WASSER ist unsere kostbarste Ressource!
Architektur und Stadtgestaltung sollten dem Wasser mehr Aufmerksamkeit schenken!

Die Karst-Quelle der LOUE im Jura-Gebirge, nahe  PONTALIE
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  • Die Karst-Quelle der LOUE im Jura-Gebirge, nahe PONTALIE
  • Foto: Hans-Karl Krüger
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Das Nachbarschaftszentrum Amtshaus in Französisch Buchholz hat einen Büchertisch, der immer wieder mit gebrauchten Büchern gefüllt wird. Er wird seit vielen Jahren verantwortungsvoll vom Büchertisch-Pankow e. V. betreut. Vor kurzem fand ich dort ein bemerkenswertes Buch, erschienen 2007, was den Eingang in meine nicht ganz kleine private Bibliothek fand. Seitdem lese ich immer mal wieder ein paar Seiten darin: „Das Wassersyndikat“ von Jens Loewe. Untertitel: Über die Verknappung und Kommerzialisierung einer lebensnotwendigen Ressource.
Wasser war immer mein großes Thema - in Berlin im Vergleich mit anderen Metropolen. Auf einer mehrwöchigen Reise, von Zürich aus durch Frankreich gab es besonders viele Begegnungen mit Flüssen und deren Quellen, Seen und dem Mittelmeer. Und wieder wurde mir schmerzlich bewusst, wie wenig Modernität Berlin sich leistet, trotz erbautem Humboldt Forum und trotz vieler Brücken, fast wie Venedig.

Der ZÜRICHSEE, die in einer Karstquelle des Jura-Gebirges entspringende LOUE nördlich von Pontalier, die FONTAINE DE VAUCLUSE - die Quelle der SORGUE, die größte Quelle Frankreichs - und dann das Mittelmeer und MARSEILLE – das sind gewaltige Erlebnisse. Dagegen scheint der Kampf um das Flussbad in Berlin marginal, bei genauer Betrachtung aber wichtiger für die deutsche Hauptstadt als vermutet. Berlin ist eigentlich eine Wasserstadt und warum soll es nicht wieder ein Flussbad geben? http://www.spreeinsel.de/html/4_baugeschichte/liste/wasserstadt.html

In Berlin verlautbarte jüngst, dass junge Leute sich wieder für den Bau von Hochhäusern interessieren. Das halte ich für eine wichtige Meinungsäußerung, eine Metropolenidee! Es war ein beeindruckender Moment den „Tour CMA-CGM“ als Eingangstor von Marseille auf der Route de Soleil (Straße der Sonne – von Norden nach Süden ans Mittelmeer) zu erleben. Der Wolkenkratzer wurde geschaffen von der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid. Ein geschmeidiges Bauwerk, das sich scheinbar im Wind wiegt und dem Container-Transportunternehmen CMA-CGM als Firmensitz dient. Ein Zaha-Hadid-Hotel findet sich in Berlin, natürlich kein Hochhaus.

MARSEILLE – die mittelalterliche und moderne Stadt mit ihren vielen alten und neuen Hafenanlagen. Bei schönstem Wetter strahlten die La Major – die neue Kathedrale – und das neue Museum der Zivilisation Europas und des Mittelmeeres MuCEM mit den entfernt liegenden Kreuzfahrtschiffen um die Wette. Des MuCEM - (Musée des civilisations de l´Europe et de la Méditerranée), geplant vom französischen Architekten Rudy Ricciotti aus Bandol, ist beeindruckend, vor allem auch deshalb, weil es die Fähigkeit französischer Architekten, Museen am Wasser zu bauen, widerspiegelt. Man atmet tief durch und lässt den Blick über die Stadtsilhouette schweifen, bis zur Notre Dame hoch auf dem Berg, wie auch in Lyon.

Der Höhepunkt im MuCEm mit seinen Schatten werfenden Fassaden ist allerdings die GALERIE DE LA MÉDITERRANÉE, die auf bezaubernde Weise die Handelsrouten am Mittelmeer mit der Handels- Bau- und Kulturgeschichte ihrer Metropolen wie Marseille, Lissabon, Istanbul, Kairo u. a. in ihren connectivités – ihrer Anschlußfähigkeit, ihrer Wirklichkeitsbeschreibung – wiedergibt. Die Baugeschichte der Hafenstadt Marseille, der „Cité Phocéenne“, ist lang und beginnt 600 v. C. Marseille verbindet Baugestaltung mit Landschaftsgestaltung und es ist ein berührendes Erlebnis, im „Garten des Winds“ auf der Festung zu stehen und die vielen Docks mit modernen Bauten zu überblicken. Hinter sich die Altstadt und den neuen Hafen, davor die Altstadtfestung St. Jean. Berlin ist nicht ganz so alt, aber hätte schon in seiner gegenwärtigen Baugeschichte die Möglichkeit gehabt, Historisches zu rekonstruieren und urbaner zu bauen.

Ein modernes Hochhaus von einem französischen Architekten könnte ich mir durchaus neben dem Schloss, dem Dom und dem Fernsehturm auf dem Marx-Engels-Forum vorstellen. Die Idee der Stadtbaudirektorin eines, zugegeben kleinen, Hafens hätte damit eine moderne Vollendung finden können. Stattdessen bleibt Berlin „piefig“ mit gekünstelten Hochhausplanungen. Und es quält sich mit der geplanten Darstellung seiner Geschichte im Humboldt Forum, das eigentlich der Geschichte der weltweiten Erforschung der Kulturen durch die Humboldt-Brüder (u.a.!) und der Völkerverständigung gewidmet sein soll.

Am 4. Juli 2019, so meldet die Stiftung Preußischer Kulturbesitz soeben, beginnt an einer so genannten Restaurierungsstraße der Umzug der der 20.000 Objekte des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst in das Humboldt Forum. Die Gestaltung des MuCEM durch Ricciotti ist zwar nicht mit dem Entwurf für das Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum zu vergleichen, lässt aber nach und nach die Idee von Herzog & de Meuron für die Fassade vergleichbar genial erscheinen. Erst das zum Leben erwachte Museum des 20. Jahrhunderts für die Nationalgalerie wird als vollendeter Bau die Schönheit betonen und die maßvolle Zurückhaltung gegenüber den umliegenden Bauten, und mit Respekt durch die BesucherInnen gewürdigt werden. Das Humboldt Forum liegt auf der Spreeinsel – beidseitig am Wasser. Vielleicht würdigt die „Wasserstadt“ ihre modernen Bauten ja auch mit lebendigen Zugängen am Wasser, ähnlich wie in Marseille?

Wasser ist unsere kostbarste Ressource, Architektur und Stadtgestaltung müssen ihr vor dem Hintergrund einer internationalen Metropole mehr Aufmerksamkeit schenken!

Anne Schäfer-Junker (anne.junker@gmx.de )

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