Gegen die Einsamkeit
Silbernetz-Hilfstelefon für Senioren jetzt jeden Tag

Silbernetz-Freundin Carola war eine der ersten Ehrenamtlichen im Team.
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  • Silbernetz-Freundin Carola war eine der ersten Ehrenamtlichen im Team.
  • Foto: Silbernetz
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Nach fast vier Jahren Vorbereitung und einem ersten Probelauf vom 24. Dezember 2017 bis zum 1. Januar wird das Hilfetelefon jetzt dauerhaft freigeschaltet.

Der Ehepartner gestorben, die Kinder längst aus dem Haus und weit weg und keine Freunde oder Bekannten, die vorbeikommen: Für viele alte Menschen, die keine Kraft und keinen Mut mehr haben, sich aufzurappeln, sind die Stimmen im Fernsehen oft die einzigen, die sie hören. Elke Schilling hat das selbst erlebt. Vor ein paar Jahren bemerkte sie den einsamen Tod ihres Nachbarn, als es lange zu spät war. „Als die Flyer eines Lieferservice wochenlang am Türknauf hingen, alarmierte ich Polizei und Vermieter“, so die Silbernetz-Initiatorin. In dem Krimi „Acid Row“ von Minette Walters las Elke Schilling etwa zeitgleich von der Idee eines Altennetzwerks. Und tatsächlich: In Großbritannien gibt es seit 2013 „The Silver Line Helpline“, heute ein landesweites Hilfstelefon für vereinsamte Senioren, das täglich etwa 1000 Anrufe aus ganz Großbritannien entgegen nimmt.

Am 24. September konnte in Berlin das deutsche Pendant nach dem Vorbild der Silver Line Helpline freigeschaltet werden. Unter 0800 470 80 90 können vereinsamte oder isoliert lebende ältere Menschen täglich zwischen acht und 20 Uhr die kostenfreie Hotline wählen. Das Angebot gilt zunächst für Anrufer aus Berlin, soll aber später ausgeweitet werden.

Träger des Gesamtprojektes Silbernetz ist der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg. Vorerst fünf Mitarbeiter nehmen in der neuen Silbernetz-Geschäftsstelle in der Wollankstraße 97 die Anrufe entgegen. Das sind ältere und schwerbehinderte Menschen, die über das Jobcenter von Silbernetz für das Hilfetelefon rekrutiert wurden. Sie arbeiten in Teilzeit und haben endlich wieder eine sinnvolle Tätigkeit. Wie Elke Schilling sagt, sollen bis Dezember 16 Leute im Telefon-Team arbeiten. Dann soll die Silbernetz-Hotline täglich 24 Stunden besetzt sein. Die Kollegen wurden für die Annahme der Gespräche und in behutsamer Gesprächsführung ausgebildet und sind jeweils zwischen drei bis vier Stunden pro Schicht in der Anrufzentrale in Gesundbrunnen am S-Bahnhof Wollankstraße. Die Räume für das Hilfstelefon bekommt der Silbernetz-Verein mietfrei von der Gercke&Lala Stiftung, der das Haus gehört. Die Stiftung engagiert sich in der Altenhilfe und unterstützt das Projekt. Finanziert wird die Silbernetz-Geschäftsstelle in den Räumen eines ehemaligen Gemischtwarenladens zudem vom Senat und von der Lottostiftung. Silbernetz finanziert das Hilfetelefon. „Für die Weiterleitungskosten, die uns durch die 0800er Nummer entstehen, suchen wir noch eine Telefongesellschaft, die uns sponsert“, sagt Elke Schilling. Die Silbernetz-Gründerin rechnet mit einer vierstelligen Summe, die bis Jahresende auflaufen wird.

Das Silbernetz-Hilfstelefon hat ein dreistufiges Angebot für ältere, einsame Menschen entwickelt. Nach dem Erstkontakt mit den Angestellten der Hotline sollen die Betroffenen an einen sogenannten Silbernetz-Freund vermittelt werden, wenn sie dies wünschen. Das sind geschulte Ehrenamtliche, die einmal in der Woche eine Stunde einen älteren vereinsamten Menschen anrufen und ihm Gesprächszeit schenken. Die Silbernetz-Freunde geben auch Tipps zu den Kiezangeboten für Senioren, um die Vereinsamten rauszuholen aus der Isolation. Bisher gibt es 35 ehrenamtliche Silbernetz-Freunde. Weitere Menschen, die einsamen Senioren zuhören und helfen möchten, werden gesucht. Der Verein bietet monatlich zwei Wochenendschulungen für die neuen Silbernetz-Freunde. Ende August wurde eine Kampagne über Facebook, Twitter und Instagram gestartet, um für die Helpline und weitere Ehrenamtliche zu werben.

Prominente Unterstützer von Silbernetz sind die Schriftstellerin Minette Walters, die Moderatorinnen Annika Zimmermann, Sarah Zerdick, Diane Hielscher und Anja Heyde sowie der Schauspieler Jörg Malchow. Seine Botschaft auf dem Plakat: „Allein? Besser zur zweit! Nimm den Hörer selbst in die Hand! Allein muss nicht einsam sein. Teile dein Leben und du hast mehr davon! Reden hilft.“

Weitere Infos unter https://www.silbernetz.org

Silbernetz-Freundin Carola war eine der ersten Ehrenamtlichen im Team.
Elke Schilling hat das Silbernetz-Telefon gegründet.

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