"Starker Tobak"
Auf dem Reemtsma-Gelände tobt sich die Graffiti-Szene aus

Die geriffelten Hallenwände sind nicht optimal für Graffiti-Kunst geeignet, deshalb schraubte die "Miese Bande" Sperrholzplatten davor.
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  • Die geriffelten Hallenwände sind nicht optimal für Graffiti-Kunst geeignet, deshalb schraubte die "Miese Bande" Sperrholzplatten davor.
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Graffiti so weit das Auge reicht, teilweise scharf wie Fotos, alle bunt wie Konfetti, eines so groß wie ein Fußballfeld. „Starker Tobak“ schießt es dem Street-Art Fan durch den Kopf. Und so heißt das Projekt auch, das noch bis Ende September auf dem alten Reemtsma-Areal läuft.

„Sizetwo“ hat sich die Menschen angeschaut: Wie sie ein Graffito anvisieren, darauf zu steuern und es dann mehr oder weniger im Vorbeigehen mit ihrem Smartphone ablichten. Dass sie sich nicht wirklich mit dem Werk auseinandersetzen, würde der Grazer Sprayer ihnen nie verbal vorwerfen. Er hält ihnen lieber einen Spiegel vor. So ließ er einen befreundeten Künstler in ihrer Pose Model stehen, fotografierte ihn und übertrug das Bild in Überlebensgröße auf eine Wand. Gestochen scharf und perspektivisch so, dass die Proportionen nur zu stimmen scheinen, wenn man das Werk aus einem bestimmten Winkel betrachtet. Und jetzt sehen die Streetart-Touristen ihr Ebenbild, wenn sie durch den Sucher ihrer Kamera blicken. In der Halle der alten Tabakfabrik konnte „Sizetwo“ ungehindert sprühen, nur knapp zwei Tage brauchte er – absolut faszinierend.

"Die Flächen sind ein Glücksfall"

„Sizetwo“, das ist Benjamin Höfler. Er ist mit „Die Dixons“ verbandelt, die 2017 für die Mutter aller temporären Streetart-Spektakel in Berlin verantwortlich zeichneten: „The Haus“. Kaum einer konnte sich damals der vergänglichen Kunst in einer dem Abriss geweihten Immobilie in der Nürnberger Straße entziehen, auch Stephan Allner nicht. Der Chef der Wohnkompanie, die das Reemtsma-Areal in ein topmodernes Kreativquartier umwandeln wird, war begeistert und stellte deshalb dem Verein Berlin Art Bang Berlin, auch bekannt als „Die Dixons“, einen Teil seiner alten Tabakfabrik zum Austoben zur Verfügung. Benjamin Höfler erhielt als Oberhaupt der „Miesen Bande“ den Zuschlag ließ mit seiner Crew und den Mitgliedern des „Kultur Kartells“ in den vergangenen Wochen und Monaten unter dem Arbeitstitel „Starker Tobak“ den nüchternen Industrie-Charme des Geländes zusehends dem bunt-peppigen Flair von Straßenkunst weichen. Höfler freut sich noch immer diebisch über die Gelegenheit für Graffiti- und andere Streetart-Künstler, sich hier übergangsweise zu verwirklichen. „Das ist einfach großartig. Wir bekommen auch bei den Events sehr viel Unterstützung von der Wohnkompanie. Für uns war das nicht nur wegen der vielen Flächen ein Glücksfall, sondern auch hinsichtlich der eigenverantwortlichen Organisation von Veranstaltungen sehr wichtig. Wir haben viel gelernt.“

Entstanden ist jedenfalls eine einzigartige Open Air Galerie, die zu Pfingsten bereits die imposante Kulisse für das Abschluss-Event des ersten Berlin Mural Fests war. Später folgten ein „Graffiti-Jam“ und erst am 15. November ein Kunstmarkt. Einige Künstler haben sich ihre Ateliers eingerichtet. So wie „Sizetwo“ und „Icke“, der ebenfalls einige eindrucksvolle Graffiti an die Außenwände zauberte, gerne auch Skateboards mit begabter Hand in Unikate verwandelt oder auch eine Gruppe von Teilnehmern des Facebook-Gewinnspiels der „Miesen Bande“ über das Gelände führt. Mit solchen exklusiven Führungen, Workshops und Events wird noch bis Ende September das kreative Schaffen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei können die Besucher an der Seite der namhaften Streetart-Künstler nicht nur die Kunstwerke entdecken, sondern auch selbst Hand anlegen und einmal – ganz legal – die Wände der alten Tabakfabrik mit Graffiti besprühen.

Künstler aus Berlin, Los Angeles und Istanbul stellen aus

Zum Ende des Urban Art-Sommers in der alten Tabakfabrik findet vom 28. bis 30. September eine Gruppenausstellung unter dem poetischen Titel „Passengers of a Kaleidoscopic Journey“ statt. In Kooperation mit der international tätigen Fotografin und Kuratorin Semra Sevin werden Streetart, Malerei, Fotografie, Skulpturen, Videoprojektionen und Installationen von Künstlern aus Berlin, Los Angeles und Istanbul gezeigt. Die Öffnung der Ausstellung in der 40. Kalenderwoche ist auf Anfrage ebenfalls möglich. Anfang Oktober gastiert zudem der italienische Kunstverein „Peninsula“ mit ihrer Ausstellung „Dotland II“ auf dem Areal.

Informationen und Kontakt zu "Starker Tobak" gibt es unter www.facebook.com/hartertobakberlin.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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