PayTV-Sender verliert Kanäle
Sky erlebt Donnerwetter mit RTL: Zeit für ein Machtwort!

Der Werbeslogan von Sky "Gemacht aus Deinen Wünschen" wird in der Community des PayTV-Senders bissig kommentiert. Am vergangenen Mittwoch gab die Mediengruppe RTL bekannt, sich von Sky trennen zu müssen.
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  • Der Werbeslogan von Sky "Gemacht aus Deinen Wünschen" wird in der Community des PayTV-Senders bissig kommentiert. Am vergangenen Mittwoch gab die Mediengruppe RTL bekannt, sich von Sky trennen zu müssen.
  • Foto: Sky Werbung / Montage / Symbolbild!
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Ein Kommentar von Marcel Adler

BERLIN / UNTERFÖHRING / KÖLN - Da waren's gleich drei: Mit RTL Crime, RTL Passion und RTL Living verliert Sky nicht nur langjährige PayTV-Kanäle zum 17. Juli 2018. In der Konzernzentrale glaubt Sky, mit exklusiven Inhalten besser zu werden. Und Sky Q verkauft man als eierlegende Wollmilchsau. Zeit für ein Machtwort vom König Kunde aus Berlin!

Dass Sky auf der Homepage umgehend über ein Nicht-Sonderkündigungsrecht informiert, weil RTL seine drei PayTV-Sender räumen muss, sagt viel aus. Bei Sky liegen die Nerven blank! Bei mir als Kunde schon lange. Kündigung? "Nein, da sich der Gesamtcharakter deines Abonnements durch die Abschaltung der drei Sender nicht verändert", schreibt sich der Sender die Lage schön. Für alle, die es vergessen haben sollten: Heute wird noch Sport1+HD abgeschaltet. Innerhalb von drei Wochen vier Sender weg. Als Kunde habe ich ja schon viele Verluste ertragen müssen: Im vergangenen Jahr flog nach 17 Jahren GoldStar von der Plattform und Sport1US. Sony zog seinen Actionsender AXN davor ab. Serienerfolge wie "Power", "The Oath" mit Sean Bean oder die Crime Serie mit Donald Sutherland "ICE" schaue ich längst bei der Konkurrenz. Noch weiter davor ließ man ProSiebenSat.1 mit seinen drei Sendern ProSiebenFUN, Kabeleins Classics und Sat.1 emotions ziehen. Viacom wurde bereits mit MTV Live HD vor einigen Jahren verbannt.

Dafür gibt's einen Sender in SD

Sky verweist zu gerne auf seine Eigen- bzw. Gemeinschaftsproduktionen wie "Babylon Berlin" oder "Patrick Melrose" sowie Shows auf Sky1, die das Paket des Senders aufbessern. Das alles erscheint auf den ersten Blick durchaus logisch. Auf den zweiten Blick erkenne ich, dass Sky für weniger Rechte mehr zahlen muss und schon lange eine Quersubvention stattfindet. Dafür werden gnadenlos Drittsender geopfert. Ich frage mich bis heute, wie ein Filmpaket inklusive Entertainment identisch im Preis von einem Bundesliga-Paket sein kann? Denn im internationalen Vergleich verursachen Filme bei Rechtedeals nicht mal ansatzweise die Kosten teurer Sportlizenzen. Auch Investitionen in eigene Inhalte belasten weit weniger als die zuletzt gut halbe Milliarde Euro für Bundesligarechte. Der Sky Werbeslogan "Gemacht aus Deinen Wünschen" wirkt für mich als Kunde wie ein Schlag ins Gesicht. Denn ich habe mir nicht gewünscht, bald die neue Serie "M - Eine Stadt sucht ihren Mörder" oder "The Human", "American Gods" sowie "The Blacklist" nicht mehr bei RTL Crime sehen zu dürfen. Angeblich hätte ich mir dafür Spiegel Wissen im matschigen SD und nur für Satellit gewünscht. Sky beweihräucherte sich in seiner Pressemitteilung als kompetenter Anbieter, der mir nun auch Qualitätsjournalimus biete. Dass die Konkurrenz den Kanal Spiegel Wissen längst - teilweise in FullHD - anbietet, sei hier bei aller Euphorie noch erwähnt.

Q sorgt für Unmut bei Abonnenten

Sky hat nichts nach meinen Wünschen gemacht. Ich wünschte mir ein möglichst breites Angebot an Serien und Lifestyle-Inhalten, die mir zuletzt die RTL-Gruppe im Sky Abo bot. Das Portfolio der Drittsender in Entertainment wurde aber unter der Führung von Sky-Chef Carsten Schmidt radikal abgespeckt. Man habe ja jetzt Sky Q. Das wäre die Zukunft. Bloß, die neue Oberfläche Q für den UHD-Receiver von Sky sorgt ebenfalls für Unmut. Langsam glaube ich, Q steht für Quatsch, der unausgereift ist. Die Krone setzt dem Ganzen nämlich auf, dass Sky mir mit seiner Plattform Q eine Innovation verkaufen will, die keine mehr ist. Denn zahlreiche Features wie Timeshift hat Netflix bereits seit drei Jahren. Aufnahmen der Privatsender funktionieren nicht mehr, Videotext der FreeTV-Sender wurde abgeschafft. Die EPG (elektronische Programmzeitschrift), das bestätigen mir Kunden in der Community, funktionieren bei zahlreichen Nutzern auch bis heute nicht. Die Internetseite der Sky Community ist voll mit Kritik. "Wer bitte hat sich das gewünscht", wird dort in jedem zweiten Thread gefragt. 

Kleine Spitze von RTL zum Abschied

Der Verlust der Mediengruppe RTL war da eben der Gipfel. Auf einen Schlag verschwinden viele Serien und das Programm von Sky wird spürbar ausgedünnt. Ob das wirklich die Wünsche der Zuschauer waren, fragt selbst das Medienmagazin dwdl.de kritisch nach. Was hinter den verschlossenen Türen passierte, lässt sich nur erahnen. In Köln konnte man es sich zumindest nicht nehmen lassen, eine kleine Spitze zu werfen und klar zu machen, was Sky bald durch die Lappen gehen wird: "Wir bedauern es sehr, dass unsere Sender RTL Crime, RTL Passion und RTL Living, die zu den beliebtesten und meistgesehenen Pay-TV-Kanälen in Deutschland und Österreich gehören, ab dem 17. Juli 2018 nicht mehr über Sky zu empfangen sind", so Klaus Holtmann, Bereichsleiter Digitale Spartenkanäle bei RTL. "Leider konnten wir trotz intensiver Bemühungen keine kommerzielle Einigung über die Fortführung der Kooperation erzielen." Die Scheidung der größten Mediengruppe und PayTV-Sender Deutschlands ist ein Donnerwetter für alle Beteiligten und besonders uns Abonnenten.

Der Werbeslogan von Sky "Gemacht aus Deinen Wünschen" wird in der Community des PayTV-Senders bissig kommentiert. Am vergangenen Mittwoch gab die Mediengruppe RTL bekannt, sich von Sky trennen zu müssen.
Die drei PayTV-Sender der Mediengruppe RTL werden ab Mitte Juli bei Sky für alle Abonnenten verschwinden.
Autor:

Marcel Adler aus Friedrichshain

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