Bei Hertha läuft gerade nicht alles auf dem Rasen

Der ernste Gesichtsausdruck des Hertha-Verteidigers Lukas Klünter drückt die gesamte Enttäuschung über die 2:4 Heimniederlage gegen RB Leipzig und die bedrohliche Tabellensituation treffend aus. Nach drei Niederlagen in Folge taumeln die Berliner dem Tabellenkeller entgegen. Das nächste Spiel bei den ebenfalls abstiegsbedrohten Augsburgern sei von entscheidender Bedeutung. Der Zeitpunkt für die erneute Krise der Hertha könnte unglücklicher nicht sein. Am Freitag flossen weitere 99 Millionen Euro des Investors Lars Windhorst auf das Konto der Hertha - die zweite Tranche von insgesamt geplanten 225 Millionen Euro.

Zudem konnte Jürgen Klinsmann als Aufsichtsrat bei den Berlinern gewonnen werden. Der sportliche Erfolg hinkt den Entwicklungen außerhalb des Platzes weit hinterher.

Klinsmann als Neuzugang

Auch auf der Mitgliederversammlung nach der Heimniederlage gegen Leipzig ist die gedrückte Stimmung mit Händen zu greifen. Der Präsident der Hertha, Werner Gegenbauer, doziert über den Einstieg des Investors und welch ein Segen dies für den Verein sei, über die Pläne fürs neue Stadion und über das verloren gegangene Derby gegen den Stadtrivalen Union. Er tut dies mit lauter Stimme, als wolle er den Verein aus seiner Lethargie reißen. Dabei wollen die hochtrabenden Pläne, die er und Jürgen Klinsmann zuletzt für den Verein geschmiedet hatten, so gar nicht zur sportlichen Situation passen. Vom spannendsten Fußballprojekt Europas und dem Big City Club war die Rede, man verstieg sich sogar zu einem Vergleich mit den Giganten Real Madrid und Paris St. Germain.

Die wirtschaftliche Lage des Clubs ist so gut wie noch nie. Umsatz und Gewinn des abgelaufenen Geschäftsjahres weisen Rekordzahlen auf. Der Schuldenstand ist ebenfalls rekordverdächtig. Dank des Investors jedoch nur eine temporäre Randnotiz. Auch die Petition der Fans, die damit beim Senat um Unterstützung für den Stadionneubau warben, startete erfolgversprechend. Im krassen Widerspruch zu all den positiven Nachrichten steht die sportliche Talfahrt der "Alten Dame", die zuletzt sogar vom Stadtrivalen Union in der Tabelle überholt wurde.


Geld kann eben keinen Erfolg kaufen


Der Stachel des verlorenen Derbys sitzt noch tief. Als die Mannschaft die Mitgliederversammlung verlassen hatte, blieb dies zwar weitgehend unkommentiert, doch am Wochenende im Stadion schlug den Spielern teilweise blanker Hass entgegen. Fehlendes Spielglück und Pech mit Schiedsrichterentscheidungen seien kein tauglicher Erklärungsansatz für die sportliche Krise. Die Mannschaft hinke den eigenen Ansprüchen und der Erwartungshaltung der Fans und Verantwortlichen deutlich hinterher, beklagte Manager Michael Preetz. Dass sich aufgrund des anhaltenden Misserfolgs wie in der Branche üblich die Trainerfrage stellt, ist wenig überraschend. Beste Wettanbieter hatten Hertha vor Saisonbeginn noch deutlich stärker eingeschätzt. Auch Ante Covic, der Trainer selbst, äußerte Verständnis für die Diskussionen um seine Person.

11 Punkte aus 11 Spielen sind die Bilanz eines Absteigers. Covic war mit der Mission angetreten, sowohl die Spielweise attraktiver zu gestalten, als auch für mehr Erfolg zu sorgen. Davon ist bisher nichts zu sehen. Vom Manager bekommt der Trainer nach wie vor Rückendeckung - wenig verwunderlich, war Covic doch der Wunschkandidat von Michael Preetz. Man müsse sich für den Aufwand wieder belohnen und das Spielglück erzwingen, forderten die Verantwortlichen einhellig. Kaum mehr als die üblichen Durchhalteparolen. Die nächsten Gegner der Hertha sind schwere Brocken. Dortmund, Frankfurt, Freiburg, Leverkusen und Gladbach. Die nötigen Punkte einzufahren, wird kein Selbstläufer. Genug Geld, aber zu wenig Punkte, monierte der Präsident zum Abschluss der Versammlung. In den nächsten Wochen gibt es genügend Gelegenheiten, dies zu ändern.

Autor:

Mirjam Streuer aus Frohnau

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