Virtual Reality zwischen Büchern: zwei neue Gaming-Zonen in den Bibliotheken

Per Brille in eine neue Welt: Stefanie Klug übt ihre Fertigkeiten im virtuellen Raum, Andres Imhof gibt den Copiloten.
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Charlottenburg-Wilmersdorf. Büchereien im Sog der Digitalisierung: An den Standorten Rathaus Charlottenburg und Brandenburgische Straße können Besucher nun Computerspiele in schallschluckenden Kabinen testen – mit Spezialbrillen für virtuelle Realität. Ein Selbstversuch.

„Vorsicht! Sie werden gleich zerstört!“ Bibliothekarin Stefanie Klug sieht das Unheil auf dem Kontrollbildschirm kommen, versucht mich noch zu warnen. Aber es hilft nichts: Mein Raumschiff kollidiert mit einem feindseligen Partikel, bricht sofort in Stücke. Game over. Es war ein kurzes, spannendes Spiel – mein erstes Mal in der virtuellen Realität. Ich zerre die Brille, welche vor meinen Augen eine bunt blinkende Kunstwelt in 3D erschuf, wieder vom Gesicht, werde vom Raumschiffpiloten auf Joypad-Odyssee wieder zum Journalisten mit Stift und Papier.

Abenteuer mit Spezialbrillen

Dieses Spielabenteuer namens „Eve Valkyrie“ also ist hier derzeit das beliebteste Spiel. Dass die Heinrich-Schulz-Bibliothek und die Wilmersdorfer Filiale in der Brandenburgischen Straße zum Ausleben solcher Abenteuer über Gaming-Zonen mit Spezialbrillen verfügen, zeigt an, was Sache ist: Digitalisierung macht vor Büchereien nicht halt. Und das ist auch gut so, meint Fachbereichsleiter Andres Imhof. „Mit unseren Virtual Reality-Brillen sind wir in den Berliner Bezirken Vorreiter. Und wir freuen uns, Entwicklungen diesmal nicht zu verschlafen.“ Wer sinkende Ausleihzahlen auffangen will, muss moderne Alternativen bieten zum Buch. Ohne es zu ersetzen.

Grün sind die Polster der Spielekabine in Charlottenburg, rote Wände umgeben die Zocker in Wilmersdorf. Passgenaue Anfertigungen, die Geräusche schlucken, so dass sich Freunde der Papiermedien jenseits der Gaming-Zone nicht gestört fühlen.

FIFA 17, Race the Sun oder Beach Buggy Racing – solche Spieletitel kennen die meisten Knirpse aus ihrem Kinderzimmer. Geschicklichkeitsspiele, Adventures, Sportsimulationen sind für die Jugend schon lange Standard.

Berlinweit einzigartig

Und so war die Neubeschaffung von Playstationkonsolen für die Büchereien nur konsequent. Das Spezielle ist ihr Standort in schallschluckenden Kabinen mitten in den Kinderabteilungen. Und eben das berlinweit bisher einmalige Angebot zum Eintauchen in die virtuelle Realität. Jeweils Mittwochnachmittag ab 14.30 Uhr geben die Mitarbeiter kostenlos die VR-Brillen aus und lassen Besucher unter Anleitung eintauchen in künstliche Welten. Anders als beim gewöhnlichen Zocken ohne Brille gilt ein Mindestalter: zwölf Jahre.

Dabei muss es keineswegs ein verrücktes Raumschiff-Abenteuer sein. Es gibt auch einen Jobsimulator, der spielerisch auf den Ernst des Lebens vorbereitet. Man muss nicht unbedingt im Kindesalter stecken, um an solchen Neuerungen Gefallen zu finden. Andres Imhof animiert ausdrücklich auch Erwachsene dazu, mit digitalen Neuerungen Bekanntschaft zu schließen. Denn dies ist die Zukunft. „Hier lassen sich einfach und kostenlos virtuelle Welten erfahren“, hofft der Fachbereichsleiter auf breite Akzeptanz. „Wir laden die Bürger ein, ihre Scheu zu verlieren.“ Man muss sich ja nicht gleich entmutigen lassen, wenn dabei ein Raumschiff zerbricht. tsc

Die Gaming-Zonen in der Heinrich-Schulz-Bibliothek, Otto-Suhr-Allee 96, und in der Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek, Brandenburgische Straße 2, sind Montag bis Freitag ab 13.30 bis 19.30 Uhr sowie samstags und während der Ferienzeiten von 11 bis 14 Uhr kostenlos geöffnet.
Autor:

Thomas Schubert aus Charlottenburg

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