Geschichte neu inszeniert
Nach der Sanierung entwickeln Künstler für das Mitte Museum ein neues Ausstellungskonzept

Museumsleiterin Kerstin Sittner-Hinz auf den Borsig-Figuren, die früher im Museum standen.
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  • Museumsleiterin Kerstin Sittner-Hinz auf den Borsig-Figuren, die früher im Museum standen.
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Vor drei Jahren wurde das regionalgeschichtliche Museum für Mitte, Tiergarten und Wedding in der Pankstraße 47 wegen Komplettsanierung geschlossen. Ein Jahr später als geplant ist alles fertig und die über 100 000 ausgelagerten Exponate sind zurück. Was ab August gezeigt wird, weiß noch niemand.

Die Dielen sind abgeschliffen, die Decken und Wände gespachtelt und gestrichen, die Backsteinfassade und das Dach saniert – das Mitte Museum im 1866 als 32. Gemeindeschule eröffneten Gebäude erstrahlt in neuem Glanz. Alle Fenster sind neu und es gibt endlich auch einen Fahrstuhl, so dass auch Rollstuhlfahrer in die Ausstellungen kommen. Drei Millionen Euro konnte der Bezirk verbauen; das Geld stammt aus dem Senatsförderprogramm Siwana.

Seit Ende 2018 wurden alle Exponate aus einem Lager in Neukölln – vom Zinnsoldaten bis zur Drehbank – zurückgeschleppt ins neue Mitte Museum. In den schicken Räumen stehen überall Umzugskartons mit zigtausenden Gegenständen. Uniformen hängen noch eingepackt in den Transportkosten, die lebensgroßen Borsigfiguren Schmied und Gießer liegen auf Decken. Das originale Klassenzimmer von etwa 1900 ist noch zusammengeschoben; das riesige Modell der AEG-Werke steht zerlegt herum. Nur das etwa 40 Quadratmeter große Stadtmodell von Alt-Moabit hängt wieder an der Decke. Experten haben die sieben Teile wieder in dem Ausstellungsraum angeschraubt, in dem es seit Jahrzehnten hing.

Künstlerteams haben freie Hand

Was zukünftig im Mitte Museum ausgestellt und gezeigt wird, ist noch nicht klar. Das Deckenmodell bleibt aber hängen, ist die einzige Bedingung von Museumsleiterin Kerstin Sittner-Hinz. Ansonsten haben die fünf Künstler- und Gestalterteams, die vom Kulturamt per Ausschreibung eingeladen wurden, ein Ausstellungskonzept unter dem Arbeitstitel „Schauraum Mitte Museum“ zu erarbeiten, freie Hand. In zwei Wochen will sich das Kulturamt für ein Konzept entscheiden. Amtsleiterin Ute Müller-Tischler hofft, dass die erste Ausstellung in vorerst drei Räumen im August eröffnen kann.

Die Künstler sollen „einen anderen Blick auf die Bezirksgeschichte entwickeln“ und die Sammlung neu inszenieren, so Müller-Tischler. Die Miniausstellung sei „wie eine Ouvertüre“. Ende 2020 soll dann die Dauerausstellung zur Geschichte und Gegenwart des Bezirks fertig sein und eröffnen. Auch dafür werden Kuratoren per Ausschreibung gesucht.

Moderner und multimedialer

Fest steht, dass es zukünftig viel moderner und auch multimedialer zugehen wird im ehemaligen Heimatmusem. Den Chronikraum mit Zeitleiste wird es so nicht mehr geben; und einfach ein paar Alltagsgegenstände wie Nähmaschine oder Porzellankanne hinzustellen, reicht heute auch nicht mehr. Viel mehr sollen die ausgewählten Exponate Geschichten erzählen und Geschichte lebendig werden lassen. Wie der kleine Pinselschrank mit Schubladen voller Tierhaarpinsel, der 1992 ins Mitte Museum kam. Das 130 Jahre alte Möbelstück gehörte zur Ladeneinrichtung der Farbenhandlung Hermann Harder, die 1862 in der Badstraße 28 eröffnet wurde, wie Sigrid Schulze vom Mitte Museum im aktuellen Museumsjournal berichtet. Die Geschichte um den Pinselschrank ist ein Beispiel für den wirtschaftlichen Aufschwung am Gesundbrunnen Mitte des 19. Jahrhunderts und zeigt, dass Gentrifizierung kein neues Problem ist. Mit der Maueröffnung und dem Boom der Baumärkte musste die Farbenhandlung Hermann Harder 1992 schließen. Es gibt sicher noch viele weitere spannende Geschichten. In den Kellerdepots des Geschichtsmuseums lagern zwei Drittel aller Exponate. Das Mitte Museum hat zum Beispiel 65 000 originale Fotografien, 6500 Keramikobjekte und 300 Gemälde.

Das Gebäude gehört zu den ältesten Gemeindeschulbauten Berlins. Später wurden in der Berufsschule auch Schornsteinfeger, Bauhandwerker und Hauswirtschaftlerinnen ausgebildet. Seit 1987 hatte der damalige Bezirk Wedding das Gebäude als Ausstellungshaus genutzt. Nach Sanierung wurde  1989 das Heimatmuseum Wedding eröffnet. Mit der Bezirksfusion 2001 wurden die Bezirksmuseen zusammengelegt. Die Ausstellungen von Alt-Mitte waren 2009 die letzten, die ins neue Mitte Museum umgezogen sind. In der Dauerausstellung wurden bisher Alltagskultur, Schul- und Technikgeschichte sowie die Geschichte der drei Ortsteile Wedding, Mitte und Tiergarten gezeigt. Mehr Infos unter http://mittemuseum.de.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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