courage-Programm geht. „Diskriminierende, rassistische Sprüche dulden wir nicht, über so etwas sprechen wir immer“, erzählt sie. „Auch wenn es angeblich nur witzig oder scherzhaft gemeint war.“ Resultat dieser Konsequenz ist ein friedliches Schulklima, das auch den Lehrern zugutekommt. Pia Göbel: „Ich kann hier komplette 45 Minuten Unterricht machen und muss keine Disziplin-Probleme lösen. Davon können manche Kollegen in anderen Schulen nur träumen.“

Zu verdanken ist all dies nicht zuletzt dem jährlichen Projekttag „Schule ohne Rassismus“ – da sind sich die Lehrerin und ihre Schüler einig. Diesen besonderen Tag planen und organisieren die Pädagogen gemeinsam mit den Jugendlichen, auch die Projektpaten des Netzwerks sind in der Regel mit von der Partie. Der Termin fällt jeweils in die Woche des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar. Schon im Vorfeld betreibt das Organisations-Team eine Menge Aufwand, um den Schülern viel Abwechslung zu bieten, und damit statt trockener Beschäftigung mit den Themen Rassismus und Diskriminierung auch Spaß auf dem Programm steht. So können die Mädchen und Jungen spannende Workshops besuchen oder Ausflüge wählen: In diesem Jahr ging es zu den Eisbären in den Wellblechpalast, wo die Eishockey-Spieler zum Thema „Toleranz im Sport“ befragt wurden. Im Anschluss entstand ein Video mit den Interviews. Ins Jüdische Museum, in eine Blindenwerkstatt und zur Schwarzkopf-Stiftung führten Exkursionen. Mal wurde auf afrikanischen Instrumenten musiziert, mal ein Antirassismus-Werbespot gedreht. In einem anderen Workshop debattierten die Teilnehmer zuerst über Mobbing in Sportgruppen und spielten danach gemeinsam Fußball.

„Sicher hat nicht jeder Lust, sich dauernd mit den Themen Rassismus und Diskriminierung zu beschäftigen“, sagt Eric Graßnick. „Aber das Angebot an unseren Projekttagen ist riesig und interessant. Das macht so viel Spaß, dass man sich von selbst mehr damit auseinandersetzt.“

Die jährlichen Projekttage, aber auch das rücksichtsvolle Klima an ihrer Schule wissen die Jugendlichen zu schätzen – nicht zuletzt, weil sie von Freunden erfahren, dass die Situation auch ganz anders sein könnte und eben nicht selbstverständlich ist. „Ich habe Kumpels an einer Weißenseer Schule, die sogar Mitglied im Netzwerk ist“, erzählt Eric. „Da gibt es trotzdem Gruppenbildung, Ausgrenzung und Aggression.“ Das Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ allein reicht also nicht. Was drauf steht, muss auch drin sein. Lesen Sie mehr dazu auf der Seite Berlin engagiert.

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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