Jahrelange Wasserknappheit: Bädersituation in Friedrichshain-Kreuzberg entspannt sich erst in ferner Zukunft

Das Spreewaldbad wird am Herbst kommenden Jahres saniert und ist dann ungefähr zwei Jahre geschlossen.
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Detlef Lüke bemühte sich, wenigstens die Zukunftsperspektiven einigermaßen vielversprechend darzustellen. Kurzfristig, darum kam auch er nicht herum, gab es wenig an der Lage zu beschönigen.

Lücke war als Vertreter der Berliner Bäder Betriebe (BBB) am 26. April Gast im Schul- und Sportausschuss, denn Friedrichshain-Kreuzberg steuert auf einen absoluten Notstand bei den öffentlichen Schwimmhallen zu. Ab kommendem Jahr wird für einige Zeit keine einzige im Bezirk mehr geöffnet sein. Im einzelnen stellt sich die Situation so dar:

Bad an der Holzmarktstraße: Wie bereits berichtet, gibt es dort massive Statikschäden am Becken. Die Halle sollte deshalb zunächst mit Beginn der Sommerferien schließen. Diese Frist wurde inzwischen verlängert. Endgültiges Aus ist zum Jahresende. Eine Sanierung lohnt nicht mehr, deshalb soll das Gebäude abgerissen werden. Ein Neubau wäre schon seit einiger Zeit vorgesehen gewesen, allerdings zu einem späteren Zeitpunkt, erklärte Detlef Lüke. Jetzt werde versucht, dieses Vorhaben vorzuziehen. Er soll zusammen mit einem geplanten Projekt der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Berlinovo entstehen. Die will auf dem Grundstück Studentenappartements errichten, untergebracht in bis zu zwölf Stockwerke hohen Gebäuden. Dazwischen das Bad. Es werde über mehr Schwimmkapazitäten verfügen als bisher an dieser Stelle, versuchte der BBB-Repräsentant einen positiven Ausblick in die Ferne. Neben zwei 25-Meter-Becken ist noch jeweils eines für Nichtschwimmer sowie Kursbesucher geplant – frühestens für 2025. Aktuell laufen die Abstimmungen zwischen den beiden Bauträgern und dem Senat. Dem Bezirk sind die Pläne noch gar nicht vorgelegt worden.

Spreewaldbad: Der Standort am Spreewaldplatz wird wegen einer umfassenden Sanierung am 1. September 2019 geschlossen. Und bleibt dann ungefähr zwei Jahre dicht. Dieser Termin lasse sich nicht verschieben, wehrte Detlef Lücke entsprechende Fragen ab. Er werde auch mit Mitteln der Europäischen Union finanziert. Und die müssten bis spätestens Ende 2020 ausgegeben sein.

Tragluft-Alternative: Weil auch die Bäder Betriebe nicht umhin kommen, die Gesamtsituation als ziemlich schwierig einzuschätzen, wird über eine Entlastung nachgedacht. Ins Spiel kamen Traglufthallen, die über die Schwimmbecken von Freibädern gesetzt werden und dadurch einen ganzjährigen Besuch ermöglichen. Im Bezirk wäre das das Kreuzberger Prinzenbad. Was dort aber höchstens eine theoretische Option sei. Zum einen, weil die Umkleidekabinen einigermaßen entfernt vom Beckenbereich wären. Zum anderen sind die Wasserleitungen nicht winterfest. Sie müssten neu gelegt werden. Was entsprechend teuer wird.

Baerwaldbad: Das größte Sorgenkind in der Friedrichshain-Kreuzberger Bäderlandschaft ist das Bad an der Baerwaldstraße. Seit über einem Jahr ist es geschlossen, der bisherige Betreiber und Erbbaunehmer der Immobilie insolvent. Immerhin scheint in diese unendliche Geschichte etwas Bewegung zu kommen. Es sei vom Senat signalisiert worden, dass das Baerwaldbad bei einem sogenannten Heimfall, damit gemeint ist die Rückgabe des Gebäudes an die öffentliche Hand, nicht in die Verantwortung von Friedrichshain-Kreuzberg, sondern in die des Landes Berlin kommen soll, sagte Sportstadtrat Andy Hehmke (SPD). Das ist deshalb entscheidend, weil das Objekt als totaler Sanierungsfall gilt, auch wenn die exakte finanzielle Größenordnung erst noch durch ein Gutachten ermittelt werden muss.

Auch nach einem Heimfall bleibt die Frage, was dann wird. Der Bezirk arbeite weiter daran, dass der Schwimm-standort weiter erhalten bleibe, machte Hehmke deutlich. Im Ausschuss wurde deshalb erneut ein Engagement der Bäder Betriebe ins Spiel gebracht. Sie könnten das Objekt doch übernehmen und wie bereits bis zum Jahr 2003 unterhalten.

Detlef Lücke reagierte darauf sehr zurückhaltend. Wenn es dazu kommen sollte, müsse es entsprechende Signale der Landesregierung geben. Womit vor allem eine entsprechende finanzielle Ausstattung gemeint war. Im aktuellen Betrieb sei das für die BBB nicht zu stemmen. Und selbst wenn sich das ändern würde, wäre die Reaktivierung des Baerwaldbades ein Langzeitprojekt.

Die Konsequenzen: Wenn die Friedrichshain-Kreuzberger Bäderlandschaft teilweise vollständig trockengelegt wird, hat das Auswirkungen für private Badegäste, Vereine, Schulen. Gerade den Schwimmunterricht der Heranwachsenden aufrecht zu erhalten, mache auch logistische Probleme, räumte Lücke ein. Die Schüler müssen an nähere oder auch weitere Standorte gekarrt werden. Damit sich die Anreise einigermaßen in Grenzen halte, führt das wahrscheinlich zu einem größeren Verschiebebahnhof, von dem auch Schüler anderer Bezirke betroffen sind. Das Bad auf der Fischerinsel in Mitte werde unter der Woche nur noch für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen, skizzierte der Gast von den Bäder Betrieben Nebenwirkungen für die individuelle Kundschaft. Kleiner Ausgleich: Am Wochenende könnte sie diese Schwimmhalle länger nutzen.

Auch die Vereine müssen sich auf neue Standorte einstellen. Gerade sie forderten deshalb, das Projekt einer Traglufthalle im Prinzenbad trotz aller Probleme auf den Weg zu bringen. Wenn es zu einem jahrelangen Exil in Mariendorf oder sonstwo komme, "dann sind wir kein Kreuzberger Verein mehr", bemerkte ein Vertreter.

Das Spreewaldbad wird am Herbst kommenden Jahres saniert und ist dann ungefähr zwei Jahre geschlossen.
Kann im Baerwaldbad irgendwann wieder gebadet werden? Vielleicht, aber sicher nicht in den kommenden Jahren.

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