Position gegen "Petz-Plattform"
Schüler wehren sich gegen Meldewebsite der AfD

Plakatives Statement am Andreas-Gymnasium.
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Dass ganze erinnere sie an die Methoden der Stasi, heißt es unter anderem in dem Text. Gefördert werde damit eine “Kultur der Denunziation”. Die habe aber “bei uns keinen Platz”.

Verfasst hat diese Stellungnahme die Courage-AG des Andreas-Gymnasiums. Die Schülerinnen und Schüler wehren sich damit gegen den Weblog der AfD, der zu Meldungen von aus Sicht der Rechtspartei unliebsamen Aussagen durch Lehrer im Unterricht aufruft.

Ihr Statement sei bereits nach wenigen Tagen auf großes Interesse gestoßen, freuen sich die mehr als ein Dutzend Verfasserinnen und Verfasser. Das wäre auch das erste Ziel gewesen, denn viele Mitschüler hätten zuvor von dem Internetpranger noch gar nichts gehört und sich deshalb auch nicht damit auseinandergesetzt. Ihn zu kennen halten die Mitglieder der Courage-AG aber für wichtig. Schon um aufzuzeigen, was damit bezweckt werden soll. Bei manchen Mitschülern sei dabei erst einmal eine Aufklärung über den Begriff "denunzieren" nötig gewesen, sagt ein Mädchen. Als sie ihn mit "petzen" übersetzt hätte, wäre der Sinn und wohl auch die Ausrichtung verstanden worden.

Inhaltlich wehren sich die couragierten Andreas-Schüler dagegen, dass die AfD behaupte, es existiere ein großes Problem mit der Neutralität an Schulen. Abgesehen davon, dass das nicht stimme, gebe die Partei damit vor, für Schüler zu sprechen. Das könnten die aber selbst am besten. Dazu bedeute Neutralität nicht, alles hinzunehmen und zu akzeptieren. Auch Lehrer hätten natürlich das Recht, kritikwürdiges Verhalten zu kennzeichnen und eine Meinung zu äußern. Zumal die in der Regel in unterschiedliche Sichtweisen eingebettet sei.

Die Courage-AG entstand vor fünf Jahren, als das Andreas-Gymnasium den Titel "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" erhalten hat. So wie mittlerweile rund 20 Schulen in Friedrichshain-Kreuzberg. Die Arbeitsgemeinschaft organisiert Veranstaltungen und Vorträge sowie die jährlichen Courage-Tage. Ein Mal pro Woche trifft sich die Gruppe. Das meiste passiert in Eigenregie, auch wenn ein Lehrer als Ansprechpartner fungiert. Dieser Hintergrund macht deutlich, dass dort Jugendliche aller Klassenstufen versammelt sind, die den absoluten Gegenentwurf zur selbsternannten "Alternative für Deutschland" darstellen. Die Ansichten der AG-Mitglieder wären nicht immer deckungsgleich, würden sich aber innerhalb einer gewissen Bandbreite bewegen. Was sich politisch eher "mitte-rechts" verorte, wäre wahrscheinlich nicht vertreten, glaubt eine Teilnehmerin. Was zu der Frage führt, wie repräsentativ die AG-Mitglieder für die gesamte Schülerschaft stehen? Glauben sie, es gibt auch Klassenkameraden, die den Plattform-Initiatoren etwas abgewinnen können oder sogar auf der Website posten? Ersteres wäre natürlich nicht auszuschließen, so die Antwort. Gegen zweiteres richte sich ihr Aufruf.

Eine digitale Denunziation wäre auch in anderen Fällen kein probates Mittel, machen einige Schüler ebenfalls deutlich. Selbst als sie damit konfrontiert wurden, sie hätten es mit einer Lehrkraft zu tun, die AfD-Positionen offensiv vertreten würde, hielten sie wenig von einem Internetpranger. Erster Schritt wäre dann ein persönliches Gespräch. Wenn das nichts bringe, der Gang zur Schulleitung.

Gleichzeitig gehe es darum, den eigenen Standpunkt klarzumachen, aktuell auch analog durch ein Plakat, das die AG am Andreas-Gebäude anbringen konnte. Es zeigt das Label von "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage". Das Wort "Rassismus" wurde dabei durch "Denunziation" ersetzt.

Plakatives Statement am Andreas-Gymnasium.
Denunzieren geht gar nicht.

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