Spandau soll 44 neue Sammel-Iglus bekommen
Glas-Iglu versus Hinterhoftonne

Unbeliebt, weil unbequem: Die Sammel-Iglus kommen nicht bei jedem an. Vor allem Älteren ist der Weg oft zu weit.   | Foto: Ulrike Kiefert
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  • Unbeliebt, weil unbequem: Die Sammel-Iglus kommen nicht bei jedem an. Vor allem Älteren ist der Weg oft zu weit.
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Zu weit weg, zu wenige Standorte: Der Unmut über die Sammel-Iglus für Altglas am Straßenrand ist vielerorts groß. Für Spandau hat der Betreiber „Berlin Recycling“ derweil 44 neue Sammelstellen beim Bezirksamt beantragt. Genehmigt sind die aber noch nicht.

Anfang August 2019 verschwanden die ersten Altglas-Tonnen aus den Innenhöfen. Die Senatsumweltverwaltung ließ sie durch Sammel-Iglus ersetzen. Dort sollen jetzt leere Flaschen und Gläser entsorgt werden. Neun Bezirke waren betroffen, darunter Spandau, wo mittlerweile rund 230 solcher Iglus stehen.

Vor allem ältere Menschen empfinden die Umstellung als Zumutung. Konnten sie ihr Altglas bisher bequem in die Tonnen am Haus werfen, müssen sie nun die Flaschen quer durch den Kiez zum nächsten Sammel-Iglu tragen. Für Senioren oder nicht so mobile Menschen sei das eine zusätzliche Belastung, ist von vielen Kritikern zu hören. Unschöner Nebeneffekt: Viele Mieter werfen ihr Glasgut lieber in die Restmülltonne. „Seit der Maßnahme des rot-rot-grünen Senats entsorgen 20 Prozent weniger Haushalte ihr Altglas gesondert“, sagt etwa der CDU-Abgeordnete für Staaken und das Spektefeld, Heiko Melzer. „Klar, wenn die Möglichkeit einer Entsorgung in unmittelbarer Nähe fehlt. Fahrten zu Sammelcontainern aber verursachen mehr CO₂.“ Neben dem Bärendienst an der Umwelt und dem Klima würden die Orte an den aufgestellten Iglus außerdem häufig zu Dreckecken am Straßenrand verkommen, kritisiert Melzer.

Viele Beschwerden über Glas-Iglus
auch in Hakenfelde

Dutzende Beschwerden aus ihrem Wahlkreis Hakenfelde haben auch Bettina Domer erreicht. „Der Abzug der Hoftonnen in den Außenstadtbereichen war vom Parlament nicht gewollt“, sagt die SPD-Abgeordnete. Den Mietern habe sie zum Widerspruch geraten. „Die waren auch erfolgreich.“ Die Senatsumweltverwaltung wiederum teilte dem Spandauer SPD-Abgeordneten Daniel Buchholz (Haselhorst, Siemensstadt) mit, dass es bisher keine großen Widerstände seitens der Vermieter und der Mieter gegeben habe. Buchholz hatte nachgefragt.

Mittlerweile ist bekannt, dass „Berlin Recycling“ als Betreiber der Altglas-Iglus für Spandau 44 neue Standorte beantragt hat. „Mindestens vier davon soll es in Hakenfelde geben“, sagt Bettina Domer. Deren Standorte sind Cautiusstraße/Am Forstacker, Hakenfelder Straße/Am Forstacker, Cautiusstraße/Streitstraße sowie in der Wichernstraße. Werden solche Anträge gestellt, müssen die Bezirksämter die Standortgenehmigungen erteilen. „Eine abschließende Entscheidung steht hier noch aus“, hatte Baustadtrat Frank Bewig (CDU) in der Januar-Sitzung der Bezirksverordneten auf Anfrage der Linksfraktion informiert. „Das Straßen- und Grünflächenamt hat vom Betreiber weitere Unterlagen angefordert, die fehlen noch.“

CDU startet Petition,
BUND hilft beim Widerspruch

Bettina Domer plädiert dafür, dass an den neuen Standorten digitale Sensorik eingesetzt wird. „So kann genau erfasst werden, wann die Container voll sind und geleert werden müssen, damit das Altglas nicht auf dem Bürgersteig oder auf der Straße abgestellt wird.“ So wie es vielerorts zum Jahresanfang der Fall war. Heiko Melzer fordert dagegen konsequent: „Die haushaltsnahe Altglasentsorgung muss wieder eingeführt werden. Im Sinne der Anwohner und der Umwelt.“ Das habe er Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) in einem Brief kundgetan. Melzer verweist außerdem auf die Online-Petition www.altglastonne-retten.de der Berliner CDU-Fraktion. Über 600 Unterstützer hat die Petition bereits.

Berlinweit sind inzwischen rund 30.000 Altglastonnen aus den Hinterhöfen verschwunden. Die Zahl der öffentlichen Sammelstellen (Iglus) soll von 1500 auf 1900 steigen. In den Iglus kann nach Weiß-, Grün- und Braunglas sortiert werden. Damit sei das Glas besser verwertbar, weil es kaum vermischt werde, während das Zweifarb-Sammelsystem der Hinterhoftonnen nicht mehr zeitgemäß sei, hatte die Senatsumweltverwaltung das neue System begründet. Weil nach einem „Testlauf“ in drei Bezirken das gesammelte Altglas jedoch um 20 Prozent zurückgegangen war, hatte der Umweltverband BUND die Aktion „Meine Altglastonne bleibt“ gestartet. Auf www.meine-altglastonne.de kann sich jeder für den Erhalt seiner Altglashoftonne aussprechen und Widerspruch gegen das Aus einlegen.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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