Mehr Platz, Mehr Objekte, mehr Besucher
Direktor des Alliierten-Museums hält trotz Problemen am Umzug zum Flughafen Tempelhof fest

Im Hangar 7 des Flughafens Tempelhof gibt es mehr Platz für Großobjekte wie unter anderem den Hubschrauber "Huey" und das Wachhäuschen vom Checkpoint Charlie.
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  • Im Hangar 7 des Flughafens Tempelhof gibt es mehr Platz für Großobjekte wie unter anderem den Hubschrauber "Huey" und das Wachhäuschen vom Checkpoint Charlie.
  • Foto: Visualisierung: AlliiertenMuseum/ Pralle Sonne
  • hochgeladen von Ulrike Martin
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Wie geht es weiter mit dem Alliierten-Museum? Der geplante Umzug in den Hangar 7 des ehemaligen Flughafens Tempelhof verzögert sich voraussichtlich um mehrere Jahre.

Die Gründe für den Wegzug aus der Clayallee 135 sind vielfältig. Bisher gibt es rund 5000 Quadratmeter Platz für Ausstellungen, im Flugzeughangar wären es 2000 Quadratmeter mehr. Der Rosinenbomber, das Wachhäuschen vom Checkpoint Charlie, ein Stück der Berliner Mauer und ein Wagen eines französischen Militärzuges müssten nicht länger im Freien stehen.

„Wir könnten diese Großobjekte nicht nur vor dem Verfall retten, sondern auch weitere aufstellen“, erklärt Museumsdirektor Dr. Jürgen Lillteicher. Dazu gehörten der Hubschrauber „Huey“ – Freedom City – Sprit of Steinstücken“, der die Exklave Steinstücken bis zum Bau des Verbindungsweges 1972 anflog. Oder das Flugzeug Chipmunk T 10 WG466, das zu Kontroll- und Aufklärungsflügen über Ost-Berlin und Teilen der DDR im Einsatz war.

Das neue Museum soll zudem ein „offenes Museum“ sein, wie Lillteicher erläutert. „Dazu gehört ein Teil, der ausschließlich für Kinder konzipiert ist. Auch eine Besuchermediathek ist geplant.“ Nicht zuletzt könnten nach einer Analyse des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr statt der bisherigen rund 70.000 jährlich bis zu 360.000 Besucher erwartet werden.

Hangar war Notunterkunft

für geflüchtete Menschen

Der Wegzug wurde 2012 beschlossen und 2013 im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankert. Im November 2015 sagte der Haushaltsausschuss des Bundestags 27,1 Millionen Euro für den Umzug zu. Das Geld wurde im Bundeshaushalt 2016 eingestellt. Bis 2017 ruhten die Planungen allerdings, insbesondere aufgrund der zeitweisen Nutzung des Hangars als Notunterkunft für geflüchtete Menschen.

Während der bauvorbereitenden Untersuchungen stellte sich heraus, dass es bei den Gebäuden des Flughafens einen unerwartet hohen Sanierungsbedarf gibt. Der bis 2026 geplante Umzug scheint daher nicht realisierbar zu sein. Dies geht unter anderem aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von FDP-Abgeordneten im Kulturausschuss des Bundestags hervor.

Dort heißt es: „Aus der vertieften Prüfung des Standorts und des maroden baulichen Zustands der Bestandsimmobilie, insbesondere Hangar 7, haben sich zahlreiche ganz neue, auch kostenrelevante Fragen bezüglich der Einrichtung und des Betriebes eines Museums ergeben.“ Deshalb sei entschieden worden, die Untersuchung auch auf den Standort Clayallee auszudehnen. Je nach Ergebnis müsse entschieden werden, ob der Standort Tempelhof eventuell aufgegeben werden müsse. Voraussichtlich lägen die Kosten für den Umzug in den Hangar 7 deutlich über den bisher veranschlagten Mitteln.

Nicht umzuziehen ist für Lillteicher keine Option. „Der Verbleib am Standort, der immer ein Provisorium blieb, würde das Museum auf Dauer der Bedeutungslosigkeit preisgeben und wäre ein fatales Signal an die drei ehemaligen Westmächte.“ Tempelhof sei von Anfang an für das Museum vorgesehen gewesen und sollte jetzt auch bezogen werden. Lillteicher betont auch, Tempelhof sei der historische Ort in Berlin, der wie kein anderer für Freiheit und für die erfolgreiche internationale Kooperation in der Nachkriegszeit stehe. Genau dafür auch stehe das Alliierten-Museum: für die Kooperationen und Bündnissysteme, die für den Erhalt von Frieden, Freiheit und Demokratie eine enorme Bedeutung hätten.

Was die Finanzen betrifft, erklärt der Museumsdirektor: „Die Kosten für die Unterbringung unserer Bedarfe sind in der Clayallee annähernd genauso hoch wie sie in Tempelhof wären.“ In Dahlem müsse sogar mit Stückwerk gearbeitet werden, weil nicht alles unterzubringen sei. „Der Invest pro Besucher ist also um ein Vielfaches höher.“ Wenn von Verschwendung von Steuergeldern die Rede sei, dann wären dies Investitionen an einem Standort ohne Zukunft.

Autor:

Ulrike Martin aus Zehlendorf

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