Ein sensationelles Bibliotheksverzeichnis im Gebr. Mann Verlag Berlin
DIE BÜCHERSAMMLUNG FRIEDRICH GILLYS (1772-1800)

Detail des Buchtitels zu Friedrich Gilles Büchersammlung, Michael Bollé und María Ocón Fernández. Provenienz und Schicksal einer Architektenbibliothek im theoretischen Kontext des 18. Jahrhunderts. Gebr. Mann Verlag
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  • Detail des Buchtitels zu Friedrich Gilles Büchersammlung, Michael Bollé und María Ocón Fernández. Provenienz und Schicksal einer Architektenbibliothek im theoretischen Kontext des 18. Jahrhunderts. Gebr. Mann Verlag
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Schadow, Schinkel und Gilly in Französisch Buchholz

Friedrich Gilly entstammte einer Hugenottenfamilie aus der Gegend von Nîmes, die sich 1689 in Französisch Buchholz (heute 13127 Berlin) angesiedelt hatte. Sein Vater war der Architekt David Gilly.

Was für ein geistiger Reichtum! Friedrich Gillys verschollen geglaubte Privatbibliothek wird in einem mehrjährigen Projekt zu großen Teilen wieder gefunden und durch die Autoren Michael Bollé und María Ocón Fernández in einer 590-seitigen Publikation veröffentlicht!

Wahrscheinlich ist es das literarischste und emphatischste Buch als eines Bibliotheksverzeichnisses: „Die Büchersammlung Friedrich Gillys (1772–1800) - Provenienz und Schicksal einer Architektenbibliothek im theoretischen Kontext des 18. Jahrhunderts | Friedrich Gillys verschollene Privatbibliothek – Fenster zum Architekturdiskurs der Aufklärung“

Angesichts der bevorstehenden Wiedererrichtung des Gebäudes der Schinkelschen Bauakademie am Werderschen Markt, gibt diese tief greifende Arbeit Einblick in die Verläufe und Verwerfungen dieser Zeit, die sich bei genauer Betrachtung den unsrigen heute nicht unähnlich sind. Friedrich Gilles Vater David Gilly war 1799–1802 Rektor der Bauakademie zu Berlin.

Die Autorin María Ocón Fernández schreibt zur Bücher- und Kupferstichsammlung von Fried rich Gilly: „Im historischen Bestand der Bibliothek der UdK (Universität der Künste, Berlin) konnte ein bedeutender Teil der Bibliothek der Bauakademie nachgewiesen werden. Eine erste bauwissenschaftliche Bibliothek Preußens entstand durch die Vereinigung der Etats und „der Bestände des Königlichen preußischen Oberhofbauamtes sowie des Königlichen preußischen Oberhofbaudepartements und der Bauakademie. Von großer Bedeutung für die … Entstehung einer gemeinschaftlichen architektonischen Bibliothek wurde der Ankauf der Bücher- und Kupferstichsammlung des am 3. 8. 1800 verstorbenen Hofbauinspektors und Lehrers an der Bauakademie Friedrich Gillys (1748-1800).“ Friedrich Gilly war der Sohn des Architekten David Gilly und seiner Frau Friederike Ziegenspeck (1748–1804), die 1770 geheiratet hatten. Friedrich Gilly entstammt also einer Hugenottenfamilie aus der Gegend von Nîmes, die sich 1689 in Französisch Buchholz (heute 13127 Berlin) angesiedelt hatte.

Das, was der Zeit Friedrich Gillys und unserer Zeit gemeinsam zu sein scheint ist die Tatsache, dass es viele Bücher gab und gibt – wenn auch nicht vergleichbar in ihren ästhetischen und technischen Ausführungen.

Architekturhistoriker Werner Oechslin hat das Vorwort geschrieben.
Wer einmal in der Zeit Johann Joachim Winckelmanns sprachlich, literarisch und betrachtend (klassisch archäologisch) unterwegs war, weiß was es bedeutet, wenn der heutige primus inter pares der Bibliothekare, der Kunst- und Architekturhistoriker Werner Oechslin Bücher aus aller Welt in der „Stiftung Bibliothek Werner Oechslin SBWO Einsiedeln“ (www.bibliothek-oechslin.ch) zusammengetragen hat. Er schrieb ein Vorwort für dieses jüngste „Bibliotheksverzeichnis einer verschollen geglaubten Architektenbibliothek“ der Autoren Michael Bollé und María Ocón Fernández.

Die Bibliothek von Architekturhistoriker Werner Oechslin
Meter von Regalwänden, in großen Sälen um die Laokoon-Gruppe platziert, gehören zum Reich von Werner Oechslin. „Die Spezialisierung des Wissens ist eine sehr junge Erscheinung", sagt Oechslin in einem Interview. „Das besondere dieser (seiner) Bibliothek ist das Universale! Wir leben in einer Zeit, die in Informationen zerfällt. Endlos viele, unkontrollierbar, unökonomisch, überlappend, all die Möglichkeiten unseres Zugreifens. Dabei sind wir alle endlich, wir haben endliche taktische und endliche visuelle greifbare Möglichkeiten. Und das ist die Welt in der wir wirklich leben… Diese Bibliothek will die wirkliche Welt und die wirkliche Kultur, wirkliche Entwicklung von Geistestätigkeit abbilden. Architektonik ist „Kunst der Systeme“.

Erschienen ist das Buch von Michael Bollé und María Ocón Fernández im Dietrich Reimer Verlag GmbH · Gebr. Mann Verlag · Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft www.reimer-mann-verlag.de ISBN 978-3-7861-2791-8.

Anne Schäfer-Junker, Französisch Buchholz (anne.junker@gmx.de)

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