Swen Schulz kandidiert nicht mehr für den Bundestag
"Das ist kein Abschied aus Spandau"

Viele Spandauer werden ihn vermissen: Swen Schulz verabschiedet sich aus dem Bundestag.
  • Viele Spandauer werden ihn vermissen: Swen Schulz verabschiedet sich aus dem Bundestag.
  • Foto: Ulrike Kiefert
  • hochgeladen von Ulrike Kiefert

Swen Schulz (51) will nicht mehr für den Bundestag kandidieren. Warum der Sozialdemokrat nach 17 Jahren verzichtet, und wer seine möglichen Nachfolger sind, darüber sprach Swen Schulz mit unserer Reporterin Ulrike Kiefert.

Sie haben schon vor einem Jahr bekannt gegeben, nicht erneut für den Bundestag kandidieren zu wollen. Warum so früh? Die nächste Bundestagswahl ist erst im Herbst 2021.

Swen Schulz: Schon vor einem Jahr hat es in der Koalition heftig geknirscht, Horst Seehofer hatte seinen Rücktritt angekündigt. Neuwahlen waren möglich und ich habe beschlossen, mich nicht mehr um ein Bundestagsmandat zu bewerben. Die SPD muss sich erneuern und auch personell verändern. So habe ich entschieden, im Bundestag Platz zu machen. Seit 2002 bin ich nun Abgeordneter, und ich bin inzwischen über 50 Jahre alt. Da tut ein Wechsel auch mal gut. Dass ich meinen Rückzug so früh angekündigt habe, geschah aus Rücksicht auf meine Partei. Sie soll genug Zeit haben, einen Nachfolger zu finden. Und natürlich sollten auch meine Mitarbeiter rechtzeitig informiert sein.

Sie werden es sich bis 2021 nicht anders überlegen?

Swen Schulz: Meine Entscheidung steht unverrückbar fest. Die Arbeit im Bundestag ist sehr anstrengend und fordernd. Das hat auch Folgen für mein Privatleben. Ich will mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Meine älteste Tochter ist jetzt 16 Jahre alt, die jüngere fünf und ich habe einen zweijährigen Sohn. Übrigens ist das kein Abschied aus Spandau, im Gegenteil will ich mit meiner Familie im nächsten Jahr zurück nach Spandau ziehen, momentan leben wir in Schöneberg.

Wie hat Ihre Partei auf die überraschende Ankündigung reagiert?

Swen Schulz: Viele Mitglieder haben mit Bedauern, aber sehr herzlich reagiert. Ein kollektives Aufatmen gab es nicht, so jedenfalls mein Eindruck. Der Spandauer SPD-Chef Raed Saleh wusste etwas früher Bescheid und hat meine Entscheidung ebenfalls sehr bedauert.

Steht Ihr Nachfolger schon fest? Mit Raed Saleh und Stephan Machulik sind ja einige Namen bereits im Umlauf. Manche sagen, Bürgermeister Helmut Kleebank soll für den Bundestag kandidieren und Sie dafür Bürgermeister werden.

Swen Schulz: Nein, mein Nachfolger steht bisher nicht fest. Natürlich wird viel spekuliert. Bezirkspolitik hat mich zwar immer interessiert, weil mir Bürgernähe wichtig ist. Aber als Bürgermeister werde ich nicht kandidieren. Das ist zwar eine tolle, reizvolle Aufgabe, aber ich will mich nicht gleich in die nächste Rund-um-die-Uhr-Arbeit stürzen.

In Ihrem Wahlkreis Spandau-Charlottenburg Nord haben Sie sich als Bundestagsabgeordneter drei Mal gegen Kai Wegner von der CDU durchgesetzt und das Direktmandat geholt. Wer macht Ihnen das nach?

Swen Schulz: Jede Nachfolgerin oder jeder Nachfolger wird es schwer haben, schon wegen der bundespolitischen Lage. Die Kandidatur für den Bundestag erfordert eine Person, die hundertprozentig dabei ist. Wer das am besten kann, müssen aber andere entscheiden, ich bin da raus.

Ihr persönliches Credo als Berufspolitiker?

Swen Schulz: Mir war immer wichtig, nicht abzuheben, wie man so schön sagt, sondern mit den Menschen in Kontakt zu bleiben. Ich hoffe das ist mir gelungen. Vor Ort zu sein, das Gespräch anzubieten, zuzuhören und Stimmungen mitzunehmen. Das ist die Basis für jede politische Arbeit. So habe ich es von meinem Vorgänger im Bundestag Wolfgang Behrendt gelernt. Die Basisarbeit in meinem Wahlkreis bringt natürlich auch mit sich, dass Bürger mit Problemen kommen, die mit Bundespolitik nichts zu tun haben. Aber ich wimmele niemanden ab, sondern nutze, um zu helfen, meine Kontakte zu Wohnungsunternehmen, zum Jobcenter, ins Bezirksamt, in die Senatsverwaltungen. Natürlich mache mir auch persönlich ein Bild, bei meiner Kümmertour durch die Kieze, bei Bürgerdialogen, in Krankenhäusern, Schulen und Unternehmen. Diese Vor-Ort-Besuche und die Gespräche mit Spandauern geben mir Themen für den Bundestag mit. Die Mietsteigerungen zum Beispiel. Es war schon vor Jahren absehbar, dass wir hier ein Problem bekommen. Das hat mich dazu gebracht, frühzeitig im Bundestag für ein besseres Mietrecht und sozialen Wohnungsbau zu werben. Oder das 50-Millionen-Euro-Paket für die Altstadt, wo der Bund doch über Jahre seine Fördermittel für den sozialen Städtebau auf Null gefahren hatte. Die Dinge dauern häufig lange, aber der Einsatz lohnt sich.

Was haben Sie als Bundestagsabgeordneter konkret erreichen können für Spandau, und was nicht?

Swen Schulz: Ein großes Thema, das wiederholt an mich herangetragen wurde, sind die Schulen. Das habe ich in den Bundestag weitergetragen und mich im Haushaltsausschuss dafür eingesetzt, dass der Bund die Schulen besser finanziert. Die Investitionsprogramme laufen jetzt immer stärker. Ein anderes Beispiel sind die Alexander Barracks. Wie Sie wissen habe ich mich schon vor Jahren reingehängt und Vorschläge gemacht, wie das riesige Areal nördlich des Krankenhauses als Klinik-Standort, für Gewerbe und Wohnen weiterentwickelt werden kann. Damals hatte das Thema noch niemand auf dem Schirm. Jetzt sehe ich Bewegung. Bundespolizei, Programme der sozialen Stadt, viele einzelne Bürgeranliegen und anderes mehr könnte ich erwähnen. Was bisher nicht gelang, ist eine Fachhochschule in Spandau anzusiedeln. Die könnte ich mir bei Siemens oder auf einem Bundesgelände gut vorstellen. Wenn mir dieses Projekt noch gelänge bis ich aus dem Bundestag ausscheide, wäre ich sehr froh.

Im Bundestag haben Sie den Spitznamen „Schulz-Spandau“ weg. Was würden Sie dem Bezirk im Nachgang wünschen?

Swen Schulz: Spandau ist ein toller, sehr vielfältiger Bezirk, der leider häufig als Schlafstadt unterschätzt wird. Von diesem Image müssen wir weg. Das hat aber vielleicht auch damit etwas zu tun, dass viele Spandauer an einem Bild ihres Bezirks aus den 1970er Jahren hängen. Im Sinne von, es soll alles so bleiben wie es ist. Es gab mal den Vorschlag, eine Fachhochschule nach Spandau zu holen. Das lehnten die Bezirkspolitiker damals ab. Die waren der Meinung, dass junge Leute alles durcheinander bringen. Das wurde auch unter der langen Amtszeit von Konrad Birkholz nicht deutlich besser. Er war zwar sehr beliebt, aber auch sehr behäbig, und hat nicht wirklich was für den Bezirk bewegt. Immerhin sehe ich unter der Führung von Helmut Kleebank Bewegung.

Was macht Swen Schulz ohne den Bundestag?

Swen Schulz: Mal schauen. Der SPD bleibe ich natürlich erhalten. Aber wenn Sie meine berufliche Zukunft meinen, einen Arbeitsvertrag habe ich für die Zeit nach 2021 noch nicht in der Tasche. Ich gehe aber weder zu Gazprom noch zur Deutschen Bahn AG oder so. Ich werde bestimmt Arbeit finden, ich bin da gar nicht so anspruchsvoll und gerne auch jenseits der Politik beschäftigt.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

20 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Parfümerie Gabriel Frau Lang (links) und Frau Gutenmorgen begrüßen Sie ab sofort gern in der Parfümerie Gabriel in Frohnau.
2 Bilder

Wir sind für Sie da
Parfümerie Gabriel: Ab sofort auch in Frohnau!

Ab sofort finden Sie uns in neuem Glanze auch am Zeltinger Platz 1 + 3 in Berlin-Frohnau. Ob Düfte, Pflegeprodukte, Make-up oder besondere Accessoires – bei unseren Beautyexperten finden Sie bestimmt das Richtige für sich oder Ihre Liebsten. Oder verschenken Sie doch einen unserer liebevoll verpackten Geschenkgutscheine. Da ist garantiert für jeden die passende Oster-Überraschung dabei. Verwöhn-Momente in der Beauty Lounge Demnächst laden wir Sie auch gerne zu unvergesslichen Verwöhn-Momenten...

  • Frohnau
  • 24.02.21
  • 96× gelesen
WirtschaftAnzeige
Willkommen in den neuen Räumlichkeiten von Optik an der Zeile.

Optik an der Zeile
Es ist geschafft – wir sind um die Ecke gezogen

Es ist geschafft – wir sind um die Ecke gezogen. Seien Sie neugierig und schauen Sie bei uns rein. Es lohnt sich, denn mit unserer 9. Brillenmesse feiern wir unseren Umzug und unser neues Geschäft im Osteingang vom Märkischen Zentrum. Nach über 30 Jahren im Märkischen Viertel eröffnen wir ein neues Kapitel in unserer Geschichte. Das neue Geschäft bietet mehr Platz und Sie werden sich sicher wohlfühlen. Bei unserer 9. Brillenmesse bieten wir Ihnen wieder die kompletten Kollektionen namhafter...

  • Märkisches Viertel
  • 23.02.21
  • 87× gelesen
KulturAnzeige
Jami-ul-Alfar
Video 2 Bilder

Der Traum vom Reisen in der Zeit von Corona
Sri Lanka: eine kleine, wunderschöne Insel

In dieser Zeit, in der die Welt vom Coronavirus geplagt wird, träumt jeder davon, wieder neue Länder und Kulturen zu entdecken und zu erleben. Davon können wir im Moment nur träumen. In Südasien gibt es eine wunderschöne Insel, klein, aber mit vieles zu entdecken und zu erleben, wenn das Reisen wieder möglich ist: Sri Lanka. Abwechslungsreiche LandschaftenSri Lanka befindet sich im Indischen Ozean. Die Insel ist größtenteils flach, aber im südlich-zentralen Teil der Insel gibt es auch Berge,...

  • Schöneberg
  • 15.02.21
  • 324× gelesen
WirtschaftAnzeige
Lars Sommer, Julius Voigt, Christian Schröder und Daniel Eggert (von links) sorgen gern für Ihr Catering.
5 Bilder

Airstream Catering
Mit dem Foodtruck bei Ihnen vor Ort

Der Airstream-Wohnwagen aus den USA ist das Highlight der Catering-Szene in Berlin und Brandenburg. Seit 2013 touren der 38-jährige Daniel Eggert und der 41-jährige Lars Sommer mit ihrer „rollenden Küche“, wie sie den umgebauten Wohnwagen nennen, durch Berlin und Brandenburg. Die aus der internationalen Spitzengastronomie entstammenden Gründer Daniel Eggert und Lars Sommer bieten professionell und emotional ihre Food-Innovationen einer internationalen Kundschaft an. Die Inhaber setzen vor allem...

  • Bezirk Pankow
  • 11.02.21
  • 784× gelesen
WirtschaftAnzeige
"Wir halten Sie mobil!", sagt Marlies Wegener, Geschäftsführerin vom Autohaus Wegener. Auch wenn der Präsenzverkauf derzeit leider nicht möglich ist: Das Autohaus Wegener ist für Sie erreichbar. Und natürlich bleibt der Werkstattbereich weiterhin geöffnet.

"Wir halten Sie mobil!"
Autohaus Wegener ist auch während der Pandemie für Sie da

Auch wenn der Präsenzverkauf derzeit leider geschlossen bleiben muss: Die Mitarbeiter vom Autohaus Wegener sind für Sie da! Unter dem Motto "Wir halten Sie mobil!" erreichen Sie das kompetente Team telefonisch unter der Rufnummer 0800/906 72 58 oder per E-Mail info@autohaus-wegener.de. Montags bis freitags von 7 bis 18.30 Uhr sowie sonnabends von 9 bis 13 Uhr stehen Ihnen die Mitarbeiter zur Verfügung. Ob Neu- oder Gebrauchtwagen, Kauf, Leasing oder Werkstattservice: Trotz der coronabedingten...

  • Charlottenburg
  • 18.01.21
  • 205× gelesen
WirtschaftAnzeige
Niederlassungsleiter Klemens Möhne und seine Mitarbeiterinnen Tanja Alber und Katrin Dröse vor der runderneuerten Fielmann-Filiale in der Frankfurter Allee.

Nach 25 Jahren im neuen Glanz
Fielmann eröffnet umgebaute Niederlassung in der Frankfurter Allee

Seit 1995 verkauft Fielmann seine Brillen in Friedrichshain. In diesem Vierteljahrhundert wurden hier mehr als 250.000 Brillen verkauft. Das wären umgerechnet zwei für jeden Einwohner des Stadtteils. Passend dazu hat Deutschlands erfolgreichster Optiker nun seine komplett umgestaltete Niederlassung wiedereröffnet. Trotz der herrschenden Maskenpflicht ist auf ersten Blick zu erkennen, dass Fielmann-Niederlassungsleiter Klemens Möhne über beide Ohren strahlt. Und das aus gutem Grund: In den...

  • Friedrichshain
  • 05.02.21
  • 247× gelesen
SozialesAnzeige

Online den richtigen Partner finden: Herzklopfen-berlin.de
Die Liebe hält keinen Winterschlaf – mit richtigem Dating den Traumpartner finden

Im Winter verlagert sich das Leben nach drinnen. Das gilt in diesem Jahr besonders. Wenn es draußen kalt und dunkel wird, freut man sich umso mehr auf ein warmes Zuhause. Mit einem Glas Wein oder einem heißen Kakao, einem guten Buch in der Hand oder einem schönen Film im Fernsehen – während vor den Fenstern die Lichter der Hauptstadt leuchten oder sogar ein paar Schneeflocken vorbeiwirbeln. Was es gäbe es da schöneres, als das Glück eines entspannten Winterabends auf dem Sofa oder im Bett mit...

  • Schöneberg
  • 21.12.20
  • 1.140× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen