Der Boxhagener Platz - ein Verwandlungskünstler im Herzen der Stadt

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Wenn wir (aus den unterschiedlichsten Gründen) für längere Zeit Nichten Weg aus unserem Kiez heraus finden, dann bleibt uns als einzige Ausflugsaktivität nur noch der tägliche Gang zum sozialen und kulturellen Treffpunkt unserer Quartiers übrig, zum Boxhagener Platz.

Kurz „der Boxi“ genannt.

Der Boxi ist eine Herzensangelegenheit. Hier paart sich für uns Vertrautes: immer wieder der gleiche rappelige Spielplatz, runtergetretene Rasenfläche, alkoholisierte Bevölkerung auf Parkbänken – vor, während oder nach ihrem Rausch – und die (ästhetisch fragwürdig) zubetonierte Plansche mit neuen Einflüssen und gesellschaftlichen Phänomenen: Touristen erkunden Spuren deutscher Geschichte, Studenten planen ihren nächsten Partyabend, frischgebackenen Mütter fahren noch zaghaft neue Bugaboos spazieren, Unternehmer suchen nach Lokalitäten und Möglichkeiten zur Vermarktung erfolgsversprechender Ideen.

Auf dem Boxi wütet das Leben, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Die Gesetzmäßigkeiten der Jahreszeiten scheinen hier genauso außer Kraft gesetzt, wie allgemeine Regeln des Berliner Grünflächenamts. So zelten hier auch schonmal im tiefsten Winter Freunde der Frischluft auf öffentlichem Rasen, turnen bewegungsfreudige Hunde zwischen buddelnden Kindern über den Spielplatz, und veranstalten politische Gruppierungen verschiedener Couleur offene Diskussionsrunden.

Um den Platz herum konkurieren japanische Feinkost-Restaurants, türkische Dönerbuden, vegane Bio-Läden, Billig-Bäcker und exquisite Konditoren um ihre Kundschaft. Juweliere, Kinderspielzeug, Bücherläden. Ein breites und kreatives Angebot an Geschäftstüchtigkeit ist in unmittelbarer Entfernung zum Boxi zu finden. Nur profane Supermärkte sucht man hier vergebens, dafür muss man entferntere Straßenzüge bemühen.

Dem Boxi selber scheint nichts fragwürdig zu sein. Er öffnet seine Arme allen ihn aufsuchenden Geschöpfen. Dies ist wohl auch der Grund für die Vielfalt und Lebendigkeit des Boxhagener Platz. Fängt uns mal die Langeweile oder Eintönigkeit des Alltags, auf dem Boxi finden wir Zerstreuung.

Mitten im Kiez – das Tor zur Welt

An den Wochenenden lockt er mit einem reichen Wochen- (Samstags) oder bunten Flohmarkt (Sonntags). Diese werden bei schönem Wetter durch Straßenmusiker oder Artisten gerahmt. An den Wochentagen beobachtet man vobeiziehende geschäftige Anwohner, Touristengruppen, Führungen jeglicher Art, Kinder beim Spielen, Hunde beim Toben.

Auf dem Boxhagener Platz treffen Punks auf Yuppis, Geschäftsmenschen auf Obdachlose, Mütter auf Hundebesitzer, anwohnende Kinder auf exotische Touristen. Hier kommt man zusammen. Man lernt sich kennen, wenn auch oft nur aus vorsichtig gehaltener Entfernung. Man lernt miteinenander umzugehen, sich gegenseitig anzunehmen und zu tolerieren.

Der Boxhagener Platz eröffnet uns Horizonte. Manchmal jenseits unserer Komfortzone. Und doch auf eine wohltuende, uns bereichernde Art. Wie ein alter wohlwollender Onkel begrüßt uns der Boxi immer wieder aufs neue, nimmt uns auf, egal an welchem Punkt und in welcher Situation im Leben wir gerade stehen.

Wir brauchen uns nur auf eine der Parkbänke nieder zu lassen, die Kinder mit Schippe und Eimer in den Sandkasten zu schicken, und selber Augen und Ohren zu öffnen. Schon kann das Live-Schauspiel beginnen.

Ein Hoch auf den Boxi!

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