Fotos hängen jetzt im „Wilma“
Obdachlose zeigen ihren Blick(winkel) auf Berlin

Sophia Vecchini hat Obdachlosen Einweg-Kameras in die Hand gedrückt, damit sie ihre Sicht auf Berlin fotografieren.
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  • Sophia Vecchini hat Obdachlosen Einweg-Kameras in die Hand gedrückt, damit sie ihre Sicht auf Berlin fotografieren.
  • Foto: Ulrike Kiefert
  • hochgeladen von Ulrike Kiefert

Obdachlose erzählen in Bildern von ihrem Berlin. „Blickwinkel“ heißt die Fotoausstellung. Eine junge Studentin hat sie angestoßen. Zu sehen sind die Fotos noch bis Ende April im Shoppingcenter „Wilma“.

Sie leben mitten in der Gesellschaft und sind doch für die meisten unsichtbar. Menschen ohne Obdach werden oft marginalisiert. Dabei haben sie viel zu erzählen. Sophia Vecchini hat Obdachlosen darum Einweg-Kameras in die Hand gedrückt, damit sie ihre persönliche Sicht auf die Stadt einfangen. „Man braucht kein Dach über dem Kopf, um ein Künstler zu sein“, sagt Sophia Vecchini, die Medienmanagement an der privaten Berliner SRH-Hochschule der Populären Künste studiert.

Müll, Zelte, Bahnhöfe

Zehn Kameras hat die Studentin insgesamt verteilt. In der Bahnhofsmission am Zoo und in Notübernachtungen. Sechs kamen zurück, aber nur auf vier waren brauchbare Fotos von obdachlosen Männern. Ihre besten Fotos hängen jetzt unter dem Titel „Blickwinkel“ im Einkaufszentrums „Wilma“ an der Wilmersdorfer Straße. Sie zeigen den eigenen Schlafplatz, Müllplätze, den Alexanderplatz, bunte Graffitiwände oder einfach nur einen U-Bahneingang. Vorgegeben hat Sophia Vecchini den Obdachlosen nichts. „Sie sollten einfach nur kreativ sein. Ihre Sicht auf die Dinge zeigen und den Künstler in sich entdecken“, sagt die 24-Jährige. Beeindruckt war sie selbst von mehreren Bildern. Von Uwe Neukamms „Winterwunderland“ zum Beispiel. Auf seinem Foto fährt eine einsame Bahn durch das winterliche Berlin. Der 62-Jährige hat kurz vor Weihnachten nach einer Leistenoperation seine Wohnung und dann seinen Job verloren. Auf einem Foto von Curt Peters steht die Welt Kopf. Al Hesi hat einen „Blick über die eigene Schulter“ geworfen, und David Pereira Cordoso sein zerstörtes Zelt fotografiert. „Was zurückbleibt“ nennt er das Bild. Der 60-Jährige hatte seinen Schlafplatz wegen einer Corona-Erkrankung verlassen und eine Weile isoliert in einer Notübernachtung gewohnt. Als er zurückkehrte, war alles verwüstet.

Fotos werden auch verkauft

Für die Studentin ist die Ausstellung ihr Abschlussprojekt. Sophia Vecchini ist im letzten Semester. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Fotoprojekt entstand in einem Uni-Kurs. Kooperationspartner war das neue „Zentrum am Zoo“ (ZaZ) der Berliner Stadtmission. Dort sollten die Fotos ursprünglich gezeigt werden, doch wegen der Pandemie sind Besucher dort derzeit nicht erlaubt. Das „Wilma“ sprang ein. „Wir freuen uns ganz besonders über diese einzigartige Idee, Menschen ohne Obdach in unserer Stadt sichtbar zu machen“, sagt der neue Centermanager, Vladimir Tinchev. „Bei uns wird die Ausstellung von vielen Menschen gesehen. Wer weiß, vielleicht verkaufen sich die Bilder gut und hier entsteht eine ganz neue Art, bedürftige Menschen in der Stadt finanziell zu unterstützen.“ Erste Kaufanfragen für die Fotos hat Sophia Vecchini tatsächlich schon.

Infos und Shop finden sich hier: www.fc-steuer.de/de/soziales. Die Ausstellung kann noch bis Ende April im Erdgeschoss des „Wilma“ besichtigt werden.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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