„Wir müssen Privatsphäre garantieren“
Thomas de Vachroi möchte ein Zentrum für Obdachlose aufbauen – einzigartig in Berlin

Für ihn hat Christentum vor allem mit Mitmenschlichkeit zu tun: Thomas de Vachroi teilt sich sein Büro an der Buschkrugallee mit Reformator Martin Luther.
  • Für ihn hat Christentum vor allem mit Mitmenschlichkeit zu tun: Thomas de Vachroi teilt sich sein Büro an der Buschkrugallee mit Reformator Martin Luther.
  • Foto: Schilp
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Thomas de Vachroi hat eine Vision: ein Ort, an dem obdachlose Menschen zur Ruhe kommen. Wo sie mit Kleidung und Essen versorgt werden. Wo sie eine maßgeschneiderte Beratung und echte Hilfe erwarten können. „Das wäre eine Pionierleistung“, sagt er.

Thomas de Vachroi ist nicht irgendwer. Er leitet das Haus Britz des Diakoniewerks Simeon an der Buschkrugallee, wo mehr als 60 Mietparteien leben. Er ist Armutsbeauftragter der Diakonie und Sozialbeauftragter der Neuköllner CDU. Viel Lob erntete er 2015, als er das alte Wilmersdorfer Rathaus am Fehrbelliner Platz innerhalb von sieben Monaten in eine vorbildliche Flüchtlingsunterkunft für mehr als tausend Menschen verwandelte. „Ich habe so etwas wie eine eigene Stadt aufgebaut“, sagt er.

Ähnliches stellt er sich für das Obdachlosenzentrum vor. Dort soll es alles geben, was am nötigsten gebraucht wird. Zentral seien soziale Beratungen, um herauszufinden, wo die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Einzelnen liegen, wo der richtige Ansatzpunkt für Unterstützung ist. In einem Begegnungscafé können Kontakte und eventuelle Patenschaften vermittelt werden.

Ein Laden mit hochwertiger Second-Hand-Kleidung – Vorbild ist Oxfam – versorgt die Bedürftigen kostenlos, alle andere Kunden zahlen einen Mindestpreis. Dass sowohl Café als auch Laden sich nach außen öffnen, sei wichtig. „Wir wollen keine Ghettoisierung“, sagt de Vachroi mit Nachdruck.

Fehlstelle Übernachtungen

Die Neuköllner Tee- und Wärmestube der Diakonie solle ins Zentrum integriert werden. Der heutige Standort an der Weisestraße 34 platze aus allen Nähten. Dort können Obdachlose essen, trinken, gemeinsam kochen, duschen, Wäsche waschen und einiges mehr. Nicht möglich sind allerdings Übernachtungen.

Das soll sich im neuen Zentrum ändern. Rund 50 Plätze für „Notübernachtungen“ schweben Thomas de Vachroi vor. Wobei der Begriff weit zu fassen ist. „Nach sechs bis zwölf Monaten sollte eine dauerhaftere Lösung gefunden sein“, sagt er. Aber bis dahin könnten Menschen im Zentrum leben – in festen Zimmern für maximal zwei Personen, ausgenommen eventuelle Familienzimmer.

„Die Obdachlosen müssen ihren Raum abschließen können. So finden sie Ruhe und haben keine Angst, bestohlen zu werden. Wer auf der Straße lebt, steht unter Dauerstress, das gesamte Leben ist öffentlich. Wir müssen Privatsphäre garantieren“, so de Vachroi. Für Frauen seien Einzelzimmer ganz besonders wichtig. „Ihr Anteil an den Obdachlosen nimmt zu und die Zahl der Angriffe ist nicht zu unterschätzen.“

Er möchte es auch möglich machen, dass die Menschen im Zentrum mithelfen – wenn sie wollen. Das Gefühl, gebraucht zu werden, sei vielen wichtig. Auf jeden Fall werde niemand nach dem Frühstück zurück auf die Straße geschickt, die Einrichtung soll rund um die Uhr geöffnet sein. „U-Bahn-Schächte, Brücken und Parks sind keine Wohnräume, das darf der Staat nicht dulden. Die Politik muss diesen Menschen ihr Leben zurückgeben“, so de Vachroi.

Zusammenarbeit mit Botschaften

Bei geschätzt der Hälfte der Obdachlosen in Berlin ist es recht kompliziert, zu helfen, weil sie aus Ländern wie Polen, Bulgarien, Rumänien oder Tschechien kommen. Hier müsste mit den Botschaften zusammengearbeitet werden, damit zumindest genügend Dolmetscher zur Verfügung stünden. Eine Rückführung in die Heimatländer schließt de Vachroi nicht aus, das steht für ihn aber nicht im Vordergrund. „Ich bin kein Richter über solche Angelegenheiten.“

Seine Ideen haben bereits Befürworter gefunden, so wie Eva-Marie Schoenthal (SPD), Vorsitzende des bezirklichen Sozialausschusses, und Bernd Szczepanski, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Die CDU-Bezirksverordnete Brigitte Gloeden hat kürzlich einen Antrag gestellt, der mehrheitlich angenommen wurde: Das Bezirksamt solle prüfen, ob die Flüchtlingsunterkunft an der Karl-Marx-Straße 269 (alter Bewag-Sportplatz) in Zukunft ein geeigneter Standort für das Obdachlosenzentrum sein könnte. Falls nicht, solle ein anderer Platz gesucht werden.

Thomas de Vachroi glaubt, dass noch viel Arbeit zu leisten ist. „Wenn aber alle gesellschaftlichen Kräfte mitziehen, dann könnte es innerhalb der nächsten zwei Jahre klappen.“

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

14 folgen diesem Profil

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Mike Werner kauft Fototechnik, Lupen, Ferngläser und vieles mehr an.
2 Bilder

"Analog Lounge GmbH"
Ankauf von Fototechnik, Ferngläsern & Co.

"Guten Morgen“, ertönt es im Treppenhaus von einer älteren Dame. Sie greift einen gefüllten Stoffbeutel und übergibt Ihn Herrn Werner. Im Stoffbeutel der älteren Dame kommen eine Kamera, einige Objektive und ein Zielfernrohr zum Vorschein. Vorsichtig reiht Ankäufer Werner die Gegenstände aus dem analogen Zeitalter auf. Gern würde sie diese Dinge bei Werner gegen Bares loswerden. Denn der 40-Jährige ist von der Firma "Analog Lounge GmbH" und kommt regelmäßig nach Berlin, um Kameras, Objektive,...

  • Tiergarten
  • 12.04.21
  • 306× gelesen
PolitikAnzeige
„Wir wollen Reinickendorfs Zukunft gestalten“, erklärt Torsten Einstmann.

"Tesla-Effekt für Reinickendorf"
SPD-Kandidat Torsten Einstmann will sich im Bundestag für Reinickendorfs Zukunft einsetzen

Über 5.000 Wohnungen sollen im neuen Wohnquartier am Kurt-Schumacher-Platz entstehen; dazu Schulen, Kitas, Sportanlagen, Einkaufsmöglichkeiten und viel Grün. Für Torsten Einstmann, der bei der Bundestagwahl im September für die SPD in Reinickendorf antritt, ein wichtiger Schritt für den gesamten Bezirk: „Wie Tesla für Teile Brandenburgs eine Initialzündung für mehr Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze ist, kann auch die Nachnutzung des TXL ein Schub für die Entwicklung im Fuchsbezirk sein.“...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 06.04.21
  • 242× gelesen
WirtschaftAnzeige
Willkommen in den neuen Räumlichkeiten von Optik an der Zeile.

Optik an der Zeile
Es ist geschafft – wir sind um die Ecke gezogen

Es ist geschafft – wir sind um die Ecke gezogen. Seien Sie neugierig und schauen Sie bei uns rein. Es lohnt sich, denn mit unserer 9. Brillenmesse feiern wir unseren Umzug und unser neues Geschäft im Osteingang vom Märkischen Zentrum. Nach über 30 Jahren im Märkischen Viertel eröffnen wir ein neues Kapitel in unserer Geschichte. Das neue Geschäft bietet mehr Platz und Sie werden sich sicher wohlfühlen. Bei unserer 9. Brillenmesse bieten wir Ihnen wieder die kompletten Kollektionen namhafter...

  • Märkisches Viertel
  • 23.02.21
  • 354× gelesen
WirtschaftAnzeige
Parfümerie Gabriel Frau Lang (links) und Frau Gutenmorgen begrüßen Sie ab sofort gern in der Parfümerie Gabriel in Frohnau.
2 Bilder

Wir sind für Sie da
Parfümerie Gabriel: Ab sofort auch in Frohnau!

Ab sofort finden Sie uns in neuem Glanze auch am Zeltinger Platz 1 + 3 in Berlin-Frohnau. Ob Düfte, Pflegeprodukte, Make-up oder besondere Accessoires – bei unseren Beautyexperten finden Sie bestimmt das Richtige für sich oder Ihre Liebsten. Oder verschenken Sie doch einen unserer liebevoll verpackten Geschenkgutscheine. Da ist garantiert für jeden die passende Oster-Überraschung dabei. Verwöhn-Momente in der Beauty Lounge Demnächst laden wir Sie auch gerne zu unvergesslichen Verwöhn-Momenten...

  • Frohnau
  • 24.02.21
  • 386× gelesen
WirtschaftAnzeige
Lars Sommer, Julius Voigt, Christian Schröder und Daniel Eggert (von links) sorgen gern für Ihr Catering.
5 Bilder

Airstream Catering
Mit dem Foodtruck bei Ihnen vor Ort

Der Airstream-Wohnwagen aus den USA ist das Highlight der Catering-Szene in Berlin und Brandenburg. Seit 2013 touren der 38-jährige Daniel Eggert und der 41-jährige Lars Sommer mit ihrer „rollenden Küche“, wie sie den umgebauten Wohnwagen nennen, durch Berlin und Brandenburg. Die aus der internationalen Spitzengastronomie entstammenden Gründer Daniel Eggert und Lars Sommer bieten professionell und emotional ihre Food-Innovationen einer internationalen Kundschaft an. Die Inhaber setzen vor allem...

  • Bezirk Pankow
  • 11.02.21
  • 1.040× gelesen
WirtschaftAnzeige
"Wir halten Sie mobil!", sagt Marlies Wegener, Geschäftsführerin vom Autohaus Wegener. Auch wenn der Präsenzverkauf derzeit leider nicht möglich ist: Das Autohaus Wegener ist für Sie erreichbar. Und natürlich bleibt der Werkstattbereich weiterhin geöffnet.

"Wir halten Sie mobil!"
Autohaus Wegener ist auch während der Pandemie für Sie da

Auch wenn der Präsenzverkauf derzeit leider geschlossen bleiben muss: Die Mitarbeiter vom Autohaus Wegener sind für Sie da! Unter dem Motto "Wir halten Sie mobil!" erreichen Sie das kompetente Team telefonisch unter der Rufnummer 0800/906 72 58 oder per E-Mail info@autohaus-wegener.de. Montags bis freitags von 7 bis 18.30 Uhr sowie sonnabends von 9 bis 13 Uhr stehen Ihnen die Mitarbeiter zur Verfügung. Ob Neu- oder Gebrauchtwagen, Kauf, Leasing oder Werkstattservice: Trotz der coronabedingten...

  • Charlottenburg
  • 18.01.21
  • 409× gelesen
WirtschaftAnzeige
Niederlassungsleiter Klemens Möhne und seine Mitarbeiterinnen Tanja Alber und Katrin Dröse vor der runderneuerten Fielmann-Filiale in der Frankfurter Allee.

Nach 25 Jahren im neuen Glanz
Fielmann eröffnet umgebaute Niederlassung in der Frankfurter Allee

Seit 1995 verkauft Fielmann seine Brillen in Friedrichshain. In diesem Vierteljahrhundert wurden hier mehr als 250.000 Brillen verkauft. Das wären umgerechnet zwei für jeden Einwohner des Stadtteils. Passend dazu hat Deutschlands erfolgreichster Optiker nun seine komplett umgestaltete Niederlassung wiedereröffnet. Trotz der herrschenden Maskenpflicht ist auf ersten Blick zu erkennen, dass Fielmann-Niederlassungsleiter Klemens Möhne über beide Ohren strahlt. Und das aus gutem Grund: In den...

  • Friedrichshain
  • 05.02.21
  • 407× gelesen
SozialesAnzeige

Online den richtigen Partner finden: Herzklopfen-berlin.de
Die Liebe hält keinen Winterschlaf – mit richtigem Dating den Traumpartner finden

Im Winter verlagert sich das Leben nach drinnen. Das gilt in diesem Jahr besonders. Wenn es draußen kalt und dunkel wird, freut man sich umso mehr auf ein warmes Zuhause. Mit einem Glas Wein oder einem heißen Kakao, einem guten Buch in der Hand oder einem schönen Film im Fernsehen – während vor den Fenstern die Lichter der Hauptstadt leuchten oder sogar ein paar Schneeflocken vorbeiwirbeln. Was es gäbe es da schöneres, als das Glück eines entspannten Winterabends auf dem Sofa oder im Bett mit...

  • Schöneberg
  • 21.12.20
  • 1.415× gelesen
KulturAnzeige
Jami-ul-Alfar
Video 2 Bilder

Der Traum vom Reisen in der Zeit von Corona
Sri Lanka: eine kleine, wunderschöne Insel

In dieser Zeit, in der die Welt vom Coronavirus geplagt wird, träumt jeder davon, wieder neue Länder und Kulturen zu entdecken und zu erleben. Davon können wir im Moment nur träumen. In Südasien gibt es eine wunderschöne Insel, klein, aber mit vieles zu entdecken und zu erleben, wenn das Reisen wieder möglich ist: Sri Lanka. Abwechslungsreiche LandschaftenSri Lanka befindet sich im Indischen Ozean. Die Insel ist größtenteils flach, aber im südlich-zentralen Teil der Insel gibt es auch Berge,...

  • Schöneberg
  • 15.02.21
  • 524× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen