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  • 28. Februar 2018, 14:19 Uhr
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Vom Hauptmann vorgeführt: Köpenicks berühmtester Bürgermeister

8. März 2018 um 09:30
Friedhof Köpenick, 12557, Berlin
Das gemeinsame Grab von Georg und Käthe Langerhans auf dem Friedhof an der Rudower Straße.
Das gemeinsame Grab von Georg und Käthe Langerhans auf dem Friedhof an der Rudower Straße. (Foto: Ralf Drescher)

Am 8. März 1918 starb Georg Langerhans, der Bürgermeister der damaligen selbstständigen Stadt Cöpenick (Originalschreibweise). Hundert Jahre später will der Bezirk Treptow-Köpenick an das Stadtoberhaupt erinnern. Denn Langerhans war ein Politiker, der 1906 im Rahmen der Köpenickiade weltbekannt bekannt wurde.

Zuerst lachten die Berliner über den promovierten Juristen, der sich von einem Zuchthäusler vorführen und sogar verhaften ließ. Langerhans, 1870 in Frankfurt/Oder geboren, kam 1902 nach Köpenick. Er hatte sich im Rahmen einer Ausschreibung beworben, und wurde von den Stadtverordneten für 12 Jahre als Stadtrat gewählt. Bereits wenige Monate später war Langerhans persönlicher Mitarbeiter des altgedienten Bürgermeisters Gustav Borgmann, der 1904 nach 33 Dienstjahren im alten Köpenicker Rathaus in den Ruhestand ging.

Langerhans wurde sein Nachfolger und zog in das bereits von seinem Vorgänger geplante heutige Rathaus ein. Hier bekam er am 16. Oktober 1906 dann den schicksalshaften Besuch von Wilhelm Voigt, der in einer Hauptmannuniform vom Potsdamer Trödler das Rathaus besetzte und die Kasse raubte.

Aus Scham und nach einem vernichtenden Presseecho trat Langerhans zwei Wochen später zurück. Weil ihm die Stadtverordneten quer durch alle Parteien Tribut zollten, nahm er sein Amt Tage später wieder auf.

Während des 1. Weltkriegs wurde Langerhans als Oberleutnant Bürgermeister im deutsch besetzten Russisch-Polen. In Abwesenheit wählte ihn der Köpenicker Magistrat 1915 für weitere 12 Jahre erneut zum Ersten Bürgermeister. Wäre er nicht drei Jahre später an einer Rippenfellentzündung gestorben, wäre Georg Langerhans vermutlich 1920 auch der erste Bürgermeister des neuen Berliner Bezirks Köpenick geworden.

Gemeinsam mit seiner Gattin liegt er in einem Ehrengrab auf dem Evangelischen Friedhof an der Rudower Straße. Dort wird der Bezirk Treptow-Köpenick mit seinem Amtsnachfolger Oliver Igel (SPD) und dem Heimatverein Köpenick am 8. März um 9.30 Uhr an den bekannten und beliebten Köpenicker Politiker erinnern.

Langerhans, selbst Reserveoffizier, soll übrigens 1906 durchaus erkannt haben, dass ein Betrüger in Hauptmannuniform vor ihm steht. Da die echten Soldaten dem Zuchthäusler Voigt aber scheinbar widerspruchslos folgten, sah er keine Möglichkeit, sich den Anordnungen des falschen Hauptmanns zu widersetzen. Neben dem Ehrengrab erinnert die Langerhansstraße in der Dammvorstadt seit 1926 an den berühmten Kommunalpolitiker.

Autor: Ralf Drescher
aus Lichtenberg
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