Mieter protestieren gegen Gropiuswohnen
Kritik an Mietsteigerung nach Sanierung / Geschäftsführer nimmt Stellung

Olaf Kamp, Geschäftsführer bei Gropiuswohnen. Im Hintergrund das bereits sanierte Gebäude am Löwensteinring 44.
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  • hochgeladen von Susanne Schilp

Unter dem Motto „Wir dämmen zurück! Gegen soziale Kälte!“ gab es in der vergangenen Woche eine Demonstration rund um den Lipschitzplatz. Damit protestierten Anwohner gegen Gropiuswohnen. Der Vorwurf: Die Gesellschaft treibe mit energetischen Sanierungen die Mieten in die Höhe.

Mehr als 4000 Wohnungen gehören Gropiuswohnen, seit die Gesellschaft den Bestand vor zwölf Jahren von der Gehag übernommen hat. Acht Blöcke mit rund 600 Wohnungen am Löwensteinring wurden bereits saniert, nun sind die Häuser am Ulrich-von-Hassel-Weg 5–7 und an der Lipschitzallee 59–61 mit 144 Wohnungen an der Reihe. Die Fassaden werden mit mineralischer Steinwolle gedämmt, die Fenster ausgetauscht. Weil die Arbeiten bereits im vergangenen Jahr angekündigt wurden, können elf Prozent der Kosten auf die Miete umgelegt werden. Seit Anfang 2019 sind es nur noch acht Prozent.

Mieter wollen nicht draufzahlen

Für die Bewohner heißt das: Haben sie bisher durchschnittlich 5,79 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter bezahlt, werden es nach der Modernisierung 8,07 Euro sein. Für viele bedeutet das eine Verdoppelung innerhalb der letzten zehn Jahre, denn bis 2010 galt noch die Preisbindung im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus, die Mieten lagen dort um die vier Euro.

Die Betroffenen sind sich sicher, dass die Modernisierungsumlage für sie deutliche finanzielle Nachteile bringt. Deshalb fordern sie eine „Warmmietenneutralität“, sprich: die Miete steigt nur um die Summe, die bei den Heizkosten tatsächlich eingespart werden kann.

Und die Instandhaltung?

Möchte Olaf Kamp, Geschäftsführer von Gropiuswohnen, zu dieser Forderung öffentlich nichts sagen, so geht er auf einen anderen Punkt ein. Die Demonstranten werfen dem Unternehmen nämlich vor, es vernachlässige die Instandsetzungen der Häuser, also Reparaturen und Sanierungen, bei denen die Mieter nicht zur Kasse gebeten werden. „Es ist richtig, dass die Gehag in den vergangenen 40 Jahren relativ wenig gemacht hat. Wir haben aber seit 2010 rund 80 Millionen Euro in Instandhaltungen gesteckt“, so Kamp. Das seien rund 37 Euro pro Quadratmeter und Jahr, städtische Wohnungsgesellschaften brächten es nur auf etwa die Hälfte. Beispiele seien der Einbau moderner Bäder in der Weißen Siedlung oder die Erneuerung der Aufzüge – 70 der insgesamt 109 seien bereits ausgetauscht. „Beides kostet die Mieter keinen Cent“, so Kamp.

Demgegenüber stünden rund zehn Millionen Euro für umlagefähige energetische Sanierungen im selben Zeitraum. „Wenn wir eine Fassade anfassen, sind wir laut Energieeinsparverordnung dazu verpflichtet, Mindeststandards einzuhalten und mehr machen wir auch nicht“, sagt Kamp. Für jedes einzelne Objekt gebe es im Vorfeld Gutachten, die prüften, wie rund 50 Prozent der Energiekosten gespart werden könnten.

Es ärgert ihn manchmal, dass Gropiuswohnen mit anderen Unternehmen einfach in einen Topf geworfen werde. „Wir wandeln keine Miet- in Eigentumswohnungen um, machen keine Luxussanierungen, und wir wollen unsere Bestandsmieter behalten“, betont er. Die derzeitige durchschnittliche Nettokaltmiete von 6,11 Euro liege nur sechs Cent über der von städtischen Gesellschaften.

Ans Einkommen gebunden

Zudem könne jeder, den eine Mietsteigerung finanziell überfordere, einen Härtefallantrag stellen. Voraussetzung ist, dass die künftige Miete mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens beträgt. Beim Haus Löwensteinring 44 habe es zehn dieser Anträge gegeben. Fünf seien zurückgezogen worden, als die Überprüfung der Vermögensverhältnisse ins Haus stand, in drei Fällen mussten die Mieter nur einen Teil der Erhöhung zahlen, zwei Mal blieb die Miete, wie sie war.

Gropiuswohnen will auch in Zukunft energetisch sanieren. Doch laut Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann (Grüne) können alle Modernisierungsvorhaben, die 2019 angekündigt worden sind oder werden, zumindest bis Ende des Jahres zurückgestellt werden. Das Bezirksamt prüft nämlich eine sogenannte Umstrukturierungsverordnung für die Gropiusstadt. Sie könnte es beispielsweise möglich machen, Miethöhen stärker an dem Einkommen der Bewohner zu orientieren und die großen Wohnungsunternehmen an den Verhandlungstisch zu holen.

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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