Register verzeichnete 2020 deutlich mehr Vorfälle
Viele Schmierereien und ein rechtsextremer Aufmarsch

Rechtsextreme nutzten im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie, um ihre Aktivitäten im Bezirk zu verstärken.

Das Lichtenberger Register verzeichnet für 2020 vor allem einen Anstieg an rechtsextremen und rassistischen Schmierereien und Aufklebern sowie verstärkte Aktivitäten der Neonazi-Partei „Der III. Weg“, berichtet Bürgermeister Michael Grunst (Die Linke). Dieses Fazit lässt sich nach der vorläufigen Auswertung der dem Register gemeldeten Vorfälle ziehen. Es waren mehr als 400 gegenüber 256 im Jahr 2019.

Einen starken Anstieg gab es vor allem bei Propagandafällen. Diese verdoppelten sich fast von 150 (2019) auf 341. Ab Beginn des Lockdowns im März 2020 stiegen die Zahlen deutlich an, berichtet Michael Mallé vom Lichtenberger Register. Dominant waren vor allem NS-Verharmlosungen, rassistische Aussagen und Verschwörungserzählungen. Zu beobachten war außerdem, dass die Neonazi-Partei „Der III. Weg“ kampagnenhaft im Bezirk agierte. Weiterhin auf einem hohen Niveau blieben Angriffe (20) sowie Bedrohungen, Beleidigungen und Pöbeleien (40). „Durchschnittlich jede Woche wird in Lichtenberg ein Mensch aus rassistischen oder anderen diskriminierenden Motiven angegriffen oder bedroht“, so Mallé.

Mit Sorge werden die Aktivitäten von „Der III. Weg“ beobachtet. Dabei handelt es sich um eine aus Süddeutschland stammende Neonazi-Partei. Für den 3. Oktober vergangenen Jahres kündigte sie einen Aufmarsch in Neu-Hohenschönhausen an. In den Monaten zuvor verbreitete die Partei im Bezirk Plakate, Flugblätter und Aufkleber. Am betreffenden Tag erschienen etwa 350 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet, berichtet Mallé. Zivilgesellschaftliche und antifaschistische Proteste sorgten für eine deutliche Verkürzung der Aufmarschstecke. Im Kontext des Aufmarschs kam es zu Angriffen auf Journalisten und Protestierer.

Die Partei verbreitete nach dem Aufmarsch Flugblätter, die sich gegen die Proteste und gegen den Bürgermeister richteten sowie zur Bildung von Bürgerwehren aufriefen. Sie scheint derzeit zu versuchen, im Bezirk Fuß zu fassen, schätz man im Register ein.

Die Corona-Pandemie und der Lockdown wurden von extrem rechten Akteuren im Bezirk auf verschiedene Weise aufgegriffen. So wurden anfangs Menschen aus Italien oder Asien für die Pandemie verantwortlich gemacht und beschimpft. Außerdem wurden Verschwörungserzählungen verbreitet, wie die, dass die Pandemie ein Vorwand wäre, um das Bargeld abzuschaffen, Menschen zwangsweise mit Chips zu versehen oder einen Finanzkollaps zu verschleiern. Später wurde mit Schriftzügen die Pandemiebekämpfung oft mit dem Nationalsozialismus verbunden. So wurden dem Lichtenberger Register Schriftzüge, wie „Covid1933“ oder „Impfen macht frei“ gemeldet, die sich im öffentlichen Straßenraum fanden.

Zudem ist die Zahl der gesprühten und gemalten Hakenkreuze deutlich angestiegen. 62-mal wurden solche Vorfälle ins Register aufgenommen. Anfang 2021 gelang es, einen mutmaßlichen Täter festzunehmen. Die Lichtenberger können rechtsextreme und rassistische Schmierereien und Vorfälle dem Register melden. Die Anlaufstellen sind auf www.berliner-register.de/lichtenberg-anlaufstellen zu finden.

Die endgültige Auswertung aller Vorfälle soll noch im März vorliegen. Bis dahin werden noch Nachmeldungen erwartet. Die Dokumentation wird dann gemeinsam mit der Opferberatungsstelle ReachOut vorgestellt.

Weitere Informationen: www.berliner-register.de und www.reachoutberlin.de.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

54 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Studentische Umzugshelfer Berlin sind der richtige Ansprechpartner für Ihren Umzug.
4 Bilder

So geht Umzug
Studentische Umzugshelfer Berlin

Ein Umzug ist immer mit viel Arbeit verbunden. Es ist daher zumeist von Vorteil, wenn Sie sich tatkräftige Unterstützung für Ihren geplanten Umzug in Berlin holen. Studentische Umzugshelfer sind erfahren und bieten günstige Preise. Die Umzugshilfe Ihrer Wahl kann Ihnen nicht nur beim Umziehen, sondern auch beim Einpacken, Auspacken und Anschließen von Geräten helfen. Schauen Sie, was Ihnen eine erfahrene Umzugsfirma alles bieten kann. Auf uns ist VerlassPlanen Sie einen Umzug in oder...

  • Charlottenburg-Wilmersdorf
  • 16.05.22
  • 181× gelesen
WirtschaftAnzeige
Ugur Yaman - Der Gründer und Experte von Optic Hair
4 Bilder

Haarpigmentierung gibt lichtem Haar keine Chance
Haarpigmentierung in Berlin – Optic Hair beherrscht sein Handwerk

Die Haarpigmentierung Berlin ist der sanfteste Weg zu vollem Haar. Ganz ohne Skalpell und Narben füllt sich das Haarkleid wieder auf. Verständlich, dass viele Alopezie-Patienten die sanfte Behandlung als Gamechanger sehen. Endlich können sie sich auch ohne Transplantation wieder frisch, jung und selbstbewusst fühlen – ganz ohne horrende Haarpigmentierung Kosten. Haarpigmentierung bei Optic Hair – lichtem Haar keine ChanceLichte Stellen im Haarkleid sind eine psychische Belastung, der sich viele...

  • Bezirk Mitte
  • 16.05.22
  • 234× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
In einem Notfall muss alles ganz schnell gehen.

Caritas-Klinik Dominikus Berlin-Reinickendorf
Aus dem Alltag einer Notärztin

Bei einem Notfall sind die ersten Minuten entscheidend. In Sekundenschnelle muss der Notarzt Entscheidungen treffen und lebensrettende Maßnahmen einleiten. Oft kann er in letzter Minute helfen, doch manchmal gelingt es auch nicht. Nerven wie DrahtseileBei aller Hektik braucht es Nerven wie Drahtseile, um ruhig und konzentriert zu bleiben. Im letzten Jahrzehnt hat sich die Notfallmedizin zu einer eigenen, hochspezialisierten Fachrichtung weiterentwickelt – immer mit dem Ziel zu helfen, weil jede...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 11.05.22
  • 151× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Dr. Michael Pieschka
3 Bilder

Caritas.EndoskopieZentrum.Berlin
Warum eine Darmspiegelung Leben retten kann

Die Experten des Caritas.EndoskopieZentrum.Berlin geben Antworten rund um das Thema Darmspiegelung und Darmkrebsvorsorge. Gemeinsam leiten Dr. Michael Pieschka und Dr. Christian Breitkreutz das Endoskopiezentrum der Caritas Gesundheit an den Standorten in Reinickendorf und Pankow. Warum ist Darmkrebsvorsorge sinnvoll? Dr. Pieschka: Darmkrebs ist ein „stiller“ Krebs – wenn man ihn bemerkt, ist es fast immer zu spät. Deshalb ist Vorsorge so wichtig. Über 90 Prozent der bösartigen...

  • Pankow
  • 09.05.22
  • 214× gelesen
  • 1
Gesundheit und MedizinAnzeige
Die fortschreitende Digitalisierung erleichtert unser Leben immer mehr. Kein Wunder also, dass auch die Telemedizin immer mehr Befürworter verzeichnet.

Für Ärzte und Patienten
10 Vorteile von Telemedizin

Die fortschreitende Digitalisierung erleichtert unser Leben immer mehr – egal ob es um Bankangelegenheiten, Behördengänge oder die Inanspruchnahme von Lieferdiensten geht. Kein Wunder also, dass auch die Telemedizin immer mehr Befürworter verzeichnet (Quelle: ntv.de). Gerade in Zeiten von Pandemien wird besonders deutlich, wie wichtig die Telemedizin ist – und was sie alles leisten kann. Doch wo genau liegen ihre Vorteile? In diesem Artikel werden wir die Vorzüge der Telemedizin genauer unter...

  • Bezirk Mitte
  • 07.04.22
  • 406× gelesen
WirtschaftAnzeige
Wir beraten Sie gern und heben uns daher ab, Ihre Individualität auch auf dem letzten Weg zu wahren.
3 Bilder

Wir sind für Sie da
Für einen Abschied nach Ihren Vorstellungen

„Die Beerdigung soll ganz einfach sein - auf der grüne Wiese, anonym. Keiner, soll sich um eine Grabpflege kümmern und es soll günstig sein.“ Diesen oder ähnliche Sätze hören wir öfter von unseren Kunden. Wir, Theodor Poeschke Bestattungen, führen nicht nur aus, sondern beraten Sie umfangreich über die neuen, pflegefreien und oft deutlich günstigeren alternativen Bestattungsmöglichkeiten. So sparen Sie leicht 500 bis 600 Euro. Wir sind für Sie da, damit Sie auf Ihre Art Abschied nehmen können....

  • Bezirk Spandau
  • 04.05.22
  • 217× gelesen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.