Ansprechpartnerin für alle Naturfragen
Rangerprojekt in Neukölln angelaufen

Meike Borchert am Roetepfuhl. Zu erkennen ist sie an ihrer braunen Kluft und dem grünen Aufnäher, der sie als Rangerin ausweist.
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  • Meike Borchert am Roetepfuhl. Zu erkennen ist sie an ihrer braunen Kluft und dem grünen Aufnäher, der sie als Rangerin ausweist.
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Corona- Unternehmens-Ticker

Zu erkennen sind sie an den braunen Hosen und Jacken: In Britz sind seit kurzem zwei Stadtnatur-Rangerinnen unterwegs. Sie arbeiten in einem bundesweit einmaligen Modellprojekt der Senatsumweltverwaltung und der Stiftung Naturschutz. Eines der großen Ziele ist es, den Kiezbewohnern die Flora und Fauna vor ihrer Haustür näherzubringen.

Momentan sind in sechs Bezirken Ranger-Duos eingesetzt: in Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Steglitz-Zehlendorf, Lichtenberg und Neukölln. Bald sollen die restlichen Stadtteile folgen. Es sei gar nicht so einfach gewesen, geeignetes Personal zu finden, sagt Heidrun Grüttner von der Stiftung Naturschutz. „Wir haben Biologen, Geologen, Landschaftsplaner, Geografen, manche mit umweltpädagogischer Zusatzausbildung – alle mit Hochschulabschluss.“

Ihre Aufgaben sind vielfältig. Die Experten machen Bestandsaufnahmen in ihren Gebieten, kartografieren, bauen Netzwerke zu Initiativen, Schulen, der Polizei und anderen Akteuren auf, konzipieren erste Projekte, entwickeln Ideen zur Aufwertung, sind Ansprechpartner für Anwohner und arbeiten dabei eng mit dem Bezirksamt zusammen. Mit konkreten Angeboten zur Umweltbildung soll es dann nach der Corona-Krise losgehen.

Schutzbedürftige Grünflächen

Der Senat finanziert das Modellprojekt bis Ende 2021 mit jährlich zwei Millionen Euro. Wissenschaftlich begleitet wird es von einem unabhängigen Büro. Nach Ablauf der Förderzeit folgt eine Auswertung. Danach entscheidet die Politik, ob und wie es weitergeht.

Die Stadtnatur-Ranger sind nicht nur in Schutzgebieten unterwegs, sondern auch auf Friedhöfen, Brachflächen oder in Kleingartenanlagen. In Neukölln dreht sich alles um sechs Teiche und ihre Umgebung. Meike Borchert und Tjorven Tenambergen legen nämlich ihr Augenmerk auf die Britzer Pfuhlrinne, die sich bis Tempelhof erstreckt – deshalb gibt es auch engen Kontakt mit den dortigen Kollegen. Es geht um folgende Gewässer: den Roetepfuhl am Massiner Weg, den Britzer Kirchteich, den Fennpfuhl an der Onkel-Bräsig-Straße, den Hufeisenteich und den Krugpfuhl links und rechts der Fritz-Reuter-Allee sowie den Teich Britz, der früher Rungiusteich hieß, unweit der Buschkrugbrücke.

Rangerin ist Meike Borchert schon seit Jahren , sie hat im Biosphärenreservat Schaalsee gearbeitet, dort wo Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein aneinander grenzen. Neu für sie ist, ihren Job in der Großstadt auszuüben – auch wenn es in Britz Ecken gibt, die die in Berlin übliche Hektik vergessen lassen.

Eisvogel und Nachtigall

„Schauen Sie mal, ein Eisvogel“, ruft sie leise und tatsächlich: Etwas Blaugefiedertes saust über die Wasserfläche. Gleich darauf ist ein Schnattern aus dem Schilf zu hören. Das klingt nach mehreren Tieren. „Nein, das ist nur eins. Ein Teichrohrsänger kann mehrstimmig singen“, korrigiert die Biologin. Die Nachtigall, deren Stimme Borchert ebenfalls sofort identifiziert, kann sie nicht von den Socken hauen. „In Berlin gibt es recht viele.“

Wir stehen am Rande des Roetepfuhls, einer grünen Oase zwischen der viel befahrenen Mohriner Allee und dem Massiner Weg. Das kleine Gewässer gehört zur Britzer Pfuhlrinne. Entstanden sind die Teiche vor langer Zeit aus „Toteisblöcken“. Die blieben am Ende der Eiszeit nach dem Zurückweichen des Gletschers liegen und wurden von Steinen umlagert. Tauten die Brocken schließlich, war eine Senke entstanden, das Wasser konnte nicht mehr abfließen.

Gefährliche Fressfeinde

Meike Borchert und ihre Kollegin interessieren sich für alle Pflanzen und Tiere im Gebiet. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch den Amphibien – wie der Erdkröte, dem Teichfrosch, dem Teich- und dem Kammmolch. „In diesem Jahr geht es vor allem um die Fragen: Was befindet sich überhaupt wo? Und welche invasiven Arten gibt es?“, erklärt Borchert. Invasive Arten, damit sind Tiere gemeint, die aus anderen Teilen der Welt stammen und die hiesige Fauna ins Ungleichgewicht bringen können.

Wie der amerikanische Sumpfkrebs, der gerne Amphibien-Larven frisst. Oder der Waschbär, der sich nachts an Frösche heranpirscht, die unter der Wasseroberfläche schlafen und wegen der Kälte wenig bewegungsfähig sind. Hat das pelzige Raubtier einen Frosch erbeutet, häutet es ihn vor dem Verspeisen. In Britz scheine der Waschbär aber kein Problem zu sein, Richtung Rudow könne das schon anders aussehen, sagt die Biologin.

Manchmal setzen Menschen auch Tiere aus. Meike Borchert hat schon Goldfische gesichtet. Oder Karpfen im Hufeisenteich. Oder Schmuckschildkröten, die zu groß fürs heimische Aquarium geworden sind und sich nun auf Baumstämmen im Britzer Kirchteich sonnen. Die gefräßigen Tiere machen sich mit Vorliebe über die Laichstränge her, die Amphibien an Wasserpflanzen binden. „Ein gedeckter Tisch“, so Borchert.

Wie entwickelt sich der Bestand?

Sie sammelt nun Daten darüber, wie sich der Bestand der Amphibien entwickelt, keschert Kaulquappen, legt Reusen für Molche aus, schaut nach dem Fischbestand. Denn auch wenn die Pfuhle keinen Zufluss haben, sondern sich meist aus Regenwasser speisen – Fische gibt es in aller Regel trotzdem, besonders die kleinen, silbrigen Moderlieschen tummeln sich. Die Eier finden häufig über Vogelgefieder ihren Weg.

Weil auch Fische sich am Amphibienlaich laben, ist es aus Sicht von Kröte & Co. günstig, wenn der Teich ab und zu austrocknet, wie es zurzeit beim Krugpfuhl der Fall ist. Dabei komme es aber auf den richtigen Zeitpunkt an, optimal ist das Ende des Sommers. „Im August oder September sind aus den Kaulquappen Landtiere geworden und sie können dann beispielsweise im Unterholz überwintern“, erklärt die Biologin.

Ihr Forschungsziel sei es, Ende des Jahres einen Überblick über die Tier- und Pflanzenwelt rund um die Pfuhle zu haben. „Dann können wir uns mit der unteren Naturschutzbehörde zusammensetzen und überlegen: Wo sollte man was machen?“, so Borchert.

Manches könne ganz simpel sein. Beispiel: Wissen die Mitarbeiter des Grünflächenamts, wo seltene Pflanzen stehen oder an welche Stengel Insekten bevorzugt ihre Eier pappen, können sie eine Mahd auslassen, sie verschieben oder bestimmte Stellen aussparen. „Aber diese Informationen müssen wir erst einmal haben.“

Tipps auch zum Balkongrün

Derzeit ist sie mit ihrer Kollegin mindestens einmal in der Woche rund um die Britzer Pfuhle unterwegs. Und die beiden Frauen dürfen jederzeit angesprochen werden. Dabei kann es um alle möglichen Naturfragen gehen. „Ich gebe auch Tipps fürs Bepflanzen von Balkon oder Garten“, sagt Meike Borchert.

Oder sie erklärt, warum Enten nicht gefüttert werden sollten. Einige der Gründe: Brot ist wenig nahrhaft, lockt Artgenossen und damit Konkurrenten an und sorgt für Stress bei den Tieren. Oder die Sache mit den „Ästlingen“, das sind junge Vögel, die in Bäumen sitzen, aber noch nicht genug Kraft und Federn haben, um zu fliegen. „Sie brauchen keine Hilfe. Die Eltern füttern sie, bis sie so weit sind.“ Als eine Art Kontrolleurin oder Bio-Polizistin versteht sie sich Meike Borchert aber keinesfalls. Es gehe darum, den Menschen die Natur nahezubringen, Interesse zu wecken, zu beraten, Fragen zu beantworten.

Wer mehr wissen möchte: Infos gibt es unter www.stadtnaturranger.de. Die Stiftung Naturschutz Berlin, Trägerin des Projekts, ist zu erreichen unter 26 39 40 und per E-Mail an mail@stiftung-naturschutz.de.

Meike Borchert am Roetepfuhl. Zu erkennen ist sie an ihrer braunen Kluft und dem grünen Aufnäher, der sie als Rangerin ausweist.
Mitlglieder des Rangerteams. Meike Borchert ist ganze links in der Mitte zu sehen.
Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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