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Wie die krebskranke Beatrix Kornak zur Autorin wurde

Beatrix Kornak beschreibt sich als "Hauruck-Typ" und denkt nicht im Traum daran, sich ihrer Krebserkrankung zu beugen.
Beatrix Kornak beschreibt sich als "Hauruck-Typ" und denkt nicht im Traum daran, sich ihrer Krebserkrankung zu beugen. (Foto: Beatrix Kornak)

Bald steht das dritte Buch von Beatrix Kornak in den Verkaufsregalen. Für eine 61-jährige gelernte Zahnarzthelferin ist das schon mal nicht übel. Aus Respekt wird schnell Hochachtung, wenn die Umstände in die Waagschale geworfen werden, unter denen sie diese Leistung vollbrachte: Die Wilmersdorferin kämpft seit 25 Jahren gegen ihre Krebserkrankung.

Zusammen mit ihrem Mann Bernd ist sie in eines ihrer Stammlokale, das Café Engelchen am Prager Platz, gekommen. Das ist nicht ungewöhnlich, die beiden haben sich in ihrer niedersächsischen Heimat in der Nähe von Goslar gesucht und gefunden und schon vor der niederschmetternden Diagnose im Frühjahr 1993 alles gemeinsam gemacht. Wenn man Beatrix Kornak sieht, käme man im Leben nicht darauf, dass sie ein halbes Dutzend Chemotherapien hinter sich hat, zuletzt vor einem halben Jahr, als ihr die zweite Brust amputiert werden musste. Sie sieht blendend aus und strahlt vor Lebenslust. "Zweimal stand es wirklich auf der Kippe", beschreibt sie ihr Ringen ums Überleben. Ansonsten ist nichts von Trübsal, geschweige denn von Selbstmitleid zu merken. "Das bringt doch nichts", sagt sie pragmatisch. Ihr Charakter spielt wohl die größte Rolle im Umgang mit ihrem Schicksal. Sie ist einfach eine Frohnatur, ein aktiver Mensch, ein echtes Stehauffrauchen.

"Schreib das doch einfach mal auf"

Lange arbeitete sie mit ihrer Krankheit noch in der Zahnarztpraxis ihrer Schwiegereltern. Zwischenmenschlich hatte es geknirscht und ihrem Ärger hat sie dann Zuhause Luft gemacht. "Bis mein Mann gesagt hat, schreib das doch einfach mal auf." Das hat Beatrix Kornak gemacht und herausgekommen ist ihr Erstlingswerk "Und manchmal zogen Wolken auf". Darin verarbeitet sie ihr Leben zwischen Krankenhausaufenthalten, Therapien, Familien- und Berufsleben. "Ich beschreibe die schwerste und die schönste Zeit meines Lebens", sagt sie. Ganz von ungefähr kommt es nicht, dass es das Buch in den Handel geschafft hat. Schon in der Schule schrieb sie gerne und gut. "Nach meinem Abschluss hat mein Deutschlehrer mich gebeten, noch einen Aufsatz zu schreiben, weil er die so gerne gelesen hat." Auf den 85 Seiten überwiegt das Positive, das war wegen Kornaks Natur nicht anders zu erwarten. "Und wer will denn nur von den Schattenseiten lesen?", fragt sie achselzuckend. Hinfallen darf man, aber es ist wichtig, wieder aufzustehen. Das wollte sie vermitteln. Aber sie weiß, dass das alleine kein Allheilmittel ist. In der Charité gilt sie als kleines medizinisches Wunder, weil sie den Krebs immer wieder besiegt. Als "Langzeitüberlebende" werden dort gerade ihr Körper und ihr Geist erforscht. Nur zu gerne wüssten die Ärzte, was genau für ihre Widerstandskraft ursächlich ist. Aus ihrer Sicht, so sagt sie, gehöre neben der guten ärztlichen Betreuung vor allem eine ganze Menge Glück dazu, so lange gegen diesen Gegner im Ring zu stehen.

"Wir leben jetzt bewusster"

Seit 35 Jahren leben die Kornaks nun bereits in ihrer Lieblingsstadt Berlin. Vor vier Jahren sind sie von Tempelhof nach Wilmersdorf in den Güntzelkiez gezogen, weil es dort am schönsten ist, wie sie finden. Rund um den Prager Platz tobt das Leben, das ist genau nach dem Geschmack der dreifachen Mutter, die früher Karate bis zum braunen Gurt betrieb, Badminton und Sqash spielte und sich im Bowling versuchte – im Kielwasser des früheren Bundesliga-Spielers Bernd Kornak, ihres Mannes. Das alles macht sie heute nicht mehr. Dafür gehen die beiden in ihrem Viertel gerne essen und reisen durch die Welt. Nur noch ganz wenige Orte fehlen ihnen, dann waren sie im Wesentlichen überall. Dieses Hobby haben die beiden mit Beginn der Rente noch forciert. "Und wir leben und reisen angesichts der Krankheit jetzt bewusster", sagt Bernd.

Am Bücherschreiben hat Beatrix Kornak Gefallen gefunden. Deshalb hat sie auch ein Kinderbuch mit dem Titel "Erlebnisse mit Mosella Knusperkeks" geschrieben, eine kleine Hommage an die Zeit mit ihrer Enkeltochter. "90 Prozent sind biografisch, der Rest entsprang meiner Fantasie", charakterisiert sie das Buch, für dessen Vertrieb sie einen Vertrag mit Kindle hat. "Die haben es als pädagogisch wertvoll erachtet", sagt sie. Auch von "höchster Stelle" gab es Lob für das lustige und lehrreiche Buch: Ein Kindergarten hat es auf Herz und Nieren getestet und für toll befunden.

"Ohne meinen Mann hätte ich das alles nicht geschafft"

Auf Drängen von Professor Jahid Sehouli, Leiter der Frauenklinik an der Charité, stehen wohl bald die nächsten Erlebnisse von Fräulein Knusperkeks zum Verkauf. Das Manuskript ist fertig, kindgerecht bereitet Kornak unter dem Titel "Alle helfen meiner Mama" auf, was es bedeutet, wenn die Mutter an Eierstockkrebs erkrankt. Von der Vorsorge über die Eindämmung bis hin zur Nachsorge wird alles beleuchtet. "Ohne meinen Mann hätte ich das übrigens alles nicht geschafft, weil ich nicht mit Computern umgehen kann", sagt sie. Das Manuskript haben die beiden bei der Jury eines Literaturwettbewerbs eingereicht. "Ich würde mich freuen, wenn es gewinnt." Ein bisschen muss sich Beatrix Kornak noch gedulden – nicht gerade ihre Stärke – , denn das Ergebnis wird am 13. Mai, am Tag des Eierstockkrebses, bekanntgegeben. Bis dahin freut sich Beatrix Kornak einfach des Lebens und plant mit Bernd die nächsten Reisen: "Japan, Korea, Hawaii und Alaska sind beispielsweise noch offen."

Die Bücher "Und manchmal zogen Wolken auf" und "Erlebnisse mit Mosella Knusperkeks" können unter den ISBN-Nummern 978-3-8448-9283-3 beziehungsweise 978-3-7357-3502-7 im Handel bestellt werden.

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