Ohne Deutsch kein Mathe
Sprint-Projekt macht seit über zehn Jahren Sprachförderung

Immer gut besucht: der Computerraum im Medienhof.
  • Immer gut besucht: der Computerraum im Medienhof.
  • Foto: Medienhof Wedding
  • hochgeladen von Dirk Jericho

Am 5. Dezember diskutieren Politiker im Medienhof in der Prinzenallee 25-26 über „Sprachförderung im sozialen Brennpunkt“. Zur offenen Diskussionsrunde „Sprachlos im Wedding“ ab 19.30 Uhr ist jeder willkommen.

Es klingt wenig ermutigend, was Herbert Weber sagt. „Es wird immer schlimmer“, so der Sprint-Projektleiter, seit zwölf Jahren Chef des Sprachförderprogramms. Das Sprachlernprojekt Sprint steht für Sprache und Integration. Die Anstrengungen, den Kids im sozialen Brennpunkt zusätzliche Lernhilfe zu bieten, gleichen dabei eher einem hartnäckigen Dauerlauf. „Wir haben Zehntklässler, die nicht mal die Grundrechenarten beherrschen“, so Weber. Das Problem: In den Schulklassen gebe es kaum noch Mittelschichtskinder; wer kann, schickt seine Kinder nicht auf diese „Resteschulen“, so Weber. Auch würden die Schulen im sozialen Brennpunktkiez Schwierigkeiten haben, Lehrer zu finden. Ohne sein Sprint-Programm sähe alles noch viel düsterer aus, davon ist Herbert Weber fest überzeugt.

Das Projekt wurde anfangs komplett von der privaten Stiftung Mercator gefördert. Seit 2017 bekommt der Medienhof eine Regelförderung vom Senat. 150 000 Euro jährlich sind bis Ende 2019 im Haushalt eingestellt. Herbert Weber hofft, dass die Finanzierung auch im kommenden Doppelhaushalt festgeschrieben wird.

Jahrelang musste sich das Sprachlernprojekt von Förderbescheid zu Spendenzusage hangeln. Heute hat Weber nicht mehr so große Probleme, die derzeit benötigten etwa 20 000 Euro Spenden jährlich aufzutreiben. Wohlhabende Mäzene und Unternehmen unterstützen den Medienhof.

Dort betreuen Lehramtsstudenten Schüler mit Migrationshintergrund vom 5. bis zum 13. Schuljahr. Die Idee des Programms ist, dass sich die angehenden Lehrer in der Praxis für das Fach Deutsch als Zweitsprache (DaZ) in der Arbeit mit jungen Migranten qualifizieren und diese dadurch zusätzliche Sprachförderung bekommen. Die Studenten erhalten für ihren Einsatz zwölf Euro Honorar pro Unterrichtsstunde und eine Praktikumsbestätigung. Ihre Mitarbeit wird als Übung im Masterstudium an der FU Berlin anerkannt. Die Studenten helfen den Schülern bei den Hausaufgaben und bereiten mit ihnen Präsentationen für den Unterricht vor.

Der Medienhof ist längst eine wichtige Bildungseinrichtung im Soldiner Kiez. Im Monat kommen etwa 300 Schüler. „Das sind die, die auch wirklich lernen wollen“, sagt Weber. Werbung macht er keine. Nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda seien die zwei Räume meistens brechend voll. Insgesamt sind pro Jahr etwa 50 Studierende im Einsatz. 30 davon arbeiten direkt an den sechs umliegenden Schulen im Kiez.

Wie es weitergehen soll mit der Sprachförderung, darüber will Herbert Weber am 5. Dezember mit allen Interessierten diskutieren. Sprachförderung müsse in der Kita beginnen. „Doch da ist gar nichts; das steht nur auf dem Papier“, so Weber. Genug Gesprächsstoff also für die offenen Diskussionsrunden im Medienhof. Eingeladen sind die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus aus dem Wahlkreis Wedding/Gesundbrunnen, Maja Lasic, die Grünen-Bildungspolitikerin Stefanie Remlinger, die Linke-Abgeordnete Regina Kittler und der Chef des Sprachförderzentrums Mitte, Rainer Pede.

Informationen zum Projekt unter: https://foerderunterricht-sprint.de

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