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Wahl 2017: CDU lehnt junge Frau ab - und schweigt!

Kein Zutritt für eine junge Frau in die CDU, Frauen Union (FU) und Junge Union (JU) / Symbolbild
Kein Zutritt für eine junge Frau in die CDU, Frauen Union (FU) und Junge Union (JU) / Symbolbild (Foto: Hauptbild+Logos Pressestelle CDU / Schrift Montage)

VON MARCEL ADLER und KIM-RENA BEHRENS

BERLIN / EBERSWALDE - Eine 28-Jährige wollte sich politisch engagieren und in die CDU eintreten. Doch der Kreisverband Barnim lehnte die in Friedrichshain arbeitende Frau einstimmig ab. Kein Einzelfall! Bei den weiteren Recherchen schwiegen dann auch noch die Mitglieder des Vorstandes, samt ihrem Pressesprecher. Nun raten Sie mal, was die Frau jetzt wählt.

Um es gleich vorneweg zu sagen: Die folgenden Recherchen geben kein Gesamtbild der CDU (Christlich Demokratische Union) ab. Viele Mitglieder der Partei und auch in anderen Parteien wollen Demokratie aktiv mitgestalten - darunter zahlreiche junge Menschen. Beim CDU Kreisverband Barnim ist die Vorsitzende der Jungen Union, Melanie Grupe, eine von diesen jungen politisch Interessierten. Die 25-Jährige hebt politisches Engagement im Wahlkampf bei einem Interview sogar positiv hervor. Zitat: "Darüber hinaus sind wir die einzige Alternative zu den im Barnim dominierenden linken Jugendorganisationen" (Quelle: Barnim Echo). Nun stellt sich aber die Frage, warum die Vorsitzende den Mitgliedsantrag einer jungen 28-Jährigen, die in Berlin arbeitet, mit ablehnte. 

Alle schweigen, sogar der Pressesprecher

Grupe entschied nämlich am 30. August mit dem Vorstand, dass die junge Frau nicht in die CDU, nicht in die Frauen Union und nicht in die Junge Union eintreten darf. Da die Abstimmung einstimmig war, haben nachweislich alle mit "Nein" gestimmt. Will man im Verein unter sich bleiben? "Ich kenne die Leute alle nicht, die da über mich richteten", so die 28-Jährige, die anonym bleiben möchte. Außerdem auffällig: Es war nicht die einzige einstimmige Ablehnung in dem Verein. Parteien dürfen ohne Begründung Anträge von Neumitgliedern ablehnen. Das bestätigte zuletzt sogar ein Urteil vom Landgericht Trier. Denn politisch Interessierte, können sich auch in anderen demokratischen Parteien aktiv beteiligen, so die Richter in der Urteilsbegründung. Doch gerade weil die Junge Union Barnim zuletzt in der Presse so aktiv zum Mitmachen motivieren wollte, fragten wir bei der Vorsitzenden der Jungen Union freundlich nach. Unser Angebot, sich schriftlich zu äußern, blieb unbeantwortet. Auch auf die schriftliche Anfrage beim Pressesprecher, Kristian Stelse, bekamen wir keine Reaktion.

Nur ein CDU'ler antwortete per Mail

Wir gingen eine Instanz höher und wandten uns an den CDU-Abgeordneten im Bundestag, Jens Koeppen. Koeppen teilte zumindest schriftlich mit: "Als Bundestagsabgeordneter steht es mir nicht zu, mich in die inneren Angelegenheiten des Kreisvorstandes (…) einzumischen. Ich bin mir sicher, dass Ihnen für Fragen (…) der Mitgliederbeauftragte Klaus Siebertz des CDU Kreisverbandes Barnim gern zur Verfügung steht." Auch Siebertz antwortete nicht auf Nachfrage. Ein bisschen ließ der Vorstand dann doch was nach außen dringen: Vor gut zwei Wochen nämlich wurde der bisherige Vorsitzende, Danko Jur, des hier kritisierten Kreisverbandes in Barnim wiedergewählt. Damit wissen wir zumindest das: In diesem CDU Kreisverband bleibt erstmal alles beim alten. Damit hat die junge Frau keine Chance, in die Partei reinzukommen.

Änderung bei Neumitgliedern dringend nötig

Die 28-Jährige, die in Brandenburg lebt, will sich nun bei der linken Jugendorganisation in Barnim engagieren. Sie wählte dennoch Herr Koeppen per Briefwahl mit Zweitstimme, weil sie ihr Bild von der CDU nicht von "überheblichen Vorständen in Kreisverbänden" abhängig mache. Ihrer Meinung nach mache Koeppen in der Region einen guten Job. Und weiter sagte sie: "Meine Veröffentlichung der Ablehnung soll ein Beispiel dafür sein, dass das Aufnahmesystem in Parteien völlig überholt ist. Entscheidungen, ob jemand sich politisch in der Partei engagieren darf, sollte nicht von einem Dutzend Leute abhängen, von denen einige nicht mal die Pampa verlassen haben, geschweige denn das politische Berlin je erlebt haben." 

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