Aus für die Biermeile
Traditionsveranstaltung findet bereits in diesem Jahr nicht mehr statt

Bier verbindet. Beim Festival auf der Karl-Marx-Allee konnte jedes Jahr Gebrautes aus aller Welt probiert werden. Das geht jetzt nicht mehr.
  • Bier verbindet. Beim Festival auf der Karl-Marx-Allee konnte jedes Jahr Gebrautes aus aller Welt probiert werden. Das geht jetzt nicht mehr.
  • Foto: Frank-Peter Bürger
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Das Internationale Berliner Bierfestival, sprich Biermeile, an der Karl-Marx-Allee gehörte seit ihrem Start im Jahr 1997 zu den größten Freiluftevents nicht nur im Bezirk. Das ist jetzt Vergangenheit. Bereits im kommenden Sommer wird es die Veranstaltung nicht mehr geben. Das kündigte der Förderverein Biermeile auf seiner Website an.

Begründet wird das Aus vor allem mit den von Jahr zu Jahr gestiegenen Kosten und Auflagen etwa für Sanitäranlagen und Absperrungen, weiteren Vorgaben wegen der veränderten Sicherheitslage und für Sanierungsmaßnahmen an den Grünflächen. Ausgabenposten, die sich so "verschärft" hätten, "dass wir nun finanziell an unsere Grenzen gelangt sind". Würde der Mehraufwand weiter auf die Standbetreiber und Besucher umgelegt, könnten viele Aussteller gar nicht mehr teilnehmen und der Charakter eines kostenfrei zugänglichen, für alle erschwinglichen Festivals ginge verloren, wurde außerdem erklärt.

Die Biermeile zog an jedem ersten Augustwochenende ein Publikum von oft mehr als einer Million Besuchern an. Die wurden dort auf eine Art Weltreise in Sachen Braukunst geschickt. 2019 präsentierten sich 338 Brauereien aus 80 Ländern und mit 2300 einmalig vertretenen Bieren entlang der Allee zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor. Auch ein Musik- und Kulturprogramm auf 18 Bühnen war Teil der Veranstaltung.

Trotz der großen Nachfrage war sie nicht gerade der Lieblingsevent in weiten Teilen der Bezirkspolitik. Hat die deshalb mit ihren Auflagen entscheidend zum Ende beigetragen?

Kaum Beschwerden

Für das ausgeweitete Sicherheitskonzept sei die Landesebene verantwortlich, hält Wirtschafts- und Ordnungsstadtrat Andy Hehmke (SPD) dagegen. Außerdem, so vermutet er, habe es noch andere Ursachen für den Rückzug gegeben. Das ist wahrscheinlich nicht falsch. Richtig ist aber auch, dass der Biermeile, anders als etwa dem Karneval der Kulturen, eine Straßenbenutzungsgebühr abverlangt wurde, und bei den Ausgleichsmaßnahmen für die Grünflächen hat es sich wohl auch nicht unbedingt um Peanuts gehandelt. Es gibt Spötter, die behaupten, nie seien die Anlagen besser gepflegt, als in den Wochen nach der Biermeile.

Hehmke betonte außerdem, dass die Zusammenarbeit mit den Machern des Bierfestivals sehr angenehm gewesen sei. Die hätten sich immer offen für Vorgaben und Veränderungen gezeigt. Speziell, als es vor einigen Jahren ein Problem mit Rechtsradikalen auf dem Festival gegeben habe. Dagegen wurde danach konsequent vorgegangen. Identifizierte Vertreter bekamen Meilenverbot. Ein Durchgreifen, das längst nicht überall Standard sei. Auch eine hohe Beschwerdelage sei zuletzt nicht registriert worden, sagt der Stadtrat. 2019 bestand die aus einer Meldung. Die habe sich auf nicht rechtzeitig abtransportierte Verkehrsschilder bezogen. Dafür konnte die Biermeile aber nichts.

2020 wird es definitiv keinen Treffpunkt rund um das Bier auf der Karl-Marx-Allee geben. Nicht völlig ausgeschlossen ist, dass es danach eventuell zu einer Art Light Version kommen könnte – kleiner, spezialisierter und unter einem anderen Betreiber. Auf jeden Fall dann aber anders, als 22 Jahre lang.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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