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Baumschule prägte den Kiez

Historische Postkarte von 1910 mit der Direktorenvilla an der Späthstraße.
Historische Postkarte von 1910 mit der Direktorenvilla an der Späthstraße. (Foto: Repro: Drescher)

Für viele Berliner ist die Späthstraße nur ein kurzer Weg zur Stadtautobahn A 100. Ungefähr auf halber Strecke kommt man an einem fast schon verwunschenen Herrenhaus vorbei. Hier haben die Späth'schen Baumschulen ihren Sitz.

Seit rund 150 Jahren ist der ganze Ortsteil von dem Unternehmen geprägt. Die Baumschule gab sogar der Magistrale des Ortsteils den Namen. Seit 1890 führt die Baumschulenstraße vom Spreeufer im Verlauf eines alten Forstwegs durch die Köllnische Heide in Richtung Baumschule.

Die Verlängerung nach Britz trägt seit 1903 den Namen Späthstraße. Namenspatron war Franz Ludwig Späth (1839-1913). Er hatte die von seinen Vorfahren 1720 vor dem Halleschen Tor gegründete Gärtnerei 1864 hierher gebracht. Er war Mitglied des Kreistags in Teltow, sorgte für die Pflasterung der späteren Baumschulenstraße – damit seine Fuhrwerke schneller fahren konnten – und setzte sich für einen Haltepunkt der Eisenbahn (Bahnhof Baumschulenweg) ein.

Um 1900 bewirtschafteten Späth-Gärtner rund 225 Hektar Fläche, das war damals die größte Baumschule der Welt. Rund 1500 Mitarbeiter standen in Lohn und Brot.

Tragisch ist das Schicksal von Hellmuth Späth (1885-1945), dem letzten Familienmitglied auf dem Direktorensessel. Er wurde 1933 Mitglied der NSDAP und erhielt dafür Aufträge zur Begrünung von Autobahnen und des Reichssportfelds. Ein Nationalsozialist war der rührige Unternehmer aber nicht. Er beschäftigte weiterhin jüdische Mitarbeiter und unterstützte einen jüdischen Botaniker, der seine Professur an der Berliner Universität verloren hatte. Eine als Gestapospitzel angeworbene Sekretärin verriet den Unternehmer wegen sogenannten Kriegswirtschaftsvergehens. Hellmuth Späth hatte vermutlich mit anderen Unternehmern schwer zu beschaffende Rohstoffe getauscht. Er erhielt 1943 ein Jahr Gefängnis, welches er in Bautzen absitzen musste. Danach kam er in das Konzentrationslager Sachsenhausen, hier wurde er am 15. Februar 1945 erschossen. Eine Gedenktafel an der Verwaltung der Baumschule und ein Stolperstein auf der Treppe zu seinem früheren Büro erinnern an ihn.

An die Unternehmerfamilie Späth erinnern neben der bereits erwähnten Späthstraße die Neue Späthstraße, die direkt zur Autobahn führt, außerdem die Späthstraßenbrücke und die Neue Späthbrücke über den Teltowkanal. Außerdem noch die Siedlung Späthsfelde zwischen Wasserwerk Johannisthal und Königsheide.

Ehemalige Mitarbeiter der Späth'schen Baumschulen haben auch später noch im Bezirk ihre Spuren hinterlassen. Darunter Georg Pniower (1896-1960), der bis 1925 leitender Gartenarchitekt bei Späth war und 1959 als eine seiner letzten Arbeiten den Sommerblumengarten im Treptower Park angelegt hat. Sein Kollege Reinhold Lingner (1902-1968) hatte von 1919 bis 1921 Gärtner bei Späth gelernt. Als Professor der Humboldt-Universität verantwortete er unter anderem die gärtnerische Gestaltung der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald, die Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde und die Grünflächen am Strausberger Platz.

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