Gefühl statt Geografie: Katrin Schwahlen lebt seit 1989 in Alt-Tempelhof

16. Oktober 2015
19:00 Uhr
Glaubenskirche Tempelhof, 12103 Berlin
Katrin Schwahlen hat ihrem Heimatbezirk ein Denkmal zwischen zwei Buchdeckel gesetzt.
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  • Katrin Schwahlen hat ihrem Heimatbezirk ein Denkmal zwischen zwei Buchdeckel gesetzt.
  • Foto: HDK
  • hochgeladen von Horst-Dieter Keitel

Tempelhof. Was verbinden Menschen mit dem Begriff Heimat? „Ich habe lange überlegt“, sagt Katrin Schwahlen aus Alt-Tempelhof. Sie sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es für sie, wie das Wort ja schon beinhaltet, „mit Heim, mit dem Zuhause“ zu tun habe.

Schwahlens persönliche Deutung: „Heimat ist keine Frage der Geografie des Geburtsortes, sondern eine des Gefühls“. Die Frau, die ihre Herkunft als eine „Mischung aus Rhein- und Sauerland“ beschreibt, hat in Oldenburg Biologie und in Berlin Publizistik studiert, zwei Kinder zur Welt gebracht und lebt seit 1989 in Alt-Tempelhof. Und ihr Gefühl sagt: „Das ist meine Heimat, hier habe ich meine Bücher, meine Freunde und vieles mehr. Hier ist mein Lebensmittelpunkt, hier fühle ich mich wohl und finde vor allem meinen inneren Frieden.“ Wobei sie nicht ausschließt, dass dies unter den entsprechenden Umständen sicherlich auch an vielen anderen x-beliebigen Orten auf dieser Welt möglich wäre.

Aber da sich das Schicksal nun einmal für Tempelhof entschieden hat, hat Katrin Schwahlen sogar noch einen drauf gesetzt und ein Buch mit dem Titel „Rundum Tempelhof“ geschrieben. Dabei geht es allein um den Alt-Bezirk Tempelhof inklusive der Ortsteile Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade. Den Fusionsbezirk Schöneberg hat die Tempelhofer Lokalpatrioten dabei weder real noch mental auf dem Schirm: „Eine andere Welt.“ Ihre in dem Buch beschriebene Welt spielt zwischen Platz der Luftbrücke und Mauerweg, zwischen Britzer Garten und dem Industriegebiet, in der es viel zu entdecken gibt. Katrin Schwahlen spaziert beispielsweise mit dem Regierenden Bürgermeister durch Neu-Tempelhof, schaut hinter die Kulissen der ufaFabrik, hört in Lichtenrade ungewöhnliche Töne einer Rocksängerin, lernt von einem Prinzen in Mariendorf und lässt sich von einem angehenden Physiker in Marienfelde die Welt von oben erklären. Es geht um Berlins älteste Dorfkirche, um eine Trabrennbahn, die anders läuft. Um die einzigartige Shopping-Mall mit Hafen, um Deutschlands ältesten Fußballverein oder den geschichtsträchtigsten Flughafen der Welt.

Schwahlens Fazit: „Insgesamt ein süßer Bezirk. Und ein verstörender. Tempelhof ist Geschichte und Zukunft. Und Tempelhof hat das gewisse Etwas einer wunderbaren Mischung aus Provinz und Weltstadt“. „Rundum Tempelhof“, 176 Seiten mit zahlreichen Abbildungen (ISBN 978-3-939629-37-5), ist im Buchhandel für 19,80 Euro erhältlich. Am 16. Oktober liest Katrin Schwahlen daraus in der Glaubenskirche, Friedrich-Franz-Straße 9. Beginn ist 19 Uhr, Eintritt frei. www.rundum-tempelhof.de. HDK

Katrin Schwahlen hat ihrem Heimatbezirk ein Denkmal zwischen zwei Buchdeckel gesetzt.
„Heimat ist keine Frage der Geografie des Geburtsortes, sondern des Gefühls“, sagt Katrin Schwahlen. Foto: HDK
Autor:

Horst-Dieter Keitel aus Tempelhof

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