Kunst statt Wissenschaft
Atelierhaus an der Prenzlauer Promenade ist bei seinen Nutzern sehr beliebt

Kurator Christoph Zwirner gestaltet mehrere Monate lang Ausstellungen in den Pförtnerlogen des Atelierhauses Prenzlauer Promenade. Sein Ausstellungsprojekt nennt sich STRouX.
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  • Kurator Christoph Zwirner gestaltet mehrere Monate lang Ausstellungen in den Pförtnerlogen des Atelierhauses Prenzlauer Promenade. Sein Ausstellungsprojekt nennt sich STRouX.
  • Foto: Bernd Wähner
  • hochgeladen von Simone Gogol-Grützner

Wer derzeit durch die Fenster der Pförtnerlogen des langgestreckten Gebäudes an der Prenzlauer Promenade 149-152 schaut, erblickt Ungewöhnliches.

Im Fenster am Aufgang C liegen fein säuberlich aufgereiht Objekte, die wie große Edelsteine aussehen. Doch weit gefehlt. „Es handelt sich um geschmolzenes Glas“, erklärt Christoph Zwirner. Er ist der Kurator des neuen Ausstellungsprojektes STRouX (www.stroux.berlin/) im Atelierhaus an der Prenzlauer Promenade. Mit diesem will er all jenen ein Kunsterlebnis ermöglichen, die aufgrund der Corona-Regelungen das Atelierhaus nicht betreten dürfen.

Die geschmolzenen Glasklumpen sammelte der Künstler Philip Topolovac in den vergangenen Jahren auf Berliner Baustellen. Er fand sie auf Flächen, auf denen einst Häuser standen, die nach Bombentreffern im Zweiten Weltkrieg ausbrannten. Mit dieser Sammlung von geschmolzenem Glas lässt sich erahnen, welche Wucht und Zerstörungskraft die Bomben hatten. So ist diese Ausstellung zugleich eine Mahnung.

Buch destilliert

In der Pförtnerloge des Aufgangs D ist indes eine Kunstinstallation von Mirja Busch durch ein Fenster zu betrachten. Mit einer Performance, bei der sie ein Buch destillierte und damit “den Geist des Buches extrahierte“, weihte sie kürzlich ihre Installation ein. Mit dem chemischen Prozess der Destillation erinnert sie zugleich an die Geschichte des Hauses an der Prenzlauer Promenade. Das wurde in den 1980er-Jahren als Hotel für Diplomaten gebaut. Weil diese sich aber am Straßen- und Fluglärm störten, zog stattdessen die Akademie der Wissenschaften der DDR ein. Mit seinem Kunstprojekt STRouX erinnert Christoph Zwirner daran, dass in dem Haus einst Wissenschaftler arbeiteten. Benannt hat er es nämlich nach Johannes Stroux (1886-1954), dem ersten Präsidenten der Akademie der Wissenschaften.

In den 90er-Jahren übernahm die Humboldt-Universität den Gebäudekomplex. Doch diese hatte keine Verwendung dafür. So wurde die Verwaltung an den Liegenschaftsfonds übertragen. Dieser sollte das Gebäude vermarkten. Es fand sich aber kein Interessent. Auf Betreiben des Bezirksamts und der Kunsthochschule Weißensee wurden Räume deshalb ab 2001 an Künstler vermietet. Als 2012 mit einer neuen Ausschreibung ein Unternehmen gesucht werden sollte, das in diesem Gebäudekomplex Wohnungen errichtet, gab es heftigen Gegenwind von den Künstlern, aus der Bezirks- und aus der Landespolitik. Nach einer längeren Suche nach einer tragfähigen Lösung wurde das Gebäude an die landeseigene GSE übergeben, die wiederum einen langfristigen Mietvertrag mit der ebenfalls landeseigenen berlinovo abschloss.

Erste Räume sind saniert

Die berlinovo schloss indes 2018 einen langfristigen Kooperationsvertrag mit dem Verein ab, der Träger des Atelierhauses ist. Die Künstler dürfen für zunächst 25 Jahre ihre Räume nutzen. Die Vermieterin saniert indes das Gebäude behutsam und richtet leerstehende Räume so her, dass sie ebenfalls als Ateliers genutzt werden können. „Die ersten Sanierungen sind inzwischen vorgenommen worden“, berichtet Pedro Böse vom Vorstand des Atelierhausvereins. So sind zum Beispiel Brandschutzmaßnahmen umgesetzt worden. „Ich bin mit meinen Räumen hier total zufrieden“, berichtet die Malerin Annedore Dietze. „Ich habe hier wunderbares Licht, um meine großformatigen Bilder malen zu können.“ Und Vereinsvorstand Mechtild Beckmann berichtet: „Wir sind inzwischen 60 Künstler, die 70 Räume nutzen können.“

Aber nicht nur die Künstler aus dem Atelierhaus-Verein sind mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden. Inzwischen dürfen auch Künstler aus den KunstEtagenPankow (KEP), die Ende 2019 ihre Ateliers an der Pestalozzistraße verlassen mussten, befristet bis Ende des Jahres Ateliers im Gebäude nutzen. Dass für sie eine Lösung gefunden wird, dafür will sich Bürgermeister Sören Benn (Die Linke) einsetzen, der kürzlich die Künstler besuchte. Dabei lernte er auch Ansgar Vollmer kennen, den Chef der Musikschule Westerland. Diese nutzt Räume im südlichen Teil des Gebäudes. „Unsere Musikschule besteht seit 20 Jahren und hatte bereits mehrere Standorte“, berichtet Vollmer. „Wir haben hier zehn Unterrichtsräume und den Saal angemietet. Unser Spektrum reicht von der musikalischen Früherziehung bis zur Studienvorbereitung. Unterrichtet wird von Klassik bis Rock, und wir haben sogar eine Werkstatt für Instrumentenbau. Die wird gern von Schulklassen genutzt.“ Auch Vollmer ist mit diesem Standort zufrieden. So wie die bildenden Künstler im Haus wünscht aber auch er sich noch eine gastronomische Einrichtung in der Nähe. Nebenan baut die berlinovo gerade ein neues Studentenwohnheim. Alle hoffen nun, dass dort auch ein gastronomisches Angebot mitentsteht.

Weitere Informationen zum Atelierhaus und dem dortigen Verein unter https://atelierhausprenzlauerpromenadeberlin.wordpress.com/aktuell, zu dem KunstEtagenPankow unter www.kunstetagenpankow.com und zur Musikschule Westerland unter www.westerlandschule.de/aktuelles.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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