Autos raus, Fußgänger rein
Bezirksamt will Bergmannkiez entmotorisieren

Vorher, nachher: gestalterische Ideen für eine entschleunigte Bergmannstraße (rechts).
  • Vorher, nachher: gestalterische Ideen für eine entschleunigte Bergmannstraße (rechts).
  • Foto: Bezirksamt
  • hochgeladen von Ulrike Kiefert

Der Bergmannkiez soll entschleunigt werden – mit neuer Fußgängerzone, Tempo 20 und Einbahnstraßenregelungen. Das Bezirksamt will es so.  

Die Parklets und grünen Punkte auf der Fahrbahn sind längst weg, die Testphase beendet. Nun will der Bezirk die Autofahrer mit drastischeren Maßnahmen von der Bergmannstraße holen. Zwischen Nostitzstraße und Schleiermacherstraße soll sie für Autos und Motorräder komplett gesperrt werden. Radfahrer bekommen einen zweispurigen Radweg. Geschäfte und Restaurants dürfen künftig nur noch vormittags zwischen sechs und elf Uhr beliefert werden. Und um den gesamten Bergmannkiez zu beruhigen, sollen umliegende Straßen zu Einbahnstraßen und Tempo-20-Zonen werden. Das hat das Bezirksamt jetzt beschlossen.

Wie die neue, rund 500 Meter lange Fußgängerzone auf der Bergmannstraße konkret aussehen soll, will das Bezirksamt über einen städtebaulichen Wettbewerb klären lassen. Auf jeden Fall sollte die Straße "klimaresilient gestaltet werden", heißt es aus dem Rathaus. Grünflächen und Wasserelemente gehören für das Bezirksamt dazu, um Regenwasser zu filtern, heiße Tage erträglich zu machen und um Insekten ein Biotop zu bieten. Wann die Umgestaltung beginnt, ist noch nicht klar. Erst müssen die Bezirksverordneten den Plänen zustimmen.

Das Konzept für die umfangreiche Neugestaltung fußt auf den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung im Rahmen der Testphase der Begegnungszone Bergmannstraße im vorigen Jahr. Damals hatte es eine Bürgerbeteiligung gegeben und eine öffentliche Bürgerwerkstatt im Columbiatheater. Im Anschluss wurden 4000 Haushalte und Gewerbetreibende in der Bergmannstraße und Nachbarschaft angeschrieben, gefolgt von zwei weiteren Werkstätten, in denen verschiedene Gestaltungsvarianten  diskutiert wurden. Dann ließ das Bezirksamt die Parklets an die Straßenränder der Bergmannstraße bauen, um die Autofahrer auszubremsen. Die Barrieren wurden im September 2019 aber vorzeitig abgebaut und durch Findlinge ersetzt. Die sind mittlerweile ebenso wieder weg wie die grünen Punkte auf dem Asphalt.

"Vormachtstellung des Autos ist vorbei"

"Der Bergmannkiez wird unser Modellprojekt für den Kiez der Zukunft. Hier werden wir in den nächsten Jahren sehen, wie wir in der Innenstadt besser miteinander leben können und zwar mit weniger Durchgangsverkehr, mehr Grün und einer klimafreundlich gestalteten Fußgängerzone in der Bergmannstraße", sagt Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Die Vormachtstellung des Autos sei vorbei. Wer in den Kiezen im Bezirk lebe, habe größtenteils kein eigenes Auto und bewege sich mit dem Rad, den Öffentlichen oder zu Fuß fort. "Daher fordern sie zu Recht eine Umgestaltung des öffentlichen Raumes mit mehr Flächengerechtigkeit und mehr Platz für die Menschen durch weniger Autoverkehr." Davon profitierten am Ende alle, so Herrmann.

Über die Gestaltung des Kiezes können sich die Bürger bis zum 2. Oktober in der Ausstellung "Zukunft Bergmannkiez – Öffentlicher Raum, Mobilität, Lebensqualität" im ehemaligen Rathaus Kreuzberg an der Yorckstraße 4 informieren. Alle Informationen zur geplanten Umgestaltung des Bergmannkiezes und die Inhalte der Ausstellung stehen auf www.berlin.de/bergmannkiez.

Darüber hinaus haben Stadträte und Bürgermeisterin erst kürzlich vier weitere Fußgängerzonen beschlossen. Und zwar auf der Waldeyerstraße zwischen Rigaer und Pettenkofer Straße westlich des Schleidenplatzes, auf der Danneckerstraße zwischen Rudolfstraße und Rotherstraße westlich des Rudolfplatzes, auf der Krautstraße zwischen den zwei Spielplätzen südlich der Kleinen Markusstraße sowie auf den Straßen rund um den Lausitzer Platz. Alle Straßenzüge liegen in ruhigen Wohngebieten.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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