Diesterweg-Projekt steckt fest: Kostenexplosion für Turnhalle blockiert Wohnungsbau

Die alte Sporthalle des früheren Diesterweg-Gymnasiums kann erst Wohnhäusern weichen, wenn die Ersatzsporthalle steht. | Foto: Dirk Jericho
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Gesundbrunnen. Die Pläne, das Gelände des seit 2011 leerstehenden Diesterweg-Gymnasiums an der Swinemünder Straße zum Wohn- und Kulturort umzubauen, stecken erneut fest. Grund ist die fehlende Finanzierung für die neue Sporthalle.

Die orangefarbene Schule wird saniert und zum Kiez-Kulturzentrum mit Kita und Gemeinschaftsgarten. In den Obergeschossen entstehen preiswerte Mietwohnungen. Und die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft degewo baut auf dem Sportplatzareal Wohnhäuser mit rund 360 preisgünstigen Wohnungen. So der Plan, über den sich das Non-Profit-Projekt ps wedding, das das Schulgebäude übernehmen will, und die degewo weitgehend einig sind. Bezirk und Senat unterstützen das Wohnungsvorhaben.

Doch die Wohnungen können erst gebaut werden, wenn die alte Sporthalle abgerissen ist. Weil in Berlin Turnhallen besonders geschützt sind, darf der Abrissbagger erst anrücken, wenn die geplante Sporthalle auf dem benachbarten Schulhof der Vineta-Grundschule steht. Doch dafür gibt es plötzlich keine Finanzierung. Die für Hochbau zuständige Stadträtin Sabine Smentek (SPD) hat jetzt im Bezirksamt mitgeteilt, dass die bisher kalkulierten Kosten für die Ersatzsporthalle nicht mehr 4,5 Millionen Euro, sondern 8,4 Millionen Euro betragen. Der Senat hatte bereits 3,5 Millionen Euro zugesichert, eine Millionen Euro wollte der Bezirk stemmen. Wie der Senat dem Bezirk mitgeteilt hat, ist er nicht bereit, die Mehrkosten zu übernehmen. Und wie der Bezirk die Differenz bezahlen will, ist unklar. Zu den Gründen der Kostenverdoppelung wollte sich Smentek nicht äußern. „Sie können sicher sein, dass die Halle gebaut wird“, sagte sie lediglich. Nach Informationen der Berliner Woche bezieht sich die bisherige Kostenschätzung auf das sogenannte Referenzobjekt in der Schöningstraße. Hier soll für das Lessing-Gymnasium auch eine neue Sporthalle gebaut werden, deren Kosten ebenfalls explodiert sind – auf 9,1 Millionen Euro.

Fakt ist, dass sich der Bau der Sporthalle für die Vineta-Schule und Vereinssportler immer weiter verzögert – und damit der Start des degewo-Wohnungsbaus. Ein möglicher Fertigstellungstermin – die Finanzierung vorausgesetzt – wurde von 2019 auf 2021 verschoben. Smenteks Parteikollege und Mittes Finanzchef, Bürgermeister Christian Hanke, ist aber „nicht pessimistisch“. Warum die Kosten so drastisch explodiert sind, konnte auch er nicht erklären. „Die Vorplanungsunterlagen sind ja Pi mal Daumen“, so Hanke. Außerdem gebe es Baukostensteigerungen. Seiner Meinung nach wird sich das Ganze um mindestens „neun Monate verzögern, weil der Senat Investitionen über fünf Millionen Euro prüfen muss“. Obwohl der Bezirk jährlich nur sieben Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung hat, glaubt Hanke, „dass wir das hinkriegen“. Es werde auch Sonderprogramme geben und Mitte habe einen Jahresüberschuss von vier Millionen Euro. An die durfte der Konsolidierungsbezirk allerdings bisher nicht ran. Sven Diedrich, Spitzenkandidat der Linken für die BVV, ist „fassungslos“ wegen des Planungschaos‘. „Wir haben Wohnungsnot in der Stadt. Es kann nicht sein, dass man von der Planung bis zur Fertigstellung einer Turnhalle neun Jahre braucht“, sagte Diedrich. DJ

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Dirk Jericho aus Mitte

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