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Die Biesenhorster Flugpioniere

Ein Luftschiff der Siemens-Schuckert-Werke verlässt die Luftschiffhalle im Süden von Biesdorf.
Ein Luftschiff der Siemens-Schuckert-Werke verlässt die Luftschiffhalle im Süden von Biesdorf. (Foto: Archiv Schneider)

In Biesdorf-Süd befindet sich eine der Geburtsstätten des Flugwesens. Sie ist eng mit der Person Wilhelm von Siemens verbunden. Die Familie besaß Schloss und Gut Biesdorf von 1887 bis 1920. Der Sohn des Konzerngründers folgte einem Wunsch des Militärs und ließ 1906 auf dem Gut eine Luftschiffhalle bauen.

Das für die Luftschifffahrt bereitgestellte Gelände umfasste rund 1,5 Millionen Quadratmeter. Es reichte von der Köpenicker Allee, Ecke Straße am Heizhaus (seit April 2017 Am alten Flugplatz ) in Karlshorst weit in das heutige Biesdorf hinein. Die späteren Siedlungsgebiete Biesenhorst I und II gehörten dazu.

Siemens ließ auf dem Gelände für die Siemens-Schuckert-Werke eine riesige Luftschiffhalle bauen. Sie war 135 Meter lang, 25 Meter breit und 25 Meter hoch. Architekt war Karl Janisch, der Erbauer von Siemensstadt. Die Halle war eine technische Neuheit. Sie war als erste Luftschiffhalle drehbar. So konnten die fliegenden Kolosse beim Start in den Wind gedreht und Beschädigungen vermieden werden.

In dieser Halle wurden später die Siemens-Schuckert-Luftschiffe SSL 1 und SSL 2 gebaut. Das Siemens-Schuckert-Luftschiff war in den Jahren 1911 bis 1912 das schnellste Luftschiff der Welt. Von Biesdorf aus unternahmen die Luftschiffe weite Flüge, auch über Berlin hinaus. Das am weitesten entfernt gelegene Ziel war Gotha in Thüringen in 255 Kilometer-Entfernung.

Allerdings entsprachen die SSL nicht ganz den Vorstellungen und Wünschen der Militärs. Die Produktion wurde eingestellt. Bis 1917 wurden Halle und Gelände aber weiter als Ausbildungs- und Teststätte für andere Luftschifftypen verwendet.

Inzwischen hatten die Militärs Flugzeuge als geeignetere Kampfmittel im Luftkrieg entdeckt. Bereits 1916 landeten auf dem Flugfeld Doppeldecker. Zu diesem Zeitpunkt gehörte die am Rande des Flugfeldes gelegene Siedlung Karlshorst zur Gemeinde Friedrichsfelde. Sie kaufte das Gelände und vermietete es sogleich an das Militär weiter.

Die Hoffnung der Gemeinde, mit der Luftfahrt reich zu werden, erfüllten sich indes nicht. Ab Herbst 1917 wurden zwar Flugzeuge montiert und Soldaten in der Luftbildfotografie ausgebildet. Doch die Episode endete schon nach kurzer Zeit mit dem Ende des Ersten Weltkriegs. 1919 wurde schließlich eine Fliegerstaffel für den Grenzschutz Ost aufgestellt. Anschließend übernahm die Sicherheitspolizei das Flugfeld und stationierte die Polizeifliegerstaffel 1. Nach der Ratifizierung des Versailler Vertrages und der Konferenz von Spaa im Juli 1920 musste der Flugbetrieb stillgelegt werden.

Letzte stumme Zeugen der Luftfahrt in dem Gebiet sind noch Flugzeughallen mit charakteristischen Kuppeldächern, die bis heute an der Straße Am alten Flugplatz in Karlshorst stehen. In diesen war zuletzt bis 2002 die Forschungsanstalt für Schiffahrt, Wasser- und Grundbau untergebracht. Inzwischen plant ein Investor, in den denkmalgeschützten Hallen Wohnungen zu bauen.

Über die Geschichte der Luftfahrt in Biesdorf-Süd hält der Karlshorster Heimathistoriker Wolfgang Schneider am Mittwoch, 14. Februar, um 18 Uhr im Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf, Haus 1, Alt-Marzahn, einen Vortrag. Der Eintritt ist frei.

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