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Tropical (Geister-) Island: Abends halb zehn in Krausnick

Ab halb zehn wird es trostlos im Urlaubsparadies Tropical Island. Leere in den Gängen! Viele Schlafgäste kamen erst gar nicht mehr raus. Vielleicht, weil niemand bedient wurde (kl. Bild unten) oder einfach der Beamer im Kino (li.) ausschaltet wurde.
Ab halb zehn wird es trostlos im Urlaubsparadies Tropical Island. Leere in den Gängen! Viele Schlafgäste kamen erst gar nicht mehr raus. Vielleicht, weil niemand bedient wurde (kl. Bild unten) oder einfach der Beamer im Kino (li.) ausschaltet wurde.

BERLIN / KRAUSNICK - Bei RTL war der Tropical Island-Chef undercover. Reporter Marcel Adler wollte dazu noch wissen, was zahlungskräftige Gäste in einer karibischen Nacht in Europas größter Tropenwelt ohne Kamera geboten kriegen. Für die tropische Party ging es mit dem Zug und guter Laune von Berlin Ostkreuz bei Dämmerung nach Krausnick. Statt im Paradies, checkte man eher in Geister-Island ein. Nachtschwärmer müssen jetzt sehr, sehr stark sein. 

Bleiben wir fair: Auch während der Osterferien bietet das Tropical Island in Krausnick wieder viel für Familien. Zum Beispiel die große Schatzsuche oder eine Kinderdisco ab 17:30 Uhr. Tagsüber ist hier immer was los. Besucher schätzen auch die Grillwochen. Aber - und das ist auch die Wahrheit - in Tropical Island verlangt man im Einzelfall weit über 300 Euro für eine einzige(!) Übernachtung. Auch über die Feiertage sind fast alle Schlafplätze ausgebucht. Eine Nacht im Tropical Island muss also was ganz besonderes sein. Ich habe deshalb zur Saison (startete am 23. März) am vergangenen Wochenende eingecheckt. Die Hütte war am Abend voll und die tropische Nacht konnte beginnen. 

Nix los, weil der Kunde nicht zahlt?

Was ab 21:15 Uhr passierte, kannte zumindest ich aus einem echten Tropenurlaub so noch nicht. Es war bald Feierabend für den Großteil des Personals, was zu absurden Szenen führte. Das Tropical Island startete wie auf Knopfdruck in einen gefühlten "Sparmodus", der nach einer knappen Stunde seinen endgültigen Tiefpunkt erreichte. Alles schloss, Lichter gingen aus, Gäste wurden weggeschickt - für viele Besucher wurde aus dem Paradies auf einmal eine unheimliche Geisterstadt. Kann man mögen, muss man aber nicht. Wo kann man hier noch was erleben, fragte ich deshalb mit meiner Begleitung am Infostand nach. "An der Südsee ist doch schon seit drei Jahren nischt mehr los." Von einer Mitarbeiterin erfuhren wir, dass die einst legendäre Liveshow seit 2015 eingestellt wurde. "Die Gäste weigerten sich dafür zu zahlen." Indirekt sei also der Kunde Schuld. Mein schlechtes Gewissen hielt sich bei Ticketpreisen von bis zu 42 Euro pro Person in Grenzen. "In der Bora Bora Lounge spielt vielleicht heute eine Liveband", kam aber noch hinterher. Dafür war es ziemlich ruhig in der Halle. Aber zu einer Uhrzeit, wo so manche Beachparty noch nicht mal angefangen hätte, würde das Konzert vielleicht erst noch beginnen. "Nee, heute is' doch keine Band hier", rief eine Kollegin rüber. Na, toll.

Keine Pizza um 21:25 Uhr

Am ersten Ferienwochenende waren im Tropical Island laut unserer Recherche (Quelle: reservierung.tropical-islands.de) nur noch Premium-Doppelzimmer für 360 Euro pro Nacht (!) frei. Und klar ist auch, dass das Tropical Island zu dieser Zeit ein Ort für Familien mit Kleinkindern bleiben muss. Niemand erwartet hier jeden Abend den Wet T-Shirt Contest oder eine Ballermann-Sause. Aber Kultur oder ein Tänzchen für Singles und Paare - das ist im Tropen-Urlaub nicht zuviel verlangt. Doch uns bot ein trauriges Bild. Die Leere wirkte gespenstisch. Sämtliche Restaurants rund um die Lagune und der Riesenrutsche waren dicht. Tropical Island wies auf die Schließzeiten um 21:30 Uhr hin. Beim Italiener wollte man uns aber nicht mal mehr um 21:25 Uhr bedienen und hat sogar vor der Nase die Türen geschlossen. Die Asia-Gourmet Gaststätte hatte schon den ganzen Tag komplett dicht. Ein Dinner nach halb zehn blieb in Krausnick am Tag der Recherche schier unmöglich. Kurz vor der Südsee sollte es noch Burger und eine Bar mit Cocktails geben. Burger wollten wir nicht, also entschieden wir uns für den Absacker.

Leere Schmutz-Bar hat geöffnet

Während unseres Rundgangs auf der Suche nach der Bar machten wir weitere Bilder, die eine Tristesse festhalten. Insgesamt haben wir nicht gezielt negative Motive gesucht. Wir liefen zuerst den breiten Gang vom Infostand über den Boulevard, an den Läden, der Spielhalle und Lagune 'gen Kinderparadies vorbei. Vereinzelt trafen wir gelangweilte Gäste; ein Mann suchte den Colaautomaten. Wir liefen immer die Hauptwege im Tropical Island. Alles was wir gesehen haben, hätte die Mehrzahl der Erstbesucher auf Anhieb so vorgefunden. Und dann fanden wir sie, die Bar. Nur war das wirklich die richtige Location? Es war zwar geöffnet und das Licht brannte - aber es war dreckig und keine Getränke da, geschweige denn ein Barkeeper oder Gäste anwesend. Es stellte sich raus, dass dies nicht die Bora Bora Lounge war. Diese befand sich weiter weg. Dort erfuhren wir, dass Livemusik wieder an Karfreitag stattfinden soll. Als Nichtraucher empfanden wir es dort als unangenehm, weil dort viel gequalmt wurde. Die Lounge ist der einzige Ort im Tropical Island, wo geraucht werden darf. 

Chef war RTL "Undercover Boss"

Wir fragten uns abschließend, ob der Tropical Island-Chef, Michiel Illy, bei seinem RTL-Dreh überhaupt mal abends seinen Laden undercover besichtigte? Denn gestern wiederholte RTL im Nachmittagsprogramm die Folge "Undercover Boss". Darin ging es um das Tropical Island, wo Illy verkleidet zwischen einer Wurstbude, Papagei und Riesenrutsche undercover recherchierte. Es ist anzuerkennen, wenn der Chef Missstände aufklären will und Verbesserungen verspricht. Aber das Preis- Leistungsverhältnis stimmt auch Wochen nach dem TV-Dreh zu später Stunde im Tropical Island nicht. Der solvente Gast, der Preise wie im Hilton zahlen muss, darf zu Recht höchste Ansprüche stellen. Wir beobachteten im Kino, wie Menschen von Plätzen verwiesen und am Tresen nicht mehr bedient wurden. "Die Nacht ist zum Schlafen da", feixte da eine Mitarbeiterin auf unsere Beschwerde hin. Da hat sie durchaus Recht. Nur Nachtschwärmer darf man halt nicht im Tropical Island sein. 

Fazit: Besser gleich ab ins Bett

Der Besuch in den Abendstunden war für uns langweilig. Vor allem Raucher und Dampfer finden vor 0:30 Uhr nur noch in der "Bora Bora Lounge" Verbündete auf ein paar Züge. Hier gäbe es regelmäßig Livemusik. Wir hörten und sahen diese nicht. Sonst gab es keine Angebote zu später Stunde. Das Unternehmen wirbt mit 12 Restaurants, Bars und Lounges sowie thematische Übernachtungsmöglichkeiten und das perfekte Urlaubserlebnis. Auf der Homepages verspricht Tropical Island kein buntes Nachtleben. Die Öffnungszeiten aller Location sind ausgewiesen, werden aber spürbar energisch und konsequent vor Ort durchgesetzt. Das ist nicht mehr zeitgemäß, schon gar nicht bei den gepfefferten Eintritts- und Übernachtungspreisen. Zwei Lokale schlossen sogar schon früher, eines blieb ganz dicht. Frech war, den Beamer im Kino nach einem RTL Trickfilm einfach auszumachen und die Gäste wegzuschicken. Ungewollt komisch, dass das zahlende Besucher am letzten Sonntag sogar als notwendiges Übel akzeptierten und mit sich machen ließen. Da muss Undercover-Boss und Tropical Island Chef Michiel Illy dringend nachbessern. Mehr Angebote zu später Stunde könnte seine sonst wunderschöne Erlebnis-Landschaft gerade in der Sommersaison aufwerten.


Hinweis: Dieser Test wurde nicht redaktionell betreut, sondern ist ein Erfahrungsbericht des Leserreporters. Der Besuch fand am ersten Osterferien-Wochenende 2018 statt. Die Bilder entstanden zwischen 21:30 und 22:15 Uhr. 

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