Ein Trauerort für Maueropfer

Eine offizielle Gedenktafel erinnert an anonym von der Staatssicherheit verscharrte Opfer der Mauer. | Foto: Ralf Drescher
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Baumschulenweg. Wäre es nach den SED-Machthabern gegangen, wäre Gerald Thiem (1928-1970)in Vergessenheit geraten. Jetzt gibt es für ihn und viele andere Opfer der Mauer auf dem Friedhof an der Kiefholzstraße eine Gedenkstätte.

Thiem war 1970 aus Versehen von Westen aus ins Grenzgebiet geraten. DDR-Grenzposten hatten auf ihn 177 Schüsse abgefeuert. Der Baupolier aus Neukölln starb, seine Leiche wurde unter der Federführung der Staatssicherheit im Krematorium Baumschulenweg verbrannt und die Asche anonym verscharrt. Erst vor einigen Wochen konnte die Stelle durch Stasinotizen ausfindig gemacht werden, heute steht dort der Sockel mit der Gedenktafel.
„Die Familie von Thiem hatte Nachforschungen angestellt und sogar in der DDR nachgefragt. Der Generalstaatsanwalt teilte verlogen mit, dass der Aufenthaltsort ihres Verwandten den DDR-Behörden nicht bekannt sei“, sagte Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen.
„Das Treptower Krematorium spielte beim Vertuschen der Mauermorde eine wichtige Rolle. Wir haben die Pflicht, immer wieder daran zu erinnern. Auch weil unter uns Menschen leben, die immer noch Mauerbau und Schießbefehl als Friedenstat bejubeln. Wir sind dagegen, dass unter das unmenschliche DDR-Grenzregime ein Schlussstrich gezogen wird“, erklärte Bezirksbürgermeister Oliver Igel.
Nach einer Veröffentlichung über die anonymen Beisetzungen von Maueropfern hatten Mitglieder des Heimatvereins Köpenick gefordert, am Tatort mit einer Gedenktafel an die Opfer zu erinnern. Ursprünglich sollte die direkt am Krematorium aufgestellt werden. Da inzwischen geklärt werden konnte, wo Gerald Thiem und andere Maueropfer von Stasioffizieren verscharrt wurden, konnte der Gedenkstein an dieser Stelle platziert werden.
Wie Roland Jahn am Rand der Einweihung mitteilte, gibt es bei sechs Maueropfern immer noch keine Aufklärung, wo sie beigesetzt wurden. Die Familien von Johannes Musiol, Roland Hoff, Siegfried Nofke, Dieter Beilig, Silvio Proksch und Michael Bittner haben immer noch keinen Ort für ihre Trauer.
Der Gedenkstein befindet sich auf dem neuen Teil des Friedhofs, wenige Schritte entfernt ist das Grab des letzten Maueropfers Chris Gueffroy. RD

Autor:

Ralf Drescher aus Lichtenberg

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