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Weichen stehen auf Westkreuzpark: Bezirk erteilt Wohnungsbau eine Absage

Schon jetzt ein Biotop: Wo Kleingärtner Blumen züchten, soll ein Freizeitareal im Stile des Parks am Gleisdreieck entstehen – der Westkreuzpark.
Schon jetzt ein Biotop: Wo Kleingärtner Blumen züchten, soll ein Freizeitareal im Stile des Parks am Gleisdreieck entstehen – der Westkreuzpark. (Foto: Thomas Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Vergessen, verwunschen, aufgeladen mit Visionen: Das brachliegende Bahngrundstück östlich des Westkreuzes gehört zu den letzten Verwirklichungsorten für große Pläne. Neuer Park oder Immobilienprojekt? Im Bezirksparlament fiel jetzt die Vorentscheidung.

Um zu erfahren, worum es im Streitfall Westkreuz geht, muss man nur aufmerksam aus den S-Bahnfenstern blicken: Dickicht, Gartenlauben, ungeformter Stadtraum en masse. In der landschaftlichen Linse nördlich und südlich der Stadtbahntrasse rechts des Bahnhofs erblickt jeder das, was er sich für die Entwicklung Charlottenburg-Wilmersdorfs wünscht. Raum für bis zu 900 Wohnungen, wie sie der Immobilienentwickler Christian Gérôme arrangieren möchte – oder Platz für ein Gegenstück zum Schöneberger Park am Gleisdreieck. In der Bezirksverordnetenversammlung prallten nun erneut alle Argumente für beide Visionen aufeinander. Aber am Ende standen die Zeichen auf Park.

Grün als Ausgleich

Als leidenschaftlichste Fürsprecher einer solchen Freizeitnutzung dieses „verwunschenen Winkels“ erwiesen sich erneut die Grünen. In den Nachbarkiezen am Lietzensee und in Halensee seien derzeit überall Bauprojekte im Gange. „Hier ist dringend ein Ausgleich nötig“, schlussfolgerte Sprecherin Jenny Wieland – und konnte auf Verbündete vertrauen. „Es geht darum, eine Kaltluftschneise zu erhalten“, pflichtete Wolfgang Tillinger im Namen der SPD bei.

Dem gemeinsamen Antrag der rot-grünen Zählgemeinschaft für ein Bebauungsplanverfahren zugunsten des Parks schlossen sich dann nicht nur die Linken an, sondern auch die CDU. Deren Sprecher Christoph Brzezinski äußerte zuvor allerdings Kritik am bisherigen Verfahren zur Ausweisung der neuen Grünfläche. So seien weder die im Brachbereich ansässigen Kleingärtner beteiligt worden noch habe es eine ausführliche Debatte der beiden Optionen im Stadtentwicklungsausschuss gegeben. „Bei einem Projekt von dieser Dimension ist das ungewöhnlich“, ärgerte sich Brzezinski. „Wir hätten uns ein weniger ideologisches Vorgehen gewünscht.“ Dennoch konnte sich die CDU nicht dazu durchringen, gemeinsam mit der FDP auf eine Wohnnutzung zu pochen.

Gutachten im März

In deren Lager gilt der Standpunkt, dass es unangemessen wäre, im „verwunschenen Winkel“ den Status quo zu wahren, während die wachsende Stadt nach neuen Quartieren ruft. Diese Widerrede ändert nichts daran, dass der Bezirk im März Gutachten für eine Parknutzung präsentieren wird. Und kurz darauf sieht die Öffentlichkeit erste Entwürfe, die veranschaulichen, wie am Westkreuz S-Bahntrassen und Naherholung zusammengehen sollen. tsc

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