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HartzIV-Irrsinn: Vermittelt Jobcenter Barnim ins Jenseits?

Eine junge Autorin aus Barnim, die auch in Berlin arbeitete, versteht die Welt nicht mehr: Ihr Jobcenter verlangt die Aufnahme einer Tätigkeit jenseits des Arbeitsmarktes. Meint die Behörde DAS Jenseits im Himmel...? Die Mutter ist ratlos.
Eine junge Autorin aus Barnim, die auch in Berlin arbeitete, versteht die Welt nicht mehr: Ihr Jobcenter verlangt die Aufnahme einer Tätigkeit jenseits des Arbeitsmarktes. Meint die Behörde DAS Jenseits im Himmel...? Die Mutter ist ratlos. (Foto: Eberswalde-Finow Facebook; Vivien Dettman / Symbolbild!)

BERLIN / EBERSWALDE - Die sogenannte Eingliederungsvereinbarung soll HartzIV-Empfängern Ziele vorgeben, um wieder in den Arbeitsmarkt zu finden. Im Jobcenter Barnim werden diese so seltsam formuliert, dass nicht mal die Chefetagen sie verstehen. Oder wüssten Sie, wo "jenseits vom ersten Arbeitsmarkt" liegt? Update: Inzwischen hat sich das Jobcenter bei der Betroffenen entschuldigt!

Ramona B.* (*Name geändert) arbeitete bis zu ihrer Krankheit als selbstständige Autorin auch für eine Berliner Agentur. Die 29-Jährige lebt im Landkreis Barnim. Als zuletzt kein Einkommen mehr kam, wurde sie zu einem Gespräch ins zuständige Jobcenter bestellt. In der Eingliederungsvereinbarung (EGV) empfahl man der jungen Frau eine Untersuchung beim Amtsarzt. Ramona stimmte zu. Wenige Tage später bekam B. die Vereinbarung zur Unterschrift geschickt. Die junge Mutter staunte nicht schlecht: Ramona soll vor allem eine Tätigkeit jenseits des ersten Arbeitsmarktes aufnehmen. Das wäre in dem vorherigen Gespräch laut B. kein Thema gewesen und ihr nie erklärt worden. Und wo verdammt noch mal liegt dieser Ort?

Jobcenter akzeptiert zunächst keine Nachfrage

Die junge Frau schrieb ihre Arbeitsvermittlerin an und teilte mit, sie verstehe den Satz nicht. Die Antwort der Abteilung war schroff (E-Mail liegt vor): "Ist Frau *** mit dieser Eingliederungsvereinbarung nicht einverstanden, dann wäre hier der Fall, das sie Vermittlung wünscht. Die Entscheidung liegt bei Ihnen." Und weiter: "Hier bekommt das Wort „jenseits“ die ausdrückliche Bedeutung." Angeblich sei die Bedeutung, Ramona sei wegen ihrer körperlichen Verfassung nicht vermittelbar. Nur warum schreibt das Jobcenter dann das nicht einfach? "Ich soll wohl gleich ins Jenseits verschwinden, weil ich nicht vermittelbar wegen Krankheit bin", so Frau B. verwirrt. 

Teamleitung will die Bedeutung bald lüften

Nachfrage bei der Zentrale der Agentur für Arbeit, was Ramona denn nun tun solle. Die Pressestelle in Nürnberg verweist an das Jobcenter Barnim und ergänzt: "(...) Es bleibt die Frage, an welche Tätigkeiten der Kollege oder die Kollegin bei der Formulierung gedacht hat (...)." Gute Frage, die ich mit zwei weiteren Fragen an das Jobcenter Barnim in Eberswalde stellte. Das Büro der Geschäftsleitung schrieb wenige Stunden später: "Ihre Fragen kann ich pauschal nicht beantworten, da es sich bei den Eingliederungsvereinbarungen um individuelle Vereinbarungen zwischen dem Leistungsempfänger und der Integrationsfachkraft handelt, welche durch persönliche Gespräche ergänzt werden", so ein Sprecher der Behörde. Immerhin: Die für Frau B. zuständige Teamleitung lädt in zwei Wochen die HartzIV-Empfängerin ein. Dort wird vielleicht die Mutter endlich erfahren, wo jenseits vom Arbeitsmarkt liegt.

Jobcenter Barnim entschuldigt sich

Update 17. Januar 2018: Das Jobcenter Barnim teilte nun mit, dass es sich bei der Formulierung um einen Fehler handelte. Die zuständige Abteilung wird die Eingliederungsvereinbarung abändern.

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